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 BERTHOLD SELIGER: Vom Imperien-Geschäft : Konzerte, Festivals, Soziales ; wie Großkonzerne d. kulturelle Vielfalt zerstören.
BERTHOLD SELIGER
Vom Imperien-Geschäft : Konzerte, Festivals, Soziales ; wie Großkonzerne d. kulturelle Vielfalt zerstören.
edition-tiamat.de
(Berlin : Ed. Tiamat, 2019. – 343 S. – (Critica Diabolus : 265))
ISBN 978-3-89320-241-6 , 20,00 EUR


Berthold Seligers Buch ist grandiose Kapitalismus- und (Pop-)Kulturkritik in einem. Im Mittelpunkt steht dabei die Veränderung des Konzertgeschäfts, die in gewisser Weise analog zur Marktkonzentration auf nur wenige Großkonzerne in der Tonträgerindustrie verläuft. Weltweit dominiert von noch drei Großkonzernen: Live Nation, dem deutschen Monopolisten CTS Eventim und der Anschutz Entertainment Group (AEG). Ihnen geht es kaum mehr um Musik, sondern nur noch um Profit. Einst prägten große Promoter wie Bill Graham in den USA oder die deutschen Veranstalterlegenden Fritz Rau und Karsten Jahnke das Konzertgeschäft, heute ist es das internationale Finanzkapital. Unbekannte Namen bleiben da auf der Strecke. Mit ihnen ist in kleinen Clubs, wo Popkultur entsteht, kein Geld zu machen. Seliger fordert gesetzlich festgelegte Mindestgagen, um die soziale Ungleichheit zwischen denen, die die Musik machen, und den Mittelsmännern abzubauen. Weitere Kritikpunkte: Techniken beim Ticketverkauf, wie „Slow Ticketing“ oder „Dynamic Pricing“, die die Preise in die Höhe treiben. Als Alternative zu den Imperiumgeschäften schlägt Seliger – die Interessen von Musikern und Konzertbesuchern im Sinn – ein Konzept unabhängiger Musikclubs, soziokultureller Zentren und künstlerorientierter Festivals vor. Er will den öffentlichen Raum für die Menschen zurückgewinnen. Dazu benötigen wir „jede Menge Weltverbesserungsleidenschaft“, schreibt der Autor. Recht hat er. Allerdings dürfte dazu auch ein Stück Verweigerung gegenüber den Praktiken der Kulturindustrie notwendig sein.
Michael Kleff
 TINO EISBRENNER: Das Lied vom Frieden : Reisebilder e. Songpoeten.
TINO EISBRENNER
Das Lied vom Frieden : Reisebilder e. Songpoeten.
nora-verlag.de
(Berlin : Nora, 2019. – 326 S. : mit Farb- u. s/w-Fotos)
ISBN 978-3-86557-465-7 , 19,90 EUR


In den Achtzigern zählte Tino Eisbrenner mit seiner Band Jessica zur ersten Reihe des DDR-Liedrock. Nach der Wende arbeitete er zunehmend mit internationalen Musikern in verschiedenen Projekten zusammen. Seit mehreren Jahren engagiert sich der Berliner, der auf einem mecklenburgischen Bauernhof lebt, durch Tourneen unter dem Titel „Musik statt Krieg“ in Osteuropa für ein anderes Verhältnis zu Russland. Anekdoten über seine Konzertreisen zwischen Flughafen und Bühne sowie über Stolz, Schönheit des Landes und Gastfreundschaft der Russen bilden das Grundgerüst des Buches. Er würdigt Vorbilder wie Brecht, Sting oder Victor Jara und schreibt witzig über die russischen Barden: „Wyssozki war der Bob Dylan und Okudshawa der Leonard Cohen der Sowjetunion.“ Einige Texte der beiden Liedermacher und anderer sowie eigene Songs sind abgedruckt, dazu Fotos vom Tourneealltag. Zum Bemerkenswertesten aber gehören Eisbrenners heftige Kritiken über den Umgang Europas und Amerikas mit Russland: „Die Menschen brauchen und wollen diese Konflikte nicht, aber vom Westen werden sie geschürt, damit sich Regionen destabilisieren und man sich einmischen kann, um die Karten neu zu verteilen.“ Er übt scharfe Kapitalismuskritik, ärgert sich über das deutsche Bildungssystem, den Niedergang der (TV-)Kultur und darüber, dass sich heute viel zu wenige Künstler politisch engagieren. Ein überzeugendes, lesenswertes Buch eines Musikers mit Haltung. Ergänzend dazu sei Eisbrenners Album November (2017) empfohlen.
Reinhard „Pfeffi“ Ständer

