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Es gibt im Musikbereich immer wieder Veröffentlichungen, die den Rahmen herkömmlicher Produktionen inhaltlich wie vom Umfang her sprengen und deshalb einer ausführlicheren Betrachtung bedürfen, als dies in Form einer üblichen Rezension geleistet werden kann. Die Folker-„Plattenprojekte“ widmen sich in loser Folge solchen außergewöhnlichen Serien, Boxen, Sammlungen, Sondereditionen bis hin zu vergleichbaren Unternehmungen wie etwa Internetprojekten, die auf physische Tonträger inzwischen zunehmend verzichten.


In diesem Heft schreibt Mike Kamp über




Gary Miller, Mad Martins – The Story Of The Martin Brothers

Cover Mad Martins Die Engländer sind als exzentrisches Volk bekannt und das macht sie eigentlich sympathisch. Wie langweilig wäre eine völlig konforme Welt! Die unendliche Geschichte des Brexits jedoch ist ein Paradebeispiel dafür, wie übertriebene Exzentrik (gepaart mit schamlosen Lügen und lupenreiner Machtpolitik) die sehr dünne Linie zur Dummheit überschreiten kann.
Ein anderer kleiner Schritt über eine dünne, undefinierte Linie – und der Exzentriker wird für verrückt erklärt, auf Englisch

GARY MILLER

Mad Martins – The Story Of The Martin Brothers
(Whippet Records WPTCDB24, garymillersongs.com)
3 CDs, 50 Tracks, CD 1: 44:17, CD 2: 49:08, CD 3: 45:10

mad. Das erfuhren im neunzehnten Jahrhundert die Gebrüder Martin aus dem englischen Nordosten. Fürwahr eine bemerkenswerte Familie, denn dass ein Sprössling etwas aus dem Rahmen fällt, ist vielleicht verständlich, aber gleich alle drei und jeweils auf unterschiedliche Art und Weise! Der älteste Bruder William nannte sich „der philosophische Eroberer aller Nationen“, schrieb holprige Gedichte und wirre Pamphlete und betätigte sich als glückloser und unsinniger Erfinder. Seine Kur gegen die Cholera muss man gelesen haben! Der mittlere Bruder Jonathan war das, was man heute einen religiösen Fundamentalisten nennt, und versuchte in seinem Wahn, den Bischof von Oxford zu töten. Als Brandstifter war er erfolgreicher und brannte den Dom von York nieder. Er endete im Irrenhaus. Der jüngste Bruder John war als Erfinder und Maler der Prototyp des schrulligen und in gewisser Weise sogar erfolgreichen Exzentrikers. Eines seiner Bilder wurde 2003, gute 150 Jahre nach seinem Tod, für 1,65 Millionen englische Pfund verkauft.
Drei ganz besondere Brüder also, die auch nach all den Jahren ein spannendes Objekt für ein kreatives Gehirn sind – der perfekte Aufhänger für Gary Miller aus dem Nordosten, genauer aus Durham. Der führte zusammen mit seinem Zwillingsbruder Glenn von 1985 bis 2004 die Folkpunkband The Whisky Priests, die sich – das sei nur nebenbei bemerkt – in diesem Jahr erneut für ein paar Konzerte zusammenfinden wird, und das schließt zwei Gastspiele in Deutschland ein. Wobei das mit dem Aufhänger und Gary Miller nur bedingt stimmt. Die Idee und das Konzept, sich mit den Martin-Brüdern zu beschäftigen, stammt von dem Dichter Keith Armstrong. Gary Miller hat so gut wie alle Songs geschrieben und gesungen, Armstrong streut regelmäßig Gedichte dazwischen. Und noch ein dritter Mann war federführend bei diesem Projekt, der erfahrene Tontechniker, Mixer, Produzent und Multiinstrumentalist Iain Petrie. Hinzu kommen eine vierköpfige Kernband plus zahllose Gäste.