Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen

Suche
    Intern     Über uns

Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Aktuelle   Ältere   Gesamtverzeichnis   Bemusterung
 
Tonträger, Bücher, DVDs, Filme, Platten­projekte und beson­dere Empfehlungen der Folker-Redaktion.


Tonträger


Besondere

Deutschland

Europa

Welt

Weitere Rezensionen

Kurzrezensionen

Gelistet


Plattenprojekt


Plattenprojekt


Bücher / DVDs / Filme


Bücher

DVDs

Cinesounds

International
 PLAYING FOR CHANGE: Listen To The Music
PLAYING FOR CHANGE
Listen To The Music
playingforchange.com
(Motéma Music/PIAS)
Promo-CD, 12 Tracks, 52:39


Es gab hierzulande mal einen Kanzler, der meinte, wer Visionen habe, müsse dringend zum Arzt. Okay, eine Möglichkeit. Man könnte aber auch einen visionären Song schreiben, der die menschliche Vorstellungskraft piesackt. Man stelle sich vor, es gäbe keine Länder, keine Religion und keine Besitztümer, und schon wäre Frieden auf der Welt! Hm, schön, aber schwierig. Aber das mit den Songs ist ein guter Ansatz. Man könnte nämlich auch – wie der Musikproduzent Mark Johnson und der Filmemacher Whitney Kroenke – eine transkontinentale Big Band aus Profi- und Straßenmusikern, Kinder- und Erwachsenenchören, Tanzgruppen und einer Vielzahl stimmgewaltiger Sänger und Sängerinnen ins Leben rufen. Die nimmt man dann als eine Art audiovisuellen Kettenbrief in ihren jeweiligen Heimatländern auf, mischt das Ergebnis zu faszinierenden Videoclips zusammen, stellt diese auf einen eigens gegründeten Tube-Kanal und fördert mit den generierten Einnahmen Schulen und andere Bildungseinrichtungen rund um den Globus. Das vorliegende Album ist die vierte Folge des Projekts „Playing For Change“, und wer bei „Skin Deep“, „All Along The Watchtower“ oder dem Titeltrack keine Gänsehaut bekommt, der muss wirklich mal zum Arzt …
Walter Bast
 STEREO NAKED: Roadkill Highway
STEREO NAKED
Roadkill Highway
stereonaked.com
(Eigenverlag)
11 Tracks, 32:19, mit engl. Texten u. Infos


Stereo Naked, das sind die klassisch ausgebildeten Musiker Julia Zech und Pierce Black. Von bisweilen etwas steif in der Hüfte wirkenden klassischen Musikern ist hier aber nichts zu hören. Im Gegenteil, die deutsch-neuseeländische Kollaboration groovt mit Banjo, Kontrabass, mehrstimmigem Gesang und einigen Gastmusikern ganz gewaltig. Man könnte die beiden zum geschmackvollen, modernen Country und Folk zählen, wobei auch Popelemente ihren Platz haben, und doch wirkt hier nichts aufgesetzt, gewollt oder überladen. Stereo Naked verstehen es, viel Raum in ihren Songs zu lassen – eben das, was auch die alten Meister im US-Country und -Blues ausgezeichnet hat. Virtuosität wird zugunsten atmender Arrangements sympathisch hintangestellt. Aber Moment, technisch gesehen wissen sie sehr wohl, was sie tun. Da wird mal ein Song im 5/4-Takt gespielt, da wird gejodelt, da werden astreine Harmonien gesungen, da wird der Bass auch mal gestrichen, da legt der Gast an der Mandoline ganz nebenbei ein feuriges Bluegrasssolo hin. Und das Ganze ist auch grafisch ganz wunderbar gestaltet und organisch aufgenommen. Man kommt ihnen einfach nicht aus. Soll man auch nicht. Mehr davon.
Ferdinand Kraemer

 TRACK DOGS : Kansas City Out Groove
TRACK DOGS
Kansas City Out Groove
trackdogsmusic.com
(Mondegreen Records MGR0218)
11 Tracks, 36:52, mit engl. Texten


Treffen sich zwei Iren, ein Engländer und ein US-Amerikaner in Madrid. Nein, so beginnt kein Musikerwitz, sondern die Geschichte der Track Dogs. 2011 war das, und nun legen die vier ihr viertes Album vor. Dafür werfen sie nicht nur Musikstile ihrer Herkunftsländer zusammen, sondern lassen sich auch von ihrer spanischen Umgebung und Lateinamerikanischem befruchten. Am offensichtlichsten wird dies durch die Trompete, die den roten Faden durch die Stücke zieht. Ansonsten bietet das Quartett eine aufregende Mixtur, in der beispielsweise in „Gonna Get My Way“ Bluegrass auf Highspeed-Folk trifft und die Band The Barefoot Movement aus Nashville gastweise vom Leder zieht. Nicht, dass die Track Dogs Verstärkung nötig hätten. Ihre teilweise vierstimmigen Vokalsätze vermitteln stimmliche Kraft; Banjo, Mandoline, Gitarre und Bass kolorieren die Songs. Darunter gibt es frischen Pop mit „Born In Love“, den stimmungsvollen Walzer „A Lucky Man In Kansas City“ und „Everything Went South“, das wie der Soundtrack zu einem Italo-Western beginnt. Mancher mag dabei an Calexico denken, besonders, wenn Melancholie durchscheint. Wie auch immer – so macht Grenzen überschreiten Spaß.
Volker Dick