 MICHAEL BEHRENDT: Provokation! : Songs, die für Zündstoff sorg(t)en.
MICHAEL BEHRENDT
Provokation! : Songs, die für Zündstoff sorg(t)en.
theiss.de
(Darmstadt : Theiss, 2019. – 296 S.)
ISBN 978-3-8062-3922-5 , 20,00 EUR


Schon immer hat es in der jüngeren Musikgeschichte Provokation als Stilmittel gegeben. Doch wie weit darf sie gehen, fragt Michael Behrendt. Dabei weist er nicht nur nach, dass die Grenzen des noch Akzeptablen und Erlaubten sich im Laufe der Zeit verschoben haben, sondern er zeigt auch die sehr unterschiedlichen Motive der Künstler auf. Dazu dienen eine tiefgehende Einführung unter dem Titel „Jenseits von Scha-la-la-Land“ und das Kapitel „Frequently asked questions“, die den chronologisch aufgebauten Überblick von siebzig Hits aus den vergangenen hundert Jahren einrahmen – von Claire Waldoffs „Hermann heeßt er“ von 1913 bis „0815“ von Kollegah & Farid Bang aus dem letzten Jahr. Dabei kommt Behrendt zu der Erkenntnis, dass die Zeit der positiven Provokationen in Richtung Freiheit, Bewusstseinserweiterung, Gesellschaftsveränderung vorbei sei. Die Provokationen von heute kommen für ihn jetzt von rechts und von Rappern mit Migrationshintergrund. Besonders problematisch erscheinen dem Autor dabei homophobe und antisemitische Texte. Die letzte seiner 26 Fragen – „Wie können wir zukünftig mit kontroversen, erst recht mit fragwürdig-kontroversen Songs umgehen?“ – beantwortet Behrendt mit zwölf Thesen. „Gesellschaft besser, gerechter machen“, heißt es in der letzten. „Vielleicht kriegt ja jede Gesellschaft die Songs, die sie verdient. Daraus lässt sich die zuspitzende These ableiten: Bessere Gesellschaft – bessere Musik. Beziehungsweise: Gerechtere Gesellschaft – weniger ‚Hate Music‘.“ Ein ausgesprochen lesenswertes Buch.
Michael Kleff
 MARTIN WIMMER: Hankfurt : Americana, Country, Songwriter / Essays u. Linernotes v. Martin Wimmer.
MARTIN WIMMER
Hankfurt : Americana, Country, Songwriter / Essays u. Linernotes v. Martin Wimmer.
martinwimmer.org
(Berlin : Eigenverl., 2019. – 103 S.)
ISBN 978-3-7485-2410-6 , 12,99 EUR


Wie schon in seinem vorherigen Buch Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes beschäftigt sich Martin Wimmer mit US-Amerikanischer Musik der Vergangenheit. „Hankfurt“, das ist eine imaginäre Welt, in der man geistig zu leben beginnt, wenn man sich intensiv mit genau dieser Musik beschäftigt. Es ist ein poetischer Raum, in dem es weniger um Sinnhaftes, als mehr um das Sinnliche in der Musik und den Texten eines Bob Dylan, eines Townes van Zandt, eines Blaze Foley oder anderer Außenseitermusiker geht. Nun trägt das Buch auch den Begriff „Essays“ auf dem Cover. Wimmer ist Fan, und er bemüht sich, der Fanperspektive noch eine erhellende, erweiternde Seite abzugewinnen. Und, geschult an Autoren wie Dylan, van Zandt oder Foley, erweitert Wimmer die Darstellungsart des Essayistischen, indem viele seiner Texte eine ganz freie Form einnehmen. Teilweise gelingt es ihm dadurch, verwirrend-betörende Texte voll poetischer Eigenheit zu schreiben, teilweise gehen seine Texte jedoch nicht über feuilletonistische Standards hinaus. Vielschichtiger Humor, wie er sich in den Songtexten der bereits genannten Musiker findet, stromert durch das Buch, doch pendelt Wimmer zwischen unterschiedlichen Schreibidentitäten hin und her. Was schade ist, denn als Fan und Freigeist ist Wimmer ein eigensinniges Talent. Eine genauere Auswahl der Texte hätte diesem Buch besser getan.
Michael Freerix

