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 CHRISTOPH WAGNER: Jodelmania : von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus.
CHRISTOPH WAGNER
Jodelmania : von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus.
kunstmann.de
(München : Kunstmann, 2019. – 317 S. : mit Fotos u. Abb.)
ISBN 978-3-95614-326-7 , 22,00 EUR


Denjenigen, für die sich das Thema mit einem Schmunzeln über Loriots Jodeldiplom noch nicht erledigt hat, beschert diese inhaltlich wie optisch reizvolle Veröffentlichung eine wahrlich erhellende wie vergnügliche Entdeckungsreise. Wagner vermag in einer gelungenen Mischung aus populärwissenschaftlichem Tiefgang und vergnüglichem Tonfall den Werdegang dieses gerade hierzulande noch immer etwas belächelten „sich überschlagenden Gesangs“ nachzuzeichnen. Und auch aufzuzeigen, wie das alpin verortete Jodeln aufkam und in andere Gegenden der Welt, insbesondere in die Neue, aber auch nach Afrika oder auf den Balkan geriet. Über einen deutlichen Fokus aufs „(North) American yodeling“ hinaus (zu dem er zuvor auch eine gleichnamige Kompilation herausgab), werden zwei konkrete Zeremonienstätten dieser vielschichtigen, facettenreichen Tradition näher beleuchtet. In einer thematisch diversen Interviewsammlung begegnet man solch wagemutigen, teils avantgardistischen Jodlern wie der in diesem Kontext unverzichtbaren Erika Stucky, erfährt von einer kamerunischen Varietät sowie der Nähe des Jodelns zum Joiken der Samen. Bemerkenswert, weil leider gar nicht Standard in derartigen Abhandlungen, sind zum Beispiel das Glossar zum Thema sowie ein ausführliches Personenregister in dem an kuriosen historischen Fotos und Abbildungen reichen Buch. Seine Entstehung ist eng verknüpft mit dem seit 2016 in München veranstalteten LAUTyodeln-Festival und dem damit assoziierten Trikont-Label/Verlag, bei dem der Musikjournalist und Musikhistoriker schon Diverses zum Thema publizierte.
Katrin Wilke
 MUSIKLEBEN IN DEUTSCHLAND: Hrsg. Dt. Musikrat gemeinnützige Projektges. mbH, Dt. Musikinformationszentrum.
MUSIKLEBEN IN DEUTSCHLAND
Hrsg. Dt. Musikrat gemeinnützige Projektges. mbH, Dt. Musikinformationszentrum.
miz.org/musikleben-in-deutschland.html
(Bonn : Dt. Musikrat, 2019. – 618 S. : mit zahlr. Fotos u. Abb.)
ISBN 978-3-9820705-0-6 , 10,00 EUR


„Doorstopper“ nennt man solche Werke in Englisch, und wer dieses über 600 Seiten starke Buch in die Hand nimmt, der kann ermessen, dass es so manche Türe offenhalten kann. Interessanterweise gilt das nicht nur in Sachen Quantität. Auch inhaltlich gesehen öffnet diese Sammlung von diversen Aufsätzen dem generell Musikinteressierten so manche interessante Türe. Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) des Deutschen Musikrats hat anlässlich seines zwanzigjährigen Jubiläums richtig zugelangt und eine tatsächlich umfassende Analyse des hiesigen Musiklebens vorgelegt, und zwar von der Klassik bis zur, ja, tatsächlich Weltmusik. Die kompetenten Autoren belegen ihre Thesen mit einer großen Anzahl von Statistiken und Grafiken, die das Buch zu einer wertvollen Quelle für Musikrecherchen jedweder Art machen. Positiv ist, dass die Weltmusik tatsächlich ein eigenes Kapitelchen erhält, wo Autor Julio Mendivil von der Uni Wien auf den wenigen Seiten versucht, einen möglichst umfassenden Überblick zu geben. Der Folker ist vertreten, nicht ganz korrekt als das „derzeit einzige Blatt für Folk, Lied und Weltmusik in Deutschland“. Mendivil stellt völlig richtig fest, „eine eindeutige Beschreibung gibt es bislang nicht“, wenn es um Weltmusik geht, und diese Problematik zieht sich durch weitere Kapitel des Buches. Nicht nur, dass die Begriffe Folk und Lied so gut wie gar nicht erwähnt werden, das komplette Thementriumvirat des Folker ist auch in den Statistiken nicht sichtbar. Ist es deutsche Volksmusik, Volksmusik anderer Kulturen oder Sonstige? Zu gering scheint die Bedeutung zu sein. Seltsam allerdings, dass 18 Prozent der gelisteten Veranstaltungen in den Berliner Stadtmagazinen aus dem Bereich Weltmusik stammen. Aber das ist unsere spezielle Problematik, die das Buch keinesfalls entwertet. Wenn man bedenkt, dass diese beeindruckende Faktensammlung kostenlos und gegen eine Versand- und Servicepauschale von 10 Euro (14,50 Euro ins EU-Ausland) abgegeben wird, dann kann man dem Buch nur eine riesige Verbreitung wünschen.
Mike Kamp

