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REINI ADELBERT
Memories Of Rain

(Laika Records)


Der Bluesmusiker Reini Adelbert singt seinen Acoustic Blues mit einer Klangfarbe zwischen Mark Knopfler und Bob Geldof, was kann da schon schiefgehen? So zelebriert der Künstler mit gut gelaunten Mitmusikern seine zeitlosen Songs. Dabei lässt der Gitarrist seinen Kollegen angenehm viel Raum, das Akkordeon, die Bluesharp oder der Bass sind zum Teil so präsent, dass von „Begleitmusik“ nicht mehr die Rede sein kann. Der Lohn ist ein abwechslungsreiches, spannungsgeladenes Album.
Chris Elstrodt
ALBERT AF EKENSTAM
Hundred Miles

(Moondog)


Ausschließlich digital veröffentlicht der schwedische Künstler seine neuen Tracks. Es sind gerade mal vier Songs, die hier als EP zusammengefasst werden. Das junge Zielpublikum lernte Albert af Ekenstam vermutlich bei einem der großartigen Festivalauftritte kennen. Die Songs sind stilistisch identisch mit denen des Erstlings Ashes und wären auch als Bonustracks durchgegangen. Wer keine Überraschungen mag, erhält hier also vier Songperlen für einen melancholischen Herbst.
Chris Elstrodt

AIRU
Mosaik

(Eigenverlag)


Airu ist ein Duo aus Deutschland, das eher ruhige Bal-Folk-Musik spielt. Eigentlich wollten sie deutsche Tanzmusik aus alten Notenhandschriften für heutige Bälle tanzbar machen. Doch dann haben sie so viel selbst komponiert, dass unter den elf Stücken dieses Albums acht Eigenkompositionen sind. Rick Krüger spielt Dudelsack und (gelegentlich) Konzertina, Björn Kaidel ist an Gitarre, Bouzouki und Nyckelharpa zu hören. Unterstützung kam von der belgischen Band Snaarmaarwaar: Jeroen Geerinck hat das Album produziert, Ward Dhoore das Layout gestaltet. Schönes Debüt.
Christian Rath
GAYE SU AKYOL
İstikrarlı Hayal Hakikattir



Nach Develerle Yaşıyorum (2014) und Hologram Imperatorluğu (2016) legt Gaye Su Akyol wieder eine feine, diesmal vielleicht etwas weniger sperrige Produktion vor, die zeigt, dass türkische Populärmusik erheblich mehr sein kann als die bekannten Tarkan-Hits. Die studierte Sozialanthropologin ist von Nirvana, Nick Cave, Joy Division, Surfbands und Psychedelika genauso geprägt wie von Selda Bağcan und Müzeyyen Senar. Man beachte das schöne Barış-Manço-Cover „Hemşerim Memleket Nire“.
Ines Körver

ALBA GRIOT ENSEMBLE
The Darkness Between The Leaves

(Riverboat Records)


Da hatten der schottische Weltenbummler Mark Mulholland, Gitarrist und Singer/Songwriter, und der malische Ngoni-Virtuose und Sänger Yacouba Sissoko eine grandiose Idee, nachdem sie sich 2014 begegnet waren: ein Akustikquartett, das keltischen Folk und Mandinge-Musik mit Jazz-, Blues- und Rockelementen verknüpft. Fest dabei ein weiterer schottischer Gitarrist, Craig Ward, und ein Kontrabassist, der Danny Thompson mag; dazu als Gäste Drummerlegende Tony Allen und Kora-Star Toumani Diabate.
Roland Schmitt
ANDERES HOLZ
Fermate

(STF-Records)


Sie nennen es „von Hippie-Punk durchtränkten Progressive Folkrock“, was immer auch damit gemeint ist. Was auf dem Waschzettel steht, ist nur zu unterstreichen: „Schönheit und Dissonanz“ in einem Wechselbad der Anhörgefühle. Einerseits bemühter, angestrengter Gesang, der das Zuhören erschwert. Die eingeschränkten Möglichkeiten der Besetzung Schlagzeug, Bass und Waldzither wiederum werden gut und mit vielen Effekten genutzt. Dazu auffälliges Artwork mit Gruselmotiven.
Piet Pollack

AUA AUA
Alles gut

(Viel Erfolg mit der Musik)


Erfolglosigkeit als Konzept ist mal etwas Neues. Der Leipziger Musiker bleibt sich treu, und das verkauft sich nicht so leicht. Mit eigenem Label und der Hoffnung, dass die Hörer Alles gut stärker honorieren als das Musikbusiness, startet Jan Frisch sein neues Projekt Aua Aua. Textlich und musikalisch ausgesprochen sperrig, braucht es vielleicht einen Frank-Zappa-Fan, um Kunst von Krempel zu unterscheiden. Wer furchtlos auch gewagte Experimente hört, findet mit dieser Veröffentlichung Beschäftigung.
Chris Elstrodt
AVEC
Heaven/Hell

(Earcandy Recordings)


Die oberösterreichische Senkrechtstarterin mit internationalem Niveau überzeugt auch mit ihrem zweiten Album. Mit 23 Jahren strahlt Miriam Hufnagl alias Avec bereits eine Professionalität aus, als ob sie seit Jahren in der Musikszene zu Hause sei. Ihre melancholischen Songs über die Liebe und Beziehungen klingen stimmlich sowie musikalisch ein wenig wie Amy Macdonald. Auch wenn einige der von E-Gitarren-Melodien und Synthesizern getragen Lieder tanzbar sind, dominieren die ruhigeren Töne. Anspruchsvoll gemachte Popmusik.
Erik Prochnow

MARTIN BALTSER
The Wasteland Incident

(Backseat)


Schwer angesagter Slow-Pop aus dem schwer angesagten Skandinavien, dieses Mal aus Dänemark statt aus Island. Das wird den von Sigur Rós begeisterten Melancholiker nicht stören. Martin Baltsers Kompositionen sind eine sichere Bank und klingen exakt so, wie man sie sich auf einer herbstlich-nordischen Indie-Scheibe wünscht. Die eingängigen Songs bieten wenige Experimente und viel akustisch untermalte Atmosphäre. Sie laden ein, die Scheibe vor einem brennenden Kamin wieder und wieder durchlaufen zu lassen.
Chris Elstrodt
TAMARA BANEZ
Ecken und Kanten

(Sturm & Klang)


Wer Sehnsucht nach der guten alten Ina-Deter-Ulla-Meinecke-Zeit hat, findet mit Tamara Banez vielleicht eine würdige Nachfolgerin. Das Wort „Feministinnen-Folk“ drängt sich beim Hören der Texte auf, mit klaren, einfachen Botschaften. Mit einer wandelbaren Stimme und angenehmen Popkompositionen im akustischen Gewand führt die Künstlerin durch ihr Werk. Dabei bewältigt Tamara Banez Ausflüge in die Rockmusik ebenso souverän wie Balladen am Klavier.
Chris Elstrodt

BAUL MEETS SAZ
Namaz

(Seyir Muzik Records)


Baul nennt man in Bengalen musikalisch-religiöse Gemeinschaften oder Familien, die ihre Künste als umherziehende Musikanten darbieten. Die Sängerin Malabika Brahma und der Gitarrist/Percussionist Sanjay Khyapa haben sich für dieses Album mit dem famosen belgisch-türkischen Sazspieler Emre Gültekin zusammengeschlossen, der sich seinerseits ausgiebig mit der Tradition der Asiklar beschäftigt hat, jener anatolischen Barden, die ebenfalls von Dorf zu Dorf zogen, um ihre Musik zu präsentieren. Passt perfekt.
Walter Bast
BEN BEDFORD
The Hermit’s Spyglass

(Cavalier Recordings)