 MATT CALLAHAN & YVONNE MOORE [Hrsg.]: Working-class heroes : a history of struggle in song ; a songbook / ed. by Matt Callahan …
MATT CALLAHAN & YVONNE MOORE [Hrsg.]
Working-class heroes : a history of struggle in song ; a songbook / ed. by Matt Callahan …
pmpress.org
(Oakland, CA : PM Press, 2019. – 88 S.)
ISBN 978-1629637020 , 14,95 USDR


Matt Callahan ist ein Musiker und Autor, der ursprünglich aus San Francisco stammt und mit seiner Partnerin Yvonne Moore, einer Sängerin und Publizistin, in der Schweiz lebt. Das Duo bekam den Auftrag, zum fünfzigjährigen Jubiläum des 1967 von Woody Guthrie und Pete Seeger herausgebrachten Songbooks Hard Hitting Songs for Hard Hitting People eine Auswahl von Liedern daraus in einem Programm für die 2017er-Ausgabe des Brooklyn Folk Festivals einzustudieren. Während der Beschäftigung mit den Songs stellte sich heraus, so Callahan, dass sie eine „bemerkenswerte Relevanz für die heutigen sozialen und musikalischen Entwicklungen haben“. Es sind Songs, die größtenteils in den Zwanziger- und Dreißigerjahren entstanden sind und nicht von professionellen Musikern oder Liedtextern stammen, sondern von Menschen im täglichen Kampf gegen Leid und Ungerechtigkeit. Während der Arbeit an ihrem Konzertprogramm mit diesen Liedern begannen die Autoren, sich für die Menschen hinter den Songs zu interessieren und für die Anlässe, zu denen die Lieder entstanden sind. In dem vorliegenden Songbuch findet sich neben Noten, Akkorden und Texten zu zwanzig Songs eine umfangreiche Sammlung von Fotografien, Geschichten, Zeitungsausschnitten und biografischen Notizen zu über einem Dutzend Liedermachern, begonnen bei dem legendären Gewerkschaftsaktivisten und Liedermacher Joe Hill über die Sängerinnen und Texterinnen Aunt Molly Jackson und Sarah Ogan Gunning bis hin zu Jim Garland, Paul Robeson und vielen mehr. Das Buch enthält darüber hinaus umfangreiche Linernotes zu den Songs und Quellenangaben. Zu dem Buch gibt es eine separat erhältliche CD mit allen zwanzig Liedern, darunter bekanntere Stücke wie „I Am A Girl Of Constant Sorrow“ oder das durch Joan Baez popularisierte „Joe Hill“, aber auch zwar weniger bekannte, aber nicht weniger anrührende Songs, „I Hate The Capitalist System“ etwa, oder „There Is Mean Things Happening In This Land“. Es ist mutig, eine CD mit einem a cappella gesungenen Lied zu eröffnen, aber genau das tut Yvonne Moore mit ihrer eindrucksvollen, markanten Stimme, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nicht weniger mutig, aber konsequent ist es, den Rest der CD nur mit ein- bis zweistimmigem Gesang (gemeinsam mit Callahan), einer Gitarre und gelegentlich Mundharmonika zu begleiten, denn so oder ähnlich werden die Lieder zur Zeit ihres Entstehens geklungen haben. Buch und CD sind wichtige, überaus spannende musikhistorische und soziokulturelle Dokumente.
Ulrich Joosten
 DAVE PEGG/NIGEL SCHOFIELD: Off the Pegg : bespoke memories of a bass player / by Dave Pegg with Nigel Schofield.
DAVE PEGG/NIGEL SCHOFIELD
Off the Pegg : bespoke memories of a bass player / by Dave Pegg with Nigel Schofield.
davepegg.co.uk
(o. O. : Eigenverl., 2018. – 272 S. : mit Farbfotos (Teil 2 einer ungeplanten F)
ISBN 978-1-9996787-0-8 , 20,99 GBP