 GUNDERMANNS SEILSCHAFT [Hrsg.]: Gundermanns Lieder in Europa
GUNDERMANNS SEILSCHAFT [Hrsg.]
Gundermanns Lieder in Europa
gundi.de
buschfunk.com
(– o. O. : Gundermanns Seilschaft e. V., 2019. – 136 S. : mit Fotos u. Notenb)
ISBN 978-3-931925-41-3 , 17,00 EUR


Anlässlich des 20. Todestages Gerhard Gundermanns fanden im Juni 2018 in der Lausitz ein Symposium und ein Workshop statt. Liedermacher, Musiker und Übersetzer aus diversen europäischen Ländern erarbeiteten Übertragungen der Songs des Liedpoeten in ihre jeweiligen Sprachen. Vorträge, eine Publikumsdiskussion und ein Abschlusskonzert rundeten das Ganze ab. Die Ergebnisse des Projekts sind nun in diesem Buch versammelt. Neben einer Zusammenfassung der Diskussion und einer kleinen Fotostrecke enthält es u. a. die drei Symposiumsbeiträge. Manfred Maurenbrecher schildert dabei in Erweiterung seines „Gastspiels“ aus Folker 2/2018 seine Eindrücke aus der Zusammenarbeit mit Gerhard Gundermann Anfang der Neunziger. Gundermann-Experte und Folker-Mitarbeiter Reinhard „Pfeffi“ Ständer setzt den biografischen Rahmen. Zwei Drittel des Buches machen die Übersetzungen der Lieder in zehn Sprachen und zwei deutsche Dialekte aus, u. a. ins Englische, Niederländische, Italienische, Tschechische und Sorbische, die der beigefügten CD sind zusätzlich mit Noten und Akkorden versehen. Die Beteiligten haben dabei versucht, sowohl möglichst nah an den Originalen zu bleiben als auch passende Bilder in ihren eigenen Sprachen zu finden. Dem sind zwar oft die Reime der Vorlagen zum Opfer gefallen, ob es funktioniert, können aber letztlich nur Muttersprachler beurteilen. Die Aufnahmen der Lieder für die CD klingen auf jeden Fall in ihren meist folkigen Arrangements gelungen, gleichzeitig fremd und doch vertraut und entwickeln mit mehrmaligem Hören ihren eigenen Charme. Merkt man dem Buch trotz Unterstützung aus öffentlicher Hand und großzügiger Spenden die Eigenproduktion auch an, so tut dies seiner Bedeutung und dem Respekt vor dem großen Engagement aller Beteiligten keinen Abbruch. Ohne professionellen Verlag im Rücken findet sich hier ein wichtiger Beitrag zur Erinnerung an einen Musiker, dessen Lieder zwanzig Jahre nach seinem Tod nun die Chance haben, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Bekanntheit zu erlangen.
Stefan Backes
 USCHI BRÜNING: So wie ich : Autobiografie / Uschi Brüning mit Krista Maria Schädlich.
USCHI BRÜNING
So wie ich : Autobiografie / Uschi Brüning mit Krista Maria Schädlich.
ullstein-buchverlag.de
(Berlin : Ullstein, 2019. – 270 S. : mit Fotos)
ISBN 978-3-550-05020-6 , 20,00 EUR