Auf seinem mittlerweile fünften Studioalbum setzt der Singer/Songwriter aus Illinois allein auf die Kraft seiner Poesie, seine angenehme Baritonstimme und seine Gitarre, die er rhythmisch zur Begleitung der sechs Songs und differenziert gepickt bei den fünf Instrumentalstücken einsetzt. Ben, sein Kater Darwin und der Himmel am Rande der Prärie in einer einsamen Hütte, darum geht es inhaltlich in den Songs, die letztlich doch vielleicht zu schön vor sich hinplätschern, um allzu lange im Gedächtnis zu bleiben.
Ulrich Joosten

GISELA BERNDT & BAND
Nach Norden

(Mons Records)


Die Kölnerin bevorzugt die leisen Töne, erzählt keine glatten Geschichten, sie singt eher nachdenkliche Assoziationsketten, die sich nicht unbedingt gleich beim ersten Hören erschließen. Die atmosphärischen Mosaikbilder ziehen an einem vorüber und nehmen einen mit auf die gedankliche Reise der Reflexionen. Sie wird von ihrem Pianisten Gero Koerner musikalisch mit dezenten, angenehmen jazzigen Melodien begleitet, Kontrabass (Werner Lauscher) und Schlagzeug (Benedikt Hesse) untermalen die fast meditative Stimmung.
Rainer Katlewski
LUKA BLOOM
Sometimes I Fly … – Live In Bremen 2001

(MIG/Radio Bremen)


MIG bewahrt ein weiteres Juwel aus den Archiven Radio Bremens vor dem Verstauben. Der Künstler selbst erinnerte sich kaum noch an den Mitschnitt, war aber so überrascht von der enormen Klangqualität, dass er einer Veröffentlichung zustimmte. Zu hören sind Klassiker aus dem umfangreichen Repertoire des Iren, wie „Diamond Mountain“, „Gone To Pablo“ oder „Gabriel“, aber auch seltener Gespieltes wie das Kris-Kristofferson-Stück „Please Don’t Tell Me How This Story Ends“. Klanglich exzellente Momentaufnahme eines beeindruckenden Singer/Songwriters.
Stefan Backes

CELTIC COWBOYS
Qualified Celtic Cowboys

(Liekedeler Musikproduktionen)


Countrymusik aus Hamburg? Da sind die Fußstapfen groß, in die die Celtic Cowboys treten. Anders als bei Truck Stop liegt hier der Schwerpunkt auf englischsprachigen Songs, neben denen es aber auch deutschsprachige gibt, und wie der Name schon vermuten lässt, gibt es Irish-Folk-Einsprengsel. Manches erinnert auch an populäre Musik aus den Fünfzigern und Sechzigern. Dass es schon ihr sechstes Album ist, lässt auf erfolgreiche Kreativität schließen. Handfeste Musik für echte Männer – und solche die es sein wollen.
Michael A. Schmiedel
DUNCAN CHISHOLM
Sandwood

(Copperfish Records)


Chisholm ist einer der profiliertesten Fiddler Schottlands. Nach seiner großartigen Strathglass-Triologie und Live At Celtic Connections widmet er sich erneut konzeptionell einer ebenso einsamen wie wunderschönen Bucht im äußersten Nordwesten Schottlands, der Sandwood Bay. Entsprechend fallen seine Kompositionen aus – lyrisch verträumt bis mitreißend rockig. Chisholm war nicht umsonst der Kopf der Highland-Folkrocker Wolfstone. Ein Meister!
Mike Kamp

THE ANDREW COLLINS TRIO
Tongue/Groove

(Eigenverlag)


Im Grunde handelt es sich um ein Doppelalbum, auch wenn die CDs in verschiedenen Covers stecken. Eine CD haben die drei Kanadier instrumental eingespielt, eine bietet klassisch Vokales. Auf Tongue sind es vor allem bluegrassige Interpretationen von Songs anderer Autoren wie Nick Drake, Graham Nash und Roger Miller. Da steht Witziges neben bewegenden Balladen. Groove stellt die angejazzte Virtuosität des Trios noch weiter in den Vordergrund – und die Fähigkeiten von Andrew Collins als Komponist.
Volker Dick
CUB & WOLF
How To Keep Caring

(Backseat Records)


Die Schweden werfen auf ihrem Zweitwerk zehn rockige Titel mit bratzigen Gitarren zu ungeschliffenem Harmoniegesang aus. Kernig, zupackend, emotional, mal pathetisch und immer mit einer lässigen Selbstverständlichkeit bieten sie Neunziger-Sound ohne große Überraschungen. Wie so oft bei Skandinaviern kommt dazu noch ein Sinn für griffige Melodien. Prima geeignet zum Mitwippen und Bier trinken.
Imke Staats

KAT DANSER
Goin’ Gone

(Black Hen Music)


Die kanadische Musikerin vereint auf ihrem neuen Album Goin’ Gone allerlei traditionelle Stilistiken und Instrumente und schafft so eine atmosphärische musikalische Landkarte. Leider wirkt sie oft im Gesang bemüht und etwas ungelenk, und so geraten die Songs etwas steif und letztlich austauschbar. Besondere Erwähnung verdienen allerdings Dansers teilweise exzellente Musiker, wie der Pedal-Steel-Spieler und Produzent des Albums Steve Dawson. Man wünscht sich dennoch mehr Entschlossenheit.
Ferdinand Kraemer
DES LIONS POUR DES LIONS
Derviche Safari

(Maaula Records)


Vier Musiker aus Angers in Frankreich, nicht mehr ganz jung, aber sehr experimentierfreudig. Der Sound ist roh, aber bis ins Letzte durchdacht. Am auffälligsten ist die kraftvoll geschlagene Trommel von Cedric Momojee Maurel; Posaune und Sax von Alain Boochon Lardeux und Elisabeth Herault tragen meist die Melodien. Die Gitarre Freddy Boisliveaus ergänzt Riffs, Slidetupfer oder Industrielärm. Auch sporadischer Gesang trägt zum Gesamtkunstwerk bei. Komplexe Indiemusik mit leichtem Weltmusik-, Blues- und Calypso-Appeal.
Christian Rath

DIVERSE
Istanbul – Between Orient And Occident

(Winter & Winter)


An Istanbul haben sich schon viele abgearbeitet. Nun sind auch Mariko Takahashi und Stefan Winter der Faszination der europäisch-asiatischen Metropole erlegen. Zwei Monate haben sie typische Stadtgeräusche aufgezeichnet und sich insbesondere von dem Akkordeonisten Muammer Ketencoğlu Musiker vermitteln lassen, die für sie im März im Stadtteil Kadıköy – konzentriert und mit viel Seele – Melodien in Kleinstbesetzungen oder solo eingespielt haben. Eine atmosphärische Soundcollage.
Ines Körver
DON THE TIGER
Matanzas

(Crammed Discs)


Vielleicht nicht direkt ein Fall für den Folker, so doch, dank der Unklassifizierbarkeit, einer für alle mit Neugier auf Grenzgänge. Der Spanier, der zuvor in Barcelonas, seit 2011 in Berlins Underground nahezu unbemerkt klangtüftelt, liefert den Soundtrack für die wieder längeren Nächte. Wie gemacht für die Dunkelheit sind diese Klangarchitekturen, getragene Instrumental- wie Vokalstücke voller subtiler Echos alter Latin- oder Klassiktraditionen. Eine Variante imaginärer, urbaner Folklore des 21. Jahrhunderts?
Katrin Wilke

DOSCA
Meridian

(Eigenverlag)


Ein weiteres Nachwuchssextett (alles Männer) aus der extrem gut ausgebildeten schottischen Folkszene präsentiert sein Debüt. Während sich die dicht arrangierten Instrumentals mit Fiddle, Pipes, Flute, Gitarre, Bouzouki, Bass und Drums (teilweise mit Bläserarrangements) der Hörerschaft sofort erschließen, brauchen die zwei Songs ein wenig, um zu wirken. Es bleibt abzuwarten, ob die Band bei der großen Konkurrenz einen der vorderen Plätze unter den schottischen Gruppen erreichen kann.
Mike Kamp
DOTA
Die Freiheit