Dave Pegg und Simon Nicol sind sich ein wenig uneins, wer denn nun der dienstälteste Fairporter sei. Pegg siegt knapp nach Mitgliedsjahren (er hat nur die ersten zweieinhalb Jahre verpasst), aber Nicol kann mit der Gründungsmitgliedschaft punkten. Dieser kleine Disput ist natürlich nicht ernst gemeint. Im Buch wird oft mit Augenzwinkern erzählt, und ums Erzählen geht es. Ein Freigeist wie Dave Pegg setzt sich nicht an den Laptop und schreibt sein Leben nieder – das passt nicht. Nein, im Gespräch mit seinem Freund Nigel Schofield, der zufälligerweise Journalist und Fairport-Fachmann ist, lassen sich bei einem oder auch mehreren Gläsern Wein seine teils unglaublichen Geschichten wesentlich lockerer und authentischer rüberbringen. Schofield musste die Aufnahmen „nur“ transkribieren, in eine logische Reihgenfolge bringen und dann ergänzend kommentieren. Das klappt auch wunderbar, und das Buch liest sich tatsächlich so, als hätte man bei diesen Gesprächen dabeigesessen. Zwei Dinge jedoch fallen auf. Zum einen – und das lässt sich bei Gesprächen, die teils Monate auseinanderliegen, wohl nicht vermeiden – gibt es etliche Wiederholungen, also Fakten, die Pegg mehrfach erwähnt. Zum anderen – und das hätte man vermeiden können – zahlreiche Druckfehler, die bei sauberem Lektorat aufgefallen wären. Als Schreiber sieht man so was, die interessierte Leserschaft erstaunt wohl eher, dass der Bassist Pegg eigentlich Gitarrist war, dass er 1969 neben dem Fairport-Convention-Angebot noch weitere von Albert Lee oder Colosseum hatte oder dass er, Birminghamer Urgestein, Bands wie Led Zeppelin, Procol Harum, Yes oder The Moody Blues auf Kumpelbasis kannte, was wiederum erklärt, warum gewisse Musiker beim alljährlichen Fairport-Festival in Cropredy auftreten. Oder die spannende Phase, als Pegg parallel Mitglied bei Fairport und Jethro Tull war. Keine Biografie, lediglich selektive Erinnerungen. Das alles ist für Fans schlicht ein Muss!
Mike Kamp

 PETER M. HAAS: Akkordlehre ganz konkret Bd. 1 : Grundlagenwissen. – Ausg. 2018.  : Akkordlehre ganz konkret Bd. 2 : Akkordwissen. – Korr. Ausg. 2019.  : Akkordlehre ganz konkret Bd. 3 : Jazzharmonik. – Korr. Ausg. 2019.
PETER M. HAAS
Akkordlehre ganz konkret Bd. 1 : Grundlagenwissen. – Ausg. 2018.
(Berlin : Eigenverl., 2019. – 116 S. : mit zahlr. Abb.) , je 24,80 EUR



Akkordlehre ganz konkret Bd. 2 : Akkordwissen. – Korr. Ausg. 2019.
(Berlin : Eigenverl., 2019. – 130 S. : mit zahlr. Abb.)



Akkordlehre ganz konkret Bd. 3 : Jazzharmonik. – Korr. Ausg. 2019.
petermhaas.de
(Berlin : Eigenverl., 2019. – 126 S. : mit zahlr. Abb.)


Musiktheoretische Werke stehen im Allgemeinen nicht in dem Ruf, sich viele Freunde zu machen. Zu trocken, zu sperrig, Quintenzirkel und Co. sind Spaßbremsen etc. Peter M. Haas behauptet das Gegenteil und tritt mit seinem dreiteiligen Akkordlehre betitelten Werk den Beweis an. In dreißig Lektionen führt der erfahrene Musiker und Pädagoge durchs Reich der Musik und ihrer Gesetzmäßigkeiten. Der gewillte Schüler wird von Anfang an, neben der Lektüre, via Internet mit Hörbeispielen, Höraufgaben und Playalongs versorgt, Youtube-Videos führen in die einzelnen Lektionen ein. Band I beginnt gewissermaßen bei Adam und Eva: Im Anfang war das Geräusch. Der Verlauf von hohen und tiefen Tönen, das Erkennen und Notieren von Melodien. Haas’ Sprache ist einfach und klar, anhand der Beispiele und Aufgaben erschließt sich Schritt für Schritt die Grundlage dessen, was für den Musiker tägliches Brot ist. Band 1 beinhaltet die im Quintenzirkel erfassten Dur- und Molltonleitern sowie einige Skalen, die über dieses System hinausgehen. Band 2 erläutert den Aufbau von Akkorden, ihre Verwandtschaftsbeziehungen und Progressionen, und im dritten Band geht es um die hohe Schule der Jazzharmonik. In ihrem klaren Aufbau, ihrer Verständlichkeit und Praxisorientierung steht die Akkordlehre von Peter M. Haas sicher einzigartig da und hat eine eindeutige Empfehlung verdient. Doch, doch, das kann schon Spaß machen.
Rolf Beydemüller