Nordamerika
 ANNA & ELIZABETH: The Invisible Comes To Us
ANNA & ELIZABETH
The Invisible Comes To Us
annaandelizabeth.com
(Smithsonian Folkways Recordings SFW 40229/Galileo-MC)
11 Tracks, 43:12, mit engl. Beiheft


Anna Roberts-Gevalt und Elizabeth LaPrelle stammen aus Vermont bzw. Virgina. Sie trafen auf das Archiv der Musikethnologin Helen Hartness-Flanders, die seit Beginn der Dreißigerjahre bis zu ihrem Tod 1972 über die Dörfer reiste und mit portablem Tonequipement Feldaufnahmen in vielen Dörfern hauptsächlich in Vermont machte. Zu dieser Zeit hörten die Menschen bereits auf, die alten Lieder zu singen, weil das Radiohören zur Mode wurde. Hartness-Flanders arbeitete gegen das Vergessen an und trug ein Archiv an Aufnahmen von schier unerschöpflichem Wert zusammen. Zwar ist das Material, mit dem Anna und Elizabeth auf ihrem dritten Album umgehen, tatsächlich originalgetreu, aber sie gehen damit nicht puristisch um. Die Texte sind die der Originalaufnahmen, die Musik wird jedoch neu interpretiert. So sind z. B. Mellotron, Eufonium oder gelegentlich Schlagzeug zu hören und spielen in den Songs sogar Soli, sodass die Songs einerseits altertümlich wirken und doch neuzeitlich klingen. Das Ganze entwickelt eine leichte, durchscheinende Atmosphäre. Sicher auch, weil Roberts-Gevalt und LaPrelle ausgezeichnete Sängerinnen sind, die bereits seit Jahren miteinander musizieren und aufeinander eingespielt sind.
Michael Freerix
 RY COODER: The Prodigal Son
RY COODER
The Prodigal Son
rycooder.com
(Caroline International/Universal)
Promo-CD, 11 Tracks, 49:57


Sechs Jahre ohne neues Album, so groß waren die Abstände zwischen Cooders Veröffentlichungen bisher selten, wenn man von den Neunzigern absieht, in denen er sich auf Filmmusik konzentrierte. The Prodigal Son ist nun Cooders Kommentar zur Wahl von Donald Trump. Schon immer war der Musiker in seinem Werk Fürsprecher der Unterdrückten und an den Rand Gedrängten. Dies setzt er nun mit der Songauswahl für The Prodigal Son fort, zu denen drei Eigenkompositionen gehören. Dabei ist er kein Prediger, der die Aussage über die gute Musik setzt. Die Songs klingen recht unterschiedlich, teilweise angeraut, teilweise ätherisch, und trotzdem ist alles miteinander verbunden, aus einem Guss. Sicher ist Cooder auf The Prodigal Son der versierte Musiker, der seinen Sound hat und sein Material zu beherrschen weiß, aber er klingt, wie bereits auf den vergangenen drei, vier Alben, überhaupt nicht eingefahren oder abgenutzt. Sicher auch, weil er sich Zeit lässt und schaut, was wozu passt und nicht unbedacht handelt. Interessant ist, wie er sich in „Jesus And Woody“ an Woody Guthrie wendet und bezweifelt, dass Musik wirklich etwas gegen den Faschismus ausrichten kann, wie Guthrie behauptet hat. Nun, The Prodigal Son könnte der Soundtrack zu einer Revolte sein, falls sich irgendwo in den USA eine anbahnt.
Michael Freerix

 STEVE DAWSON : Lucky Hand
STEVE DAWSON
Lucky Hand
stevedawson.ca
(Black Hen Music BHCD0088)
10 Tracks, 45:23


Manches Album eines Gitarristen strotzt vor Virtuosität und verbreitet doch nur Langeweile. Die Ansprüche des in Nashville lebenden Steve Dawson sind offenbar andere. Er breitet zwischenzeitlich Klangteppiche aus, betreibt Soundmalerei, für die nur wenige Noten erforderlich sind. Technisch hat er erkennbar alles drauf, das Spiel an der National-Steel- genauso wie an der Weissenborn-Slide-Gitarre, Fingerstylesolostücke wie das Musizieren im Ensemble. Da ragen besonders die fünf Stücke heraus, die mit Streichquartett aufgenommen worden sind. Arrangeur Jesse Zubot unterlegt dabei die Gitarre nicht mit süßlicher Begleitung, sondern setzt zuweilen abenteuerliche Kontraste oder unterstreicht die Ideen Dawsons. Der hatte sich im Vorfeld mit der Arbeit von Van Dyke Parks beschäftigt und diese mit Zubots Hilfe für seine Zwecke interpretiert. Außerdem glänzt Dawson auch als Duopartner, nimmt sich zurück, wenn er etwa mit dem Mundharmonikakönner Charlie McCoy zusammenspielt oder in „Little Harpeth“ mit Mandolinenvirtuose John Reischman zu einer Einheit wächst. Ry Cooder, John Fahey, Leo Kottke – Dawson reiht sich ein in die Riege großer Gitarristen, der er neue Impulse hinzufügt.
Volker Dick
 TERESA JAMES AND THE RHYTHM TRAMPS: Here In Babylon
TERESA JAMES AND THE RHYTHM TRAMPS
Here In Babylon
teresajames.com
(Jesi-Lu/CD Baby)
7 Tracks, 52:49, mit engl. Infos


Es ist bereits das zehnte Album der Komponistin, Sängerin