(Kleingeldprinzessin Records/Broken Silence)


Dota Kehr seziert mit ihrer bestens eingespielten Band wieder einmal sprachlich versiert und mit feiner Ironie die privaten und gesellschaftlichen Phänomene der Gegenwart. Vom Fluchtversuch der Eliten vor den Problemen der Zeit in „Raketenstart“ bis zur Frage nach dem persönlichen Umgang mit Rassismus in „Zwei im Bus“. Mit „Für die Sterne“ ist auch ein schön interpretierter Song des Mannheimer Liedermachers Stefan Ebert dabei, ein Plädoyer dafür, wie Kindheit eigentlich sein sollte.
Stefan Backes

DREAMERS’ CIRCUS
Rooftop Sessions

(GO’ Danish Folk Music)


Das dritte Album des dänisch-schwedischen Trios ist wirklich zum Träumen. Eine sehr harmonische und ruhige Musik, wie sie erst nach vielen Jahren des Zusammenspielens entstehen kann. Die drei Musiker Ale Carr, Rune Sørensen und Nikolaj Busk haben sich 2009 gefunden und seitdem die skandinavische traditionelle Musik mit vielen Ideen weiterentwickelt. Dass sie alle mehrfach ausgezeichnete Multiinstrumentalisten sind und auch in diversen anderen Formationen spielen, versteht sich bei diesem hohen Niveau von selbst. Die elf Stücke (39:41) sind Eigenkompositionen überwiegend von Busk. Man sollte sich Zeit nehmen für diese Klänge.
Bernd Künzer
TOLGA DURING & OTTOMANI
Gelibolu

(Visage Music)


Tolga During ist in der Türkei geboren. Seine Kompositionen sind durchdrungen von der Musik des östlichen Mittelmeerraumes. Der Gitarrist spielt berührend schön auf einer Gitarre mit zwei Griffbrettern, einem mit Bünden und einem bundlosen – ideal für die orientalischen Verzierungen. Seine Band OttoMani schafft eine mystische Atmosphäre, tiefe Bassklarinette und weich gezupfter Kontrabass verschmelzen mit komplexen Rhythmen der Rahmentrommel. Das ist Folk genauso wie Jazz.
Udo Hinz

ALEJANDRO ESCOVEDO WITH DON ANTONIO
The Crossing

(YepRoc Records)


Die Migrationsthematik des neuen Albums des Texaners mit mexikanischen Eltern ist brandaktuell. Hauptakteure sind zwei junge Punkrocker, ein Mexikaner und ein Italiener, die in den Achtzigern auf der Suche nach ihrem American Dream eine bittere Enttäuschung erleben. Natürlich ist das auch ein wenig die Geschichte von Alejandro Escovedo – und vielleicht auch die von Antonio Gramentieri, der mit seiner Band Don Antonio den Texaner begleitet. Das Album pendelt zwischen geradem Rock und Americana.
Martin Steiner
FAIRYTALE
Autumn’s Crown

(Magic Mile Music)


Auf ihrem zweiten Studioalbum lässt die Band aus Hannover wiederum ein Zauberreich aus Elfen, Naturmystik und Magie entstehen. Ausschließlich eigene Kompositionen und Texte in Englisch und Deutsch werden akustisch und mit dezentem Schlagzeug zelebriert. Angenehm der Zusammenklang von Geige und Cello mit den beiden Frauenstimmen und Oliver Oppermanns Gitarre. Luftige, manchmal etwas glatte Arrangements in der Spannbreite von Irish Folk bis Pagan Folk und leichter Popattitüde.
Piet Pollack

IAN FISHER
Idle Hands

(Ian Fisher Music)


Er ist ein Weltenbummler. In Missouri, USA, geboren, in Europa aufgewachsen, hatte er seinen Lebensmittelpunkt lange Jahre in Wien, bevor er jetzt nach New York weiterzog. Sein bereits siebtes Album nahm er in einem kleinen Studio im Ostberliner Plattenbau auf. Der Songwriter, der nach eigenen Angaben bereits über tausend Lieder verfasst hat, besticht durch tiefgründige Texte, die aus einer globalen Perspektive persönliche Erlebnisse mit den aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen verschmelzen. Musikalisch bewegt sich Fisher dabei zwischen Folkrock, Country und Blues.
Erik Prochnow
ALINE FRAZÃO
Chuva

(Jazzhaus Records)


Die junge Singer/Songwriterin aus Angola, schon jetzt eine große, ausdrucksstarke Stimme der Lusofonie, ging – wie schon beim Vorgänger – erneut in ein anderes Land zum Aufnehmen. In Rio wurde ihr mehrheitlich selbst komponiertes Material entsprechend imprägniert, etwa durch Bossa Nova wie in zwei der elf Songs. In einem davon wirkt Jaques Morelenbaum, Brasiliens Pop-Jazz-Cellist Nummer eins mit. Souverän und wie schon zuvor reif und charismatisch, klingt diesmal doch alles abgeklärter, weniger experimentierfreudig.
Katrin Wilke

THE FRIEL SISTERS
Before The Sun

(Frielmusic)


Talentverteilung ist selten eine faire Sache. Die drei irischstämmigen Friel Sisters aus Glasgow haben davon jedenfalls eine überdimensionale Dosis erhalten. Nicht nur sind sie brillante Instrumentalistinnen (Flute, Tin Whistle, Uilleann Pipes, Fiddle), sie sind obendrein auch hervorragende Sängerinnen. Das Material stammt zumeist aus dem County Donegal, der Heimatprovinz der Familie. Das ist traditionelle Musik vom Feinsten, kompetent, unaufdringlich und ohne jeden Firlefanz.
Mike Kamp
GARDA
Odds

(K&F Records)


Eigentlich passt die Indieband aus Chemnitz, Dresden und Leipzig so gar nicht ins Profil des Folker. Hörenswert ist sie trotzdem. Sänger Kai Lehmann erinnert an frühe Alben von David Bowie. Die Soundstrukturen sind vielschichtig, mit großem Instrumentarium wie Streicher und Bläser (kurios: eingespielt von den Oederaner Blasmusikanten!), und klingen mitunter wie Genesis oder die Pet Shop Boys. Gesungen wird auf Englisch, unter anderem vom Verlassen ihrer sächsischen Heimat.
Reinhard „Pfeffi“ Ständer

DAVID GERALD
N2U

(David Gerald Enterprises)


Eine elektrische Gitarre und eine Stimme mit viel Soul – mehr braucht David Gerald nicht, um zu begeistern. Der schwarze US-Amerikaner, der alle Lieder selbst komponiert, präsentiert mit eigener Band RnB sowie Rockblues. Begleitet wird er von Ronald Thielemann am Bass und Geoff Kinde am Schlagzeug.
Annie Sziegoleit
GROUNDATION
The Next Generation

(Baco Records)


Neues von Harrison Stafford. Knapp vier Jahre nach dem letzten Album A Miracle ist der Sänger und Texter aus Kalifornien wieder mit seiner angestammten Band am Start. Die nächste Generation mag sich durch ein paar personelle Umbesetzungen manifestieren – was Staffords textliche Sozialkritik und seine immerwährende Liebe zu Reggae und all seinen Varianten betrifft, bleibt alles beim Alten. Ob Kriege, Flucht, Profitsucht oder Raubbau an der Natur, Staffords Mahnungen sind klar, direkt und eindeutig.
Walter Bast

PETRI HAKALA & PIIA KLEEMOLA
Field Trip

(Kihtinäjärvi Records)