„Singen, das gehörte einfach zu mir, das war ich“, lautete das Credo von Uschi Brüning schon als junges Mädchen, da war an Jazz noch gar nicht zu denken. Kurz nach dem Krieg in Leipzig aufgewachsen, waren Bärbel Wachholz und Caterina Valente ihre Sterne im Schlagerhimmel. Mit einem Titel von Connie Francis hatte sie mit dreizehn Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt. Über Amateurbands und Tanzmusikauftritte rund um Leipzig wurde der Bandleader Klaus Lenz auf sie aufmerksam und engagierte sie. Über dieses Engagement traf sie die beiden wichtigsten Männer in ihrem Leben, und neben der Beschreibung ihres eigenen Weges ist das Buch vor allem auch eine Hommage an Manfred Krug und den Saxofonisten Ernst-Ludwig Petrowsky, genannt Luten. Beiden hatte sie viel zu verdanken, hat von ihnen gelernt, und mit Luten ist sie zudem seit Jahrzehnten liiert beziehungsweise verheiratet. So wie sie diese beiden immer wieder lobend bedenkt, so schildert sie ihre eigene Entwicklung mit einer unerwarteten und dennoch sympathischen Demut. Eine Künstlerkarriere in der DDR war begleitet von Chancen, Unterstützung und Privilegien sowie von Begrenzungen, Überwachung und Schikanen. Den tiefen Einschnitt der Biermann-Ausweisung, den Weggang vieler Künstler und Freunde – bei ihr vor allem von Nina Hagen und Angelika Mann – beschreibt sie kritisch und selbstkritisch. Es ist die spannende Schilderung der Karriere von einer Nur-Sängerin zu einer der bedeutendsten deutschen Jazzsängerinnen überhaupt.
Rainer Katlewski

 GABRIELE HAEFS: 111 Gründe, Wales zu lieben : e. Liebeserklärung an das schönste Land der Welt.
GABRIELE HAEFS
111 Gründe, Wales zu lieben : e. Liebeserklärung an das schönste Land der Welt.
schwarzkopf-schwarzkopf.de
(Berlin : Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2019. – 298 S. : mit Fotos)
ISBN 978-3-86265-754-4 , 14,99 EUR


Der Untertitel der Serie, „Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“, ist ein sehr individueller, aber auch ein absolut singulärer. Pro Person ein Land, klar! Zwei schönste Länder geht nicht. Bei mir ist es Schottland, bei Gabriele Haefs ist es Wales. Moment, oder vielleicht doch Norwegen (siehe Folker 3/2019)? Oder hat Gabriele Norwegen auf Liebesentzug gesetzt und ihren Ritterorden zurückgegeben? Das sind fürchterlich essenzielle, gar quälende Fragen, ganz ohne Zweifel, aber sie verraten uns natürlich nichts über den Inhalt des vorliegenden Buches, und Wales ist ganz ohne Frage ein Land, dem solche Ablenkung nicht gerecht würde. Wie immer es auch mit Gabrieles Liebe aussieht, sie schildert Wales farbig und nachvollziehbar, wie wir das von ihr gewohnt sind. Sie hat wahrlich einen ureigenen, wiedererkennbaren Schreibstil entwickelt, der Unterhaltung und Information zusammenbringt. Faktisch ist das Buch sehr sauber recherchiert, was man leider nicht durchgehend vom Korrekturlesen sagen kann. Und natürlich kann man bezweifeln, ob jemand in ein Steuerexil ziehen „muss“, wie es Shirley Bassey 1968 tat. Aber das sind Kleinigkeiten, die den Informationswert des Buches nicht beeinträchtigen, und der ist inklusive Index, Quellenangaben und Bildnachweis enorm. Allerdings – auch das müssen wir gerade in dieser Zeitschrift kritisch anmerken – kommt die Folkmusik quantitativ ziemlich mager weg, selbst wenn man die ziemlich konservative Musik des Eisteddfod-Treffens dazunimmt. Da kommen die Oper oder gar die Hobbyköche deutlich besser weg – auffallend viele Rezepte sind in dem Buch zu finden, und das ist nicht zwingend falsch. Sollte also demnächst ein Wales-Urlaub anstehen, ist das Buch ganz gewiss eine sinnvolle Investition, und nach der Lektüre wird man die Landessprache auch nie mehr als „Walisisch“ bezeichnen, sondern völlig korrekt als „Kymrisch“.
Mike Kamp
 WILL KAUFMAN: Mapping Woody Guthrie.
WILL KAUFMAN
Mapping Woody Guthrie.
oupress.com
(Norman, OK : Univ. of Oklahoma Pr., 2019. – 178 S. : mit s/w-Abb. – (America)
ISBN 978-0-801-6178-5 , 26,95 USD


