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 DIETER RINGLI / JOHANNES RÜHL: Die Neue Volksmusik : siebzehn Porträts u. eine Spurensuche.
DIETER RINGLI / JOHANNES RÜHL
Die Neue Volksmusik : siebzehn Porträts u. eine Spurensuche.
chronos-verlag.ch
(– Zürich : Chronos-Verl., 2015. – 359 S. + CD)
ISBN 978-3-0340-1310-9 , 34,00 EUR


Der Ländler, die Schweizer Volksmusik, stammt ursprünglich aus Österreich und Bayern. Die einen lieben ihn, die anderen verstehen ihn als Ausdruck der Ewiggestrigen und der Parteigänger, bei denen das Schweizerkreuz auf dem Parteilogo prangt. Was aber ist die Neue Volksmusik? Dieter Ringli und Johannes Rühl, beide Dozenten an der Hochschule Luzern, befassen sich seit Jahren mit dem Thema. Nicht Eingeweihte hören vor der Lektüre am besten die beiliegende CD (19 Tracks, 69:18). Die Bandbreite der neunzehn Stücke erstaunt. Sie reicht von der Jodlerin Nadja Räss, deren Ausdruck stark von der Tradition geprägt ist, über das von der Klassik beeinflusste Geigenduo Andreas Gabriel & Fabian Müller bis hin zum experimentellen Alphorn-Gesangsduo Stimmhorn. Alle Musiker schöpfen aus der Tradition der Schweizer Volksmusik. Die meisten der auf der CD präsentierten Künstler wurden für das Buch über ihre Beziehung zur Neuen Volksmusik befragt. Die so entstandenen, siebzehn mehrstündigen Interviews sind ungekürzt im Buch enthalten. Die Art und Weise, wie die Befragten die Schweizer Volksmusik schätzen gelernt haben, ist höchst unterschiedlich. In einem Belang sind sich alle einig: Das Label „Neue Volksmusik“ will niemandem richtig gefallen. Die profunden Erläuterungen der Autoren, wie und weshalb die Abgrenzung zwischen Volksmusik und Neuer Volksmusik entstanden ist, klären über die Hintergründe der Abspaltung auf. Wer die CD hört und schon mal Schweizer Ländler gehört hat, spürt sofort, wo der Unterschied liegt. Hier die starre, rückwärtsgewandte Volksmusik, dort die Neue Volksmusik, deren Interpreten bewusst Grenzen ausloten und mit ihrer Musik zu neuen Ufern aufbrechen. Anekdoten, wie etwa die Jodlerin Christine Lauterburg aus dem Jodelverband ausgeschlossen wurde, weil sie sich zur Geige statt zur vorgeschriebenen Handorgel begleitete, sagen alles. Erstaunlich ist höchstens, dass die Frau, die in den Neunzigern mit Technojodel und Fantasietrachten von sich reden machte, versuchte, sich das enge Korsett des Jodelverbandes anzuziehen.
Martin Steiner
 ALLAN F. MOORE [Hrsg.]: Legacies of Ewan MacColl : The Last Interview  / ed. by Allan F. Moore and Giovanni Vacca.
ALLAN F. MOORE [Hrsg.]
Legacies of Ewan MacColl : The Last Interview / ed. by Allan F. Moore and Giovanni Vacca.
ashgate.com
routledge.com
(– Farnham : Ashgate Publ., 2014. – XVI, 267 S. : : mit Fotos u. Notenbeisp. )
ISBN 978-1-4094-2430-7 , 19,99 GBP


Es steht völlig außer Frage: Ewan MacColl war eine enorm einflussreiche Größe, was das Folkrevival im England der 50er- und 60er-, vielleicht auch noch der 70er-Jahre betrifft. In Fachkreisen besteht diesbezüglich Einigkeit. Darüber hinaus hat er etliche unvergessene Songs geschrieben, die zum Teil von weniger informierten Hörern problemlos als Teil der Tradition angesehen werden – „Manchester Rambler“, „Sixty Foot Trailer“, „Dirty Old Town“ oder der Pophit „The First Time Ever I Saw Your Face“. Unterschiedlich allerdings fällt das Urteil aus, wenn es um die Person MacColl und seine kontroversen Einstellungen geht. Zu extrem und dogmatisch waren von ihm geführte Institutionen wie der Singers Club („Du darfst nur Musik aus dem Land spielen, aus dem du kommst.“) oder die Critics Group, wo dann von Gegnern auch schon mal das Wort Gehirnwäsche fiel. In den Jahren 1987 und 1988, also ein gutes Jahr vor seinem Tod, gewährte MacColl dem damals noch ziemlich jungen italienischen Volkskundestudenten Vacca mehrere ausführliche Interviews, eine ausgesprochene Seltenheit. Nun sind diese Interviews mehr oder wenige unediert, aber kommentiert erschienen, zusammen mit einigen interessanten Aufsätzen zum Thema, davon besonders informativ „MacColl and the English Folk Revival“ von Dave Laing. Die Interviews zeigen einen MacColl, der enorm wissensreich informieren und argumentieren konnte (auch wenn er nachgewiesenermaßen ab und zu zur Übertreibung neigte) und der teilweise sicherlich ein wenig altersmilde geworden war, aber immer noch durch seine teilweise unnachgiebigen Standpunkte polarisieren konnte. MacColl erhält die Möglichkeit zu langen Monologen, besonders faktenreich über Schottlands Geschichte und Kultur. Zwischendurch gibt es auch ein paar kurzweiligere Themen wie die Frage, warum er sich den Finger ins Ohr steckt, wenn er singt (tut er gar nicht, er deckt das Ohr nur ab), oder die, warum er sich in Ewan MacColl umbenannt hat (sein Geburtsname war James Henry Miller). Für Freunde des zweiten englischen Folkrevivals.
Mike Kamp