Neuer Standard für die Fiddle-Musik Finnlands. Violinistin Piia Kleemola und Gitarrist Petri Hakala sind zu den Quellen gegangen und haben zweihundert Jahre alte Archivquellen studiert. Entstanden ist ein Duoalbum, das puristisch und authentisch klingt. Die Instrumentalmusik ist kein leichtes Brot, doch sie lohnt sich. Die Musiker tauchen emotional in die Fiddlemelodien ein, spielen mit kammermusikalischer Akribie und gönnen sich improvisierte Nuancen. I-Tüpfelchen: Der Sound des Albums ist hervorragend.
Udo Hinz
MALCOLM HOLCOMBE
Come Hell Or High Water

(Gypsy Eyes Music)


„That black bitter moon hangs over my head.“ Diese Textzeile scheint das Lebensgefühl des Songschreibers aus North Carolina perfekt zusammenzufassen. Auf seinem dritten Album versammelt er packende Songs, vorgetragen mit seiner narbenübersäten Stimme. Es geht auf eine Reise in die Tiefen der menschlichen Existenz, mit aller Intensität. Beispielsweise in „I Don’t Wanna Disappear“, ein Duett mit der Sängerin Iris Dement. Das Lied eines Mannes, der sich nicht mehr verstecken will. Gut so.
Volker Dick

STEVE HOWELL & THE MIGHTY MEN feat. KATY HOBGOOD RAY
Good As I Been To You

(Out Of The Past Music)


Beim Aufschlagen des Digipacks fällt auf, dass Steve Howell sehr interessante blueshistorische Hintergründe zu jedem Song verfasst hat, ganz in der Tradition guter Reissue-Labels. Und auch musikalisch ließ er sich nicht lumpen und hat elf teils bekannte, teils eher obskure Songs mit seiner Band und Gastsängerin Katy Hobgood Ray eingespielt. Stilistisch reicht Howells Repertoire von der musikalisch interessantesten Ära des Blues vor dem Zweiten Weltkrieg bis in die Fünfzigerjahre.
Ferdinand Kraemer
JERUSALEM IN MY HEART
Daqa’iq Tudaiq – Minutes That Bother

(Constellation Records)


JIMH ist ein Projekt des Komponisten Radwan Ghazi Moumneh und des Filmemachers Charles-André Coderre. Ausgehend von der Idee, der Komposition „Ya Garat Al Wadi“ des ägyptischen Komponisten Mohammad Abdel Wahab (1902-1991) ein zeitgemäßes musikalisches Outfit zu verpassen, organisierten JIMH im Dezember 2017 in Beirut eine Live-Performance mit einem fünfzehnköpfigen Ensemble. Das Album enthält den Mitschnitt dieses grandiosen Konzerts. Für Hörer, die weder mit traditioneller arabischer Musik noch zeitgenössischer Klassik vertraut sind, könnten es allerdings – siehe Titel – 45 lange Minuten werden.
Walter Bast

Karen Jonas
Butter

(Eigenverlag)


Interessanterweise wirkt die US-Country-Sängerin am überzeugendsten, wenn sie ihren angestammten Stil verlässt. Da gibt es Ausflüge in jazzigen Blues, den Manouche-Swing oder einen mexikanisch anhauchten Walzer, der plötzlich in musicalartigen Jazz umschlägt. Stimmlich und stilistisch kommt sie dabei wie eine Reinkarnation von Sängerin Dani Klein von der belgischen Pop-Swing-Band Vaya Con Dios („Nah Neh Nah“) rüber, während ihre Countrystücke eher Durchschnitt sind.
Hans-Jürgen Lenhart
SIROJIDDIN JURAEV
Sirojiddin Juraev

(Aga Khan Music Initiative)


Die zweisaitige Dutar wird in Tadschikistan noch mit Seiden- und nicht etwa mit Metall- oder Synthetiksaiten bespannt und klingt daher völlig anders als ähnliche Langhalslauten. Der usbekisch-tadschikische Großmeister und Universitätsdozent Sirojiddin Juraev stellt sie – flankiert von Tanbur, Sato und Setar – in den Mittelpunkt seines auch für weniger Ethnophile gut hörbaren Albums. Leider sind die sehr informativen Texte wegen des Musters im Font des Beihefts schwer zu entziffern.
Ines Körver

ALI AKBAR KHAN
The Rough Guide To Ali Akbar Khan

(World Music Network)


folker präsentiert:

Ist allein die Erstellung einer kompletten Diskografie des Sarod-Meisters Ali Akbar Khan (1922-2009) schon eine halbe Doktorarbeit, so ist eine Reduktion derselben auf obligate siebzig CD-Minuten eine weitere Sisyphusarbeit. Kompilator Ken Hunt hat einen gangbaren Mittelweg zwischen kurzen und langen Musikstücken beschritten, stellt dreiminütigen Schellacks zwanzigminütige LP-Stücke gegenüber und wirft so ein repräsentatives Streiflicht auf die Kunst eines großen Meisters der indischen Klassik.
Walter Bast
DAWN LANDES
Meet Me At The River

(Yep Roc Records)


Es läuft gut für Dawn Landes. Nach Kooperationen mit Musikern wie Justin Townes Earle und Will Oldham sind ihre Songs auch in zahlreichen US-amerikanischen TV-Filmen untergekommen. Witzigerweise wird ihre Musik dort in der Regel als Indie-Rock bezeichnet, obwohl Country- und Folkbezüge deutlich im Vordergrund stehen und auch ihr Gesang sehr traditionell orientiert ist. Zumal sie hauptsächlich Balladen singt, die ihrer Stimme und ihrem musikalischen Temperament sehr entgegenkommen. Landes singt über familiäre Sachen, die große Liebe im Leben und das Verlangen, treu bis in den Tod sein zu dürfen. Sehr romantisch das Ganze und sehr zu Herzen gehend.
Michael Freerix

NANNA LARSEN
Downstream Livin’

(Divine Records)


Wer auf ein neues Album von Stevie Nicks hofft, kann sich vielleicht mit Nanna Larsen trösten. Lupenreine Popsongs im besten Americanastil bietet die sympathische Sängerin aus Kopenhagen auf ihrem bereits dritten Album. Schon der Opener „Thelma & Louise“ qualifiziert sich durch eine mitreißende Melodie und einen Text, in dem sich jeder wiederfindet, zur Hitsingle. Die folgenden Tracks sind von ähnlicher Qualität und dabei so variantenreich, dass Langeweile nicht aufkommen mag.
Chris Elstrodt
Michelle Lewis
All That’s Left

(Eigenverlag)


Die amerikanische Singer/Songwriterin bevorzugt einen betont luftigen Folk, in dem dezent schwebende Klänge um ihr Fingerstyle-Gitarrenspiel uns auf sanfte Wolken davontragen. Rhythmik spielt hier kaum eine Rolle. Country-Folk mit Ambient-Touch könnte man sagen. Ihre Texte sind allerdings voller Tiefgang und reißen einen durchaus aus den Träumen. Sie handeln zum Beispiel von ausgezehrtem Leben und sozialem Abstieg.
Hans-Jürgen Lenhart

LIRAZ
Naz

(Dead Sea Records)


Nach der Revolution im Jahr 1979 änderte sich das politische und kulturelle Leben der Iraner radikal. So durfte die stilprägende Gesangsikone Googoosh nur noch vor Frauen auftreten und ist schließlich emigriert. Derartige Schicksale haben die in Israel aufgewachsene persisch-jüdische Schauspielerin und Sängerin Liraz zu ihrem Album inspiriert, auf dem mit „Hava Bavar“ auch ein Googosh-Cover zu hören ist. Netter Pop mit Siebzigerjahreanleihen und einem Schuss Elektrobeats.
Ines Körver
LONG TALL JEFFERSON
Lucky Guy

(Red Brick Chapel)


Als wäre die Zeit stillgestanden. Live intoniert der Luzerner Simon Borer alias Long Tall Jefferson neben Eigenkompositionen auch Songs von Bob Dylan, Jackson C. Frank oder Joni Mitchell. Das passt. In „Broken Spare Parts“ singt er, wie er in den Flieger steigt. Beim Abheben merkt er, dass dieser nur aus Ersatzteilen besteht. Doch das ist nur eine Metapher für eine Liebe, die droht, im Höhenflug auseinanderzubrechen. „Lucky Guy“, das Titelstück, glänzt mit Ironie. Der Mann ist ein Geschichtenerzähler.
Martin Steiner

LOW LILY
10,000 Days Like These

(Mad River Records)


Auf seinem Debütalbum zeigt das Trio aus Vermont ziemlich viel: erstklassige instrumentale Fähigkeiten, perfekten Harmoniegesang und Arrangements auf hohem Niveau. Die Musik mischt Bluegrass mit Folk und öffnet den Horizont auch in andere Richtungen, etwa in der Ballade „Dark Skies Again“, wo Piano und Cello den Sound aus Gitarre, Bass und Violine bereichern. Und bei der Coverversion von „Brothers In Arms“ legen die drei den Kern frei und machen Knopflers Stück zu ihrem eigenen.
Volker Dick
DENNIS B. MARKHEIM
Man sieht sich

(Prosodia)


Der junge Mann aus dem brandenburgischen Oderbruch, der sich in einem seiner Songs selbst als Hippie sieht, bietet auf seinem ersten Album Liedermacherei ohne große Überraschungen. Begleitet von Gitarre, Ukulele, Klavier, Geige und Mundharmonika – ob allein oder mit anderen Musikern bleibt unklar – gibt es melancholische Liebeslieder und Alltagsproblemchen, aber auch Kneipenromantik und Augenzwinkerndes wie in „Kind, Frau und Bier“.
Reinhard „Pfeffi“ Ständer 

MARUJA LIMÓN
Más De Ti

(Kasba Music/Galileo MC)


Die Frauenband Las Migas hat es vorgemacht und die Männerdomäne des Flamencos mit Schwung und Einfallsreichtum aufgemischt. Ähnliches hat wohl nun auch dieses ebenfalls aus Barcelona kommende Quintett vor, bestehend aus zwei Sängerinnen, einer Percussionistin, einer Gitarristin und einer Trompeterin. Ein charmanter erster Schritt, dem getrost noch ein kleiner, feiner Reifeprozess folgen darf. Den Hispano-interessierten Hörer in unseren Breiten wird dieses farbenfrohe Album mit vor allem eigenen Stücken allemal erfreuen.
Katrin Wilke
MATTHEWS SOUTHERN COMFORT
Bits And Pieces

(MIG Music; Limitierte EP auf weißem Vinyl)


Iain Matthews hat seine Band Southern Comfort einer personellen Verjüngungskur unterzogen und Anfang 2018 sein fabelhaftes neues Album Like A Radio aufgenommen. Zwei Songs davon, „Bits And Pieces“ sowie „Thought Police“ finden sich auf der A-Seite dieser EP, die Rückseite enthält einen alternativen Mix von „Woodstock“ und eine Coverversion von Neil Youngs „I Believe In You“. Musik und Klangqualität sind über jeden Zweifel erhaben, aber zirka 20 Euro für vier Songs, das ist mehr als happig. Fans und Extremsammler kaufen das streng auf 500 Exemplare limitierte Teil ohnehin.
Ulrich Joosten

WINSTON McANUFF & FIXI
Big Brothers

(Chapter Two Records)


Reggae-Urgestein Winston McAnuff hat sich seit einer EP und einer CD mit dem Keyboarder und Akkordeonisten Francois-Xavier Bossard (aka Fixi) zusammengetan, der früher in der schrägen französischen Rap-Combo Java zugange war. Die auch auf ihrem zweiten gemeinsamen Album häufig dominierende Klangfarbe des Akkordeons mag für Reggae-Puristen ungewohnt sein, aber wer sich dem Ungewohnten nicht von Zeit zu Zeit aussetzt, dem wird auch das Gewohnte irgendwann fad werden. Also: Anhören und Erkenntnisse gewinnen!
Walter Bast
OTTO MENNER & JOHANNES HETTRICH
Koboldstanz

(Eigenverlag)


Ein Album für Freunde feiner, ruhiger Gitarren- und Bouzoukimusik mit Kontrabassbegleitung. Auf der Plattenhülle steht: „Betriebsanleitung: Hören … sich mitnehmen lassen … genießen … entschleunigen.“ Ja, das passt besser als der Titel Koboldstanz, der etwas Wilderes erwarten lässt. So aber schließt man am besten die Augen und lässt sich auf zugleich sanften und doch zum Teil druckvollen Rhythmen davontragen. Die Heimat der Musiker ist Blaubeuren.
Michael A. Schmiedel

FRIEDE MERZ
Daisy Lane

(Spray Can Records)


Die Hamburgerin hat es mit Straßennamen. Hieß ihr Debüt noch Denmark Street, wandelt sie nun auf der Daisy Lane. Das neue Gässchen ist luftiger und aufgeräumter als zuvor. Auch die Einflüsse, die von Country über Alternative Rock bis zum Jazz reichen, verzahnen sich jetzt noch selbstverständlicher. Die sechs Titel bilden eine stimmige Einheit unter dem Etikett Gitarrenpop.
Imke Staats
ANDREW MILL & FRIENDS
Wandering Albatross

(Brechin All Records)


Ein junger Mann aus Edinburgh zieht nach Glasgow, um sich der amerikanischen Musik zu widmen, und vertont Gedichte eines schottischen Poeten, dessen Themen oft in den USA angesiedelt sind. Musikalisch sparsam und geschmackvoll arrangierte Songs (plus ein gefühlvolles Instrumental), interpretiert mit einer trockenen, ungewöhnlichen Stimme. Viele Musiker arbeiten mit fremden Kulturen, aber seltsam ist das Album irgendwie schon, und das liegt nicht nur an der Rezitation des Poeten von „Pissing In The Sink“.
Mike Kamp

MILLADOIRO
Atlántico

(Cormorán Produccions/Galileo MC)


Die spanischen Folkveteranen erfinden nach vierzigjähriger Bandgeschichte das Rad nicht wirklich neu. Seine Pionierarbeit hat das Sextett aus Santiago de Compostela längst geleistet, auf mittlerweile um die 25 Alben längst seinen ganz eigenen Schulterschluss hergestellt zwischen galicischen und keltischen Traditionen. Dem Albumnamen gemäß, richtet sich der Blick diesmal aufs naheliegende, historienträchtige Meer, das gerade mit dem Schicksal der Galicier eng verbunden ist.
Katrin Wilke
PABLO MIRÓ
Courage

(Sturm & Klang)


Der familiengeschichtlich zwischen Deutschland und Argentinien sozialisierte, in Córdoba geborene Gitarrist und Liedermacher legt sein fünftes, mit beiden Sprachen operierendes Album vor. Das erscheint beim Label Konstantin Weckers, mit dem er auch das emblematische „Gracias A La Vida“ aufnahm. Mirós Stimme bleibt etwas blass neben der charismatischen seines Kollegen und auch sonst Geschmackssache; durchaus meisterhaft dagegen sein Gitarrenspiel, im Verbund mit exzellenten Wahlberliner Latino-Instrumentalisten.
Katrin Wilke

MISS ZIPPY & THE BLUES WAIL
Cool Beans

(Nettwerk)


Die Band aus Frankfurt/Main um die Sängerin Linda Krieg, die auch die Mundharmonika bläst, spielt rhythmischen Südstaatenblues. Das Repertoire umfasst Titel von Ray Charles über Chris Whittley bis Tom Waits und Willie Dixon. Mit dabei sind Peter Lehmler (Gitarre und Gesang), Steve Dawson (Bass), Larry „Doc“ Watkins (Gesang) und Ernesto Richioso (Schlagzeug).
Annie Sziegoleit
BRENDAN MONAGHAN
Unbroken

(Brambus Records)


Der nordirische Sänger mit dem wohlklingend-sanften Stimmtimbre mit einer neuen Sammlung eigener Songs. Wer im Folk die Nähe zu Schlager und kommerzieller Melodik sucht, mag hier hineinhören. Sehr viel vorhersagbares, zeitweise kitschig anmutendes Songmaterial. Schade, konnte den Rezensenten nicht erreichen.
Johannes Schiefner

NELE NEEDS A HOLIDAY
Love Yeah

(Compagnie Cornelius)


Bloß nicht zu viel Romantik. Mit witzigen, ironischen Texten aufgrund genauer Beobachtungen gewinnt die vielseitige Belgierin Nele van den Broeck dem strapazierten Thema Liebe frische, uneitle Aspekte ab. Die Musik changiert auf dem zweiten Album zwischen Pop- und Weltmusikzitaten, beginnt mit fröhlich-karibischen Klängen und hat dann besinnliche bis dramatische Momente. Macht Spaß, wenn man zuhört.
Imke Staats
OLD MAN LUEDECKE
One Night Only! Live At The Chester Playhouse

(True North Records/Alive)


Quasi ein Live-Heimspiel des Singer/Songwriters aus der Provinz Nova Scotia. Luedecke, der noch immer kein alter Mann ist und mit Vornamen eigentlich Chris heißt, schreibt diese leisen, manchmal ironischen Songs zu Banjo und Gitarre selbst, und was an ihm fasziniert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der er die kleinen Dinge des Lebens sozusagen feiert. Dass dabei etliche Ohrwürmer wie „Little Bird“ oder „The Early Days“ herauskommen, ist fast schon selbstverständlich. Großartig!
Mike Kamp

David Olney
This Side Or The Other

(Black Hen Music)


Der amerikanische Country-Rocker fällt mit ungewöhnlichen Arrangements und gruseligem Cover auf. Er baut ein ständig wechselndes Instrumentarium wie Xylofon, Maracas, E-Piano, Vibrato-, Slide- und Lapsteel-Gitarre ein, was seinen begrenzten Stimmumfang etwas ausgleicht. Immerhin, er wagt einiges, hat hier sogar eine Art Konzeptalbum geschaffen, das sich dem Thema „Mauern“ widmet. Auch seine sehr sanfte Version vom Zombies-Klassiker „She’s Not There“ zeigt Individualität.
Hans-Jürgen Lenhart
THE O’REILLYS & THE PADDYHATS
Green Blood

(Metalville)


Manchmal nützt es, sich ein Booklet zu wünschen, wie geschehen in der Rezension ihres letzten Albums in Folker 2/2017. Alle Texte zum Mitlesen, zudem gute Schwarz-Weiß-Porträts der westfälischen Irish-Folk-Rocker aus Schwelm. Sehr schön! Und auch die Musik ist wieder mitreißend, rockig, markig, die Texte sind ernst, düster, voller grünem Blut der Leprechauns und voller Lebensweisheit: „Don’t gamble with the devil, you cannot win!“
Michael A. Schmiedel

ORIONS BELT
Mint

(Jansen Records)


Drei norwegische Rockmusiker verwirklichen sich ihren Traum. Der Gitarrist Øyvind Blomstrøm, Bassist Chris Holm und Drummer Kim Åge Furuhaug schufen eine Instrumentalmusik mit einer Weite, die nach Texas klingt. Dieser Psychedelic Rock ist durch das Texas-Trio Khruangbin inspiriert. Wer eine Alternative zu Gitarristen wie Ry Cooder oder Bill Frisell sucht, wird hier fündig. Gitarrist Blomstrøm spielt sehr expressiv mit ganz eigener Stilistik. Das ist Freestyle Rock jenseits jeden Klischees.
Udo Hinz
MILIAN OTTO
Wahnwitz und Gelegenheit

(Tap-Water-Records)


Milian Zerzawy alias Milian Otto, jahrelanges Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich, ist gerade dabei auf ganz spartanische Art, geradezu altmodisch, seine Lieder dem Publikum nahezubringen. Die Produktion, mit einer analogen Bandmaschine im Schlafzimmer aufgenommen, nur er mit Gitarre, gradlinige Texte, engagierte Statements, ernsthafte Gedanken, die er sich macht über sich, den Menschen und die Welt. Mit gutem Sprachgefühl gelingen ihm eindringliche Lieder, die anregen sollen ohne Agitation.
Rainer Katlewski

OUT OF NATIONS
Quest

(Riverboat Records)


Die Saxofonistin Lety ElNaggar ist als in den USA aufgewachsener ägyptisch-mexikanischer Mischling selbst schon die verkörperte Multikulturalität. Mit ihrem Sextett, dessen Mitglieder alle unterschiedliche Pässe haben, hat sie nun ein Album mit teils wuchtigen, aber immer schönen Eigenkompositionen eingespielt, das an Vielseitigkeit kaum zu überbieten ist. Souverän verflechten die Musiker Mainstream-Jazz, arabische Gesänge, Latin Sounds, Funk, Klassik und Spoken Word.
Ines Körver
HENRI PARKER AND THE LOWERED LIDS
Mourning Routine

(Eigenverlag)


Auf grünem Vinyl und mit humorvoll-verträumtem Artwork kommt Mourning Routine der Kieler Truppe Henri Parker and the Lowered Lids daher. Dieses Stimmungsbild transportiert auch die vom Irish Folk inspirierte Musik. Allerdings mischt sich einiges an Wehmut und Nachdenklichkeit bei, wie der Titel bereits erahnen lässt. Sie erfinden das Rad nicht neu, aber tun auch nicht so, und das macht das Ganze sehr sympathisch. Würden sie diese Herren in ihrem Wohnzimmer spielen lassen? Sofort.
Ferdinand Kraemer

PIGEONS ON THE GATE
Chasing Suns

(Greywood Records)


Das Schweizer Sextett aus Winterthur hat sich dem irischen Folkpop verschrieben. Man vermeint, die Lieder so oder ähnlich schon mal gehört zu haben, doch alle elf Stücke sind Eigenkompositionen. Chasing Suns ist ein professionell eingespieltes, geradeaus produziertes Album mit einem guten Verkaufspotenzial. Das Album ist radiotauglich.
Martin Steiner
Man stelle sich vor, eine Grungeband wie Dinosaur Jr. produziert ein Liedermacheralbum. Das Ergebnis könnte wie Pink Lint klingen, wären da nicht zusätzlich wundervoll schräge Hippieanleihen, wilsoneske Balladen und ein bisschen Paul-Roland-Pathos. Definitiv ist Don’ Pull The Rug From Under Your Horse kein Album für zwischendurch, man muss sich auf die verschrobene Welt des Künstlers bewusst einlassen. Humorbegabten Menschen schenkt Pink Lint dafür ein Universum voller kleiner Juwelen.
Chris Elstrodt

HERBERT PIXNER PROJEKT
Lost Elysion

(Geco Tonwaren)


Der Bandleader Herbert Pixner aus Meran (Steirische Harmonika) macht sich mit Manuel Randi (E-Gitarre), Werner Unterlercher (E-Bass) und der Harfenistin Heidi Pixner auf, das Elysium, die Insel der Seligen zu finden. Entstanden ist ein episches Konzeptalbum mit ruhigen und recht opulenten Sequenzen. Wer den progressiven Rock der Siebziger mit Schwerpunkt auf akustischen Passagen mag, wird hier fündig.
Martin Steiner
DOMINIK PLANGGER
Decennium – Das Beste aus 10 Jahren

(Cargo Records)


Decennium beinhaltet neben bekannten Liedern des Südtirolers viel Unbekanntes. Alle Titel hat er sparsam instrumentiert neu eingespielt. Planggers warme Stimme zieht einen sofort in den Bann. Mit einfachen, einfühlsamen Worten nimmt er seine Zuhörer mit auf eine Reise in seine Heimat. Besonders schön sind „Mit Dir“, ein Liebeslied an seine Tochter, und die deutsche Version des Allan-Taylor-Songs „Los Compañeros“. Kritische Heimatliebe, die Plangger auch schon Morddrohungen eingebracht hat.
Martin Steiner