Will Kaufman hat sich in den letzten Jahren den Ruf des Guthrie-Spezialisten erarbeitet. 2011 beschäftigte er sich in Woody Guthrie, American Radical mit der Politisierung des Künstlers. Sechs Jahre danach untersuchte Kaufman in Woody Guthrie’s Modern World Blues dessen für manchen überraschende Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Modernität. In seinem neuen Buch geht der Hochschullehrer, Autor und Musiker der Frage nach, welche Rolle Zeit und Ort für Guthries Werk spielten. Auf einer Landkarte zeichnet Kaufman dessen Reisen durch die USA nach und verbindet die Orte mit politischen Ereignissen zum jeweiligen Zeitpunkt. Im Vorwort stellt er die Fragen, ob Woody Guthrie nach Kalifornien gegangen wäre, wenn es in Oklahoma keine Staubstürme gegeben hätte; ob er je nach New York City gekommen wäre, wenn er nicht im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes seinen Job bei der Radiostation KFVD verloren hätte; ob er den pazifischen Nordwesten gesehen hätte, wenn nicht ein Regierungsbürokrat Alan Lomax gefragt hätte, ob er jemanden kenne, der Songs über den Bau des Columbia-Staudamms schreiben könne. Für Kaufman war es das Zusammenspiel von Zeit und Ort, das Guthries reichhaltiges Werk an Songs, Gedichten, Texten sowie Illustrationen und Zeichnungen inspiriert hat. Sein Ansatz, Woody Guthrie mit einer auf der Geografie basierenden Studie darzustellen, ist faszinierend.
Michael Kleff

 HELMUT GOTSCHY: Tod im Drachenzuber : Kriminalroman.
HELMUT GOTSCHY
Tod im Drachenzuber : Kriminalroman.
emons-verlag.de
(– o. O. : emons, 2019. – 254 S. – (emons: Krimi))
ISBN 978-3-7408-0510-4 , 10,90 EUR


Er hat ihn definitiv gefunden, seinen roten Faden als Schriftsteller. Erneut hat Helmut Gotschy einen Roman geschrieben, bei dem er „seiner“ Szene treu bleibt, wieder spielen Drehleier und die (Folk-)Musikszene eine Rolle. In seinem zweiten Kriminalroman um den Ulmer Kommissar Bitterle merkt man deutlich, dass Gotschy sich in der Thematik sehr gut auskennt, über die er schreibt. Diesmal geht es um den Mord an zwei Mitgliedern einer Mittelalterband. Eines wird beim Wiblinger Festival bewusstlos aufgefunden und kämpft ums Überleben, der Bandleader liegt tot im mittelalterlichen Badezuber. Während der Ermittlungen Bitterles und seines Teams erfahren wir, was bei einem Mittelalterspektakel alles so vor sich geht, welche Instrumente traditionell dabei sind und wie die Szene so „tickt“. Spannend von Anfang bis Ende, denn die Ermittlungen nehmen die ein oder andere Wende, ohne dass sich Bitterles Team dabei verzettelt – auch wenn man das vielleicht manchmal so vermutet. Wieder ein schöner „Szene-Roman“ mit viel Insiderwissen. Man darf gespannt sein, was Helmut Gotschy sich für den nächsten Band überlegt.
Doris Joosten