 CHRISTOPH A. G. KLEIN: Erfolgreich im Musikbusiness für Dummies / Fachkorrektur von Armin Nöth.
CHRISTOPH A. G. KLEIN
Erfolgreich im Musikbusiness für Dummies / Fachkorrektur von Armin Nöth.
wiley-vch.de
(– Weinheim : Wiley, 2016. – 360 S. : mit zahlr. Ill.)
ISBN 978-3-527-71163-5 , 19,99 EUR


Ein Buch für diejenigen, die von ihrer Musik überzeugt sind und nicht nur einfach irgendwo auftreten wollen, sondern damit erfolgreich werden wollen. Nach Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses und der Einführung mag man sich fragen: Das ist so ein weites Feld, und das wird auf „nur“ 360 Seiten behandelt? Immerhin geht es um zahlreiche Themen: Überblick Musikbusiness, Steuer und Recht, GEMA, KSK, GVL und Versicherungen, Kreativität, Musikprofilerstellung, Marketing, Medien, Konzert & Technik, Demotapes erstellen, Plattenvertrag, Vertrieb, Merchandising, Sponsoring und Endorsement … – und das für diejenigen, die von all den Dingen keine beziehungsweise wenig Ahnung haben. Aber der Autor, dessen berufliche Biografie vom Veranstaltungskaufmann über den Master of Business Administration bis hin zur Dozententätigkeit an der Akademie Deutsche Pop reicht, zeigt, wie es geht. Er erläutert jedes Thema sehr praxisorientiert durch einen Überblick und Stichwortlisten oder mittels einer Zusammenfassung und verweist weiter auf nützliche Websites oder auf den Anhang (Musterverträge). Durch diese Vermittlungsart kann man tatsächlich viele Themen informativ und doch knapp vermitteln. Sehr hilfreich für den interessierten Leser ist, dass es in diesem Buch nicht ausschließlich um die künstlerische Gestaltung eines Erfolges geht (Teil II), sondern sogar überwiegend um all die Dinge, über die sich ein Musiker auch Gedanken machen sollte, wenn er erfolgreich werden will und gar von seiner Musik Leben will: Recht, Verwaltung, Versicherung, Marketing (Teil I, II und IV). Wer dieses Buch durcharbeitet, hat quasi seinen Businessplan als Musiker stehen und weiß, worauf es ankommt, wie er weiterkommt. Schade nur, dass der Autor trotz allem auch kein Patentrezept für Erfolg zu bieten hat und nur Möglichkeiten aufzeigen kann, was getan werden kann, wenn …!
Doris Joosten
 ERIK KRIEK: In the Pines : 5 Murder Ballads / bearb. u. ill. von Erik Kriek. Übers. aus d. Engl.: Benjamin Mildner.
ERIK KRIEK
In the Pines : 5 Murder Ballads / bearb. u. ill. von Erik Kriek. Übers. aus d. Engl.: Benjamin Mildner.
avant-verlag.de
(– o. O. : Avant-Verl., 2016. – 127 S. : übern. Ill. + CD)
ISBN 978-3-945034-37-8 , 24,95 EUR


Murder Ballads sind Moritatengeschichten aus der Pionierzeit des amerikanischen Westens, die sich besonders in Liedform über die Welt und die Jahrhunderte verbreiteten. Ob „Pretty Polly“ oder „Caleb Meyer“ – viele gelten heute als Traditionals, da sie bereits unzählige Male interpretiert wurden. Der Niederländer Erik Kriek hat fünf davon ausgewählt, um sie in Comic-Kurzgeschichten, sogenannte Graphic Short Novels umzusetzen. Er bedient sich dabei klassischer Filmschnitte und der beliebten Retro-Pulp-Ästhetik. Alle Panels sind in schwarzem Pinselduktus auf je einem pastellfarbenen Untergrund angelegt, zusammen mit dem Weiß der Seiten erzielt er damit drastische Licht-Schatten-Effekte. Krähen und dunkle Wälder gelingen ihm besonders gut. Dem Plot gibt er oft einen eigenen Dreh und lässt ihn anders und gern noch verwirrender ausgehen als im Song. „Alle Comiczeichner machen auch Musik“, meint Kriek. Musik dient Zeichnern jedenfalls gern als Inspirationsquelle, sowohl der Klang als auch die Texte. Vor zwanzig Jahren nahmen Nick Cave und Kylie Minogue ihre Hitversion von „Where The Wild Roses Grow“ auf, Erik Kriek tut dies mit seinen Freunden von der Band Bluegrass Boogiemen, die seit 1990 traditionellen Bluegrass spielen, und legt das Ergebnis dieser und der anderen In-the-Pines-Balladen dem Buch bei.
Imke Staats