LISA MEDNICK POWELL
Blue Book

(Cicada Sounds Records)


Die Gesangsstimme von Lisa Mednick Powell wird von Kritikern immer wieder negativ wahrgenommen. Sicher, ihr rauer, leicht brüchiger Gesang ist so gar nichts Gewöhnliches, wenngleich er an den frühen Bob Dylan erinnert, der eben anfänglich gerade auch wegen seines Gesanges kritisiert wurde. Mednick Powell schreibt allerdings andere Songs als Dylan, indem sie Country, Folk, leichte Anflüge von Jazz und Blues zu einer Melange verdichtet, die ganz gut zu ihrer Stimme passt. Teilweise hat sie sich als Gesangspartnerin Victoria Williams gesucht, die ähnlich eigenwillig klingt. Sie sind sozusagen „Partners in Crime“, Außenseiter mit einem zarten Talent, das nicht den gängigen Ansprüchen entspricht.
Michael Freerix
KARIN RABHANSL
Tod & Teufel

(Donnerwetter Musik)


Aus den Tiefen des Bayerischen Waldes stammt diese Sängerin, genauer aus Trautmannsdorf, und die Schatten des Waldes nehmen in ihrer Musik und der ihrer Band unheimliche Gestalt an, zumindest auf diesem ihrem vierten Album. Ernste bairische und standarddeutsche Texte zu rockiger Musik bilden eine Mischung, die an Garmarna aus Schweden erinnert, mit Karin Rabhansl als deutscher Emma Härdelin. Die Texte sind allesamt mitlesbar, was das Verständnis erleichtert. „Finstra Woid, Liachtal gloa. / Heast as ned, fiachst de ned?“
Michael A. Schmiedel

LOUIS RIVE
The Cheap Part Of Town

(Eigenverlag)


Selten ein so deprimierendes Album gehört, und trotzdem ist das Werk empfehlenswert. Der Mann aus Edinburgh landet über einige Umwege wie zum Beispiel London in Barcelona und entscheidet sich dort, ernsthaft Musik zu machen. Ernsthaft heißt auf seinem Debüt: Nur Rives Gesang und seine Saiteninstrumente mit der Ausnahme einer Fiddle beim Titelstück. Mit seiner Punkattitüde geht es hier ausschließlich um die Verlierer, die Hoffnungslosen, die da unten. Das klingt nicht schön, aber authentisch.
Mike Kamp
Amber Rubarth
Wildflowers In The Graveyard

(Make My Day Records)


Ja, es gibt sie noch, Sängerinnen, die sich schlicht zur Gitarre begleiten und sonst nichts an nennenswerten Zutaten dazunehmen. Unprätentiös, aber sinnlich trägt Amber Rubarth ihre Folksongs vor. Starker Sechziger-Touch, starke Melodien. Kein Wunder, dass sie jüngst die Hauptrolle in einem Film spielte, der American Folk heißt und demnächst bei uns anlaufen wird.
Hans-Jürgen Lenhart

RUNWAY 27, LEFT
Triple Story

(Music Dish Edelweiss)


Der Österreicher Erich Brandl, der dreißig Jahre lang als Automechaniker gearbeitet hat, kann im Ruhestand endlich sein leidenschaftlich ausgeübtes Hobby ausleben und tourt als Gitarrist mit eigenen Songs durch Europa. Auf seinem dritten Album im Duo Runway 27, Left mit Anthony Kammerhofer spielt er akustischen Blues.
Annie Sziegoleit
YUSUF SAHILLI
Atoms & The Void

(Musszo Records)


Es ist schon lästig, wenn die Presse sich bei einem Künstler namens Yusuf auf die Herkunft stürzt. Bleiben wir bei der Musik: Im Spagat zwischen Americana und Pop überzeugt der Künstler durch brillantes Songmaterial. „No Way Out“ könnte von McCartney persönlich stammen, für den Satzgesang in „Ghost“ würden sich auch die Eagles nicht schämen, und „Hold On“ klingt wie eine Hitsingle von Muse. Alte Songstrukturen treffen auf moderne Arrangements und machen damit Atoms & The Void zum Album für Hörer jeden Alters.
Chris Elstrodt

LOTTA-MARIA SAKSA
You’re The Cream In My Coffee

(Acoustic Music Records)


Eine echte Überraschung liefert die finnische Gitarristin Lotta-Maria Saksa. Ausgefallenes Repertoire ist Gold wert. Umso mehr, wenn es derart gut ins Ohr geht und so kraftvoll und überzeugend interpretiert wird. Die Walzen selbstspielender mechanischer Pianos, die Anfang des 20. Jahrhunderts en vogue waren, hat die virtuose Musikerin als Grundlage für ihre Transkriptionen von Salonmusik, Jazzstandards und alten Schlagern genommen. Zwei Gitarren sind zu hören, da beim Eindampfen auf eine Gitarre zu viel an Material verloren gegangen wäre. Eine charmante musikalische Zeitreise.
Rolf Beydemüller
SHAKESPEARE AND THE BIBLE
Please Keep To The Left

(Plattenbau)


Das vierte Studioalbum der Hamburger Band um den Waliser Owen P. Jones beschert uns vierzehn Titel zwischen Folk- und Pubrock, inklusive einer Interpretation eines Robyn-Hitchcock-Titels. Der Wechsel zwischen Männer- und Frauengesang sowie folktypische Instrumente (Geige, Akkordeon, Flöte) lockern die gefälligen Melodien auf. Die Musiker*innen beherrschen ihr Fach, doch ein paar mehr Ecken und Kanten täten gut.
Imke Staats

Andrew Sheppard
Steady Your Aim

(Eigenverlag)


Der Sänger mit der leicht knarzigen Stimme ist irgendwo zwischen Southern Rock und Country anzusiedeln. Auch eine Western-Ballade und eine Rockabilly-Nummer verirren sich in sein Repertoire. Das könnte was für Leute sein, die die frühen Little Feat im Regal haben. Wie aus jener Zeit gefallen wirkt zumindest auch das Cover.
Hans-Jürgen Lenhart
SLIGHTLY STOOPID
Everyday Life, Everyday People

(Stoopid Records)


Neuntes Studioalbum des Septetts aus San Diego. Und was für eine Gästeliste: Alborosie, Yellowman, G.Love (ohne Special Sauce), Sly Dunbar, Ali Campbell (UB40), Don Carlos (Black Uhuru) und, und, und … Musikalisch ist natürlich der Reggaefluss nebst aller Seitenarme der Ausgangspunkt für alle Törns in artverwandte Gewässer wie HipHop, Folk oder Tex-Mex. So manches erinnert an David Lindleys feine Achtziger-Aufnahmen mit El Rayo-X. Ein rundum gelungenes Album voller kleiner Songperlen. Fußwippen garantiert.
Walter Bast

STELLA SOMMER
13 Kinds Of Happiness

(Affairs Of The Heart)


Irgendwo zwischen Nico und Lydia Lunch bewegt sich die Liedermacherin Stella Sommer. Man weiß nicht genau, ob die Künstlerin sich selbst ernst nimmt, vielleicht ist das Augenzwinkern auch gut getarnt. Die Texte zumindest werden auf dem Wave-Gothic-Festival eher Anklang finden als im Theaterabo. In überwiegend englischer Sprache erleben wir Songs wie „I Had No Idea“ oder „We Love You To Death“. Musikalisch verlässt sich die Künstlerin auf die Klangfarbe ihrer Stimme.
Chris Elstrodt
JOHN STEAM JR.
Anywhere But Here

(Eigenverlag)


Fluch und Segen der neuen Technik. Heutzutage kann absolut jede Person eine CD mit eigenem Material aufnehmen. Künstler wie John Steam Jr. wären der Welt ansonsten wohl verborgen geblieben. Mit akustischer Gitarre und engagiertem Gesang werden die Eigenkompositionen wie auf der Straße oder in der Kneipe vorgetragen. Das Songmaterial ist ausgezeichnet, hier gibt es für offene Ohren Wertvolles zu entdecken.
Chris Elstrodt

ROGER STEIN
Alles vor dem Aber

(Sturm & Klang)


Der Deutsch-Schweizer, der mit Sandra Kreisler das Duo Wortfront bildet, zeigt auch mit seinem zweiten Soloprogramm, was in ihm steckt: ein origineller Geist, ein guter Texter und Musiker. Kluge Gedanken („Alles vor dem Aber ist nicht wichtig“), Liebevolles, Kritisches oder Boshaftes beim Hochzeitslied und immer rein ins Klischee bei den Rentnerliedern. Die enttäuschten Erwartungen des banalen Alltags geben ihm reichlich Stoff für seine humorvollen Lieder am Klavier.
Rainer Katlewski
PERRY STENBÄCK & DEKADANSORKESTERN
Just Nu

(GO’ Danish Folk Music)


Der schwedische Multiinstrumentalist Perry Stenbäck spielt Blues, Folk, Roots, Jazz, Country, Rock und auch Klassik. Er ist daher ein vielgefragter Begleitmusiker, der 2009 in Dänemark als bester Instrumentalist ausgezeichnet wurde. Bei der vorliegenden CD (43:07) lässt Stenbäck alle erwähnten Genres anklingen. Das Album enthält neben fünf eigenen Songs sieben weitere Texte bzw. Kompositionen von anderen Komponisten wie Hovland, Myhre und Cornelis Vreeswijk, der es verstand, auch sozialkritische Inhalte in eingängige Musik zu verpacken. Insgesamt also eine bunte Mischung. Auch dies gehört zur skandinavischen Liedtradition, wie sie von Bellmann, Evert Taube und eben Vreeswijk verkörpert wird.
Bernd Künzer

STEPHAN SULKE
Die Box 1976-1986

(Electrola)


Was soll man dazu sagen? Eine Box mit zehn Alben aus zehn Jahren von einem großen, leicht nuschelnden Könner der Leichtigkeit, angesiedelt zwischen Liedermacherei, Schlager und Chanson. Stephan Sulke, ein umtriebiger Künstler mit einer ungewöhnlichen Biografie, dessen damalige Lieder man heute wieder neu entdecken kann, abseits jeden Hitparadendrucks. Melancholisches, Atmosphärisches, Freches, Kindliches, Nachdenkliches, Verträumtes, Alltägliches, Komisches und Uschi.
Rainer Katlewski
ROBERT „ROBI“ SVÄRD
Alquimia

(Asphalt Tango Records)


Schon vor zwei Jahren sorgte der schwedische Flamencogitarrist Robert „Robi“ Svärd für Aufsehen in der Szene, und zwar nicht nur in der schwedischen. So kommt es, dass auf Alquimia auch bedeutende spanische Vertreter des gegenwärtigen Flamencos zu hören sind. Ein deutlich gereifter Svärd dürfte sich mit diesem Wurf einen Platz unter den bedeutenden Flamencomusikern der Gegenwart erobert haben.
Rolf Beydemüller

TOPETTE!!
C’est Le Pompon …



Nicht verwunderlich, wenn einem beim Abhören des Debüts des englisch-französischen Quintetts Vergleiche mit Blowzabella kommen, spielt doch das englische Kontingent Andy Cutting (Knopfakkordeon) und Barnaby Stradling (akustischer Bass) bei eben jener Formation. Hinzu kommen Julien Cartonnet (Dudelsack, Banjo), James Delarre (Violine) und Tania Buisse (Bodhrán), und schon erklingt eine Tanzmusik, die aus ähnlich paritätischen englisch-französischen Quellen stammt wie die Besetzung. Geht gut ab!
Mike Kamp
GÉRALD TOTO
Sway

(No Format!)


Mit Lokua Kanza und dem Afrojazzer Richard Bona hatte Toto zwei beachtliche, auch kommerziell erfolgreiche Alben eingespielt. Seine Eltern stammen von der Insel Martinique, aufgewachsen ist er in Frankreich. Nun ein weiteres Soloalbum, dessen Titel (im Sinne von „Schwingung“) die relaxte, dabei experimentelle Mischung aus Jazz & Blues, Folk & Pop auf den Punkt bringt. Zarte, melodische, von akustischen Gitarren dominierte Klänge, mit einschmeichelndem Gesang veredelt.
Roland Schmitt

THE UNDUSTER
The Red Album

(The Unduster)


Verehrte Musikliebhaber, wenn Sie das aktuelle Unduster-Album im Plattenladen sehen, bewahren Sie Ruhe, kaufen Sie das Teil und machen Sie sich entspannt auf den Heimweg. Sie brauchen weder einen Ishihara-Test beim Augenarzt noch ein Update Ihrer Englischkenntnisse, denn Sie haben richtig gesehen: Das rote Album ist grün! Genießen Sie also den hinterfotzigen Humor der Jungs aus Simbach am Inn, ihre messerscharfen Texte und ihre angenehm weitschweifige Auslegung des Reggae-Genres. Wohl bekomm’s!
Walter Bast
MICHAEL van MERWYK
Songster

(Timezone)


Der Gitarrist und Sänger hat sein akustisches Coveralbum live im Bielefelder Studio eingespielt. Mit sparsamen Arrangements, aber viel Herzblut interpretiert Michael van Merwyk insgesamt 17 Titel unter anderem von U2, Johnny Cash, John Lee Hooker und Dr. John. Seit fast 35 Jahren hat sich der Musiker und Geschichtenerzähler landauf, landab eine große Fangemeinde erspielt – auch mit eigenen Kompositionen. An der Mundharmonika begleitet ihn Steve Baker, an Schlagzeug und Kontrabass Michael Maas. Ein gelungenes Digipack-Design rundet die Produktion ab.
Annie Sziegoleit

Loudon Wainwright III
Years In The Making

(StorySound/Proper)


Das Doppelalbum des amerikanischen Singer/Songwriters mit 42 Songs und 60-seitigem Booklet dürfte seine Fans aufhorchen lassen. Jedoch handelt es sich hier um ein Sammelsurium von bislang unveröffentlichten Livemitschnitten in oft schlechter Tonqualität, Demos, Album-Outtakes, ein paar Folkklassikern, von denen es weitaus bessere Versionen gibt, und Gesprächen. Bei solchen Zusammenstellungen für die absoluten Fans bleibt meist nur ein geringer verwertbarer Rest an erbaulichem Songmaterial.
Hans-Jürgen Lenhart
A. C. WEIR
This Has Been Me Since Yesterday

(Greentrax Recordings)


Da schreibt ein Mann aus Glasgow Lieder, einfach so für sich, und nimmt sie zwischen den Sechzigern und den Neunzigern auf einem Tonband auf. Seine beiden ebenfalls musizierenden Söhne denken: Viel zu gut für das private Archiv. Und sie überreden den Vater, im reifen Alter von 77 Jahren ins Studio zu gehen. Resultat: Tolle Songs im Folk-Rock-Pop-Gewand, die vor Jahren mit einer überzeugten Plattenfirma im Rücken größere oder kleinere Hits hätten werden können. Immerhin schön, dass wir Weirs Musik nun genießen können.
Mike Kamp

NICK WYKE & BECKI DRISCOLL
The Songs Of Edward Capern – The Postman Poet

(Eigenverlag)


Das versierte Duo aus Devon spielt unter anderem Fiddle, Gitarre, Piano oder Tin Whistle und hat sich der Gedichte von Edward Capern angenommen, die jener in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf seinen Runden als Briefträger durch das ländliche Devon schrieb. Romantisch, naturbezogen, philosophisch und sozialbewusst – ein in sich stimmiges Projekt.
Mike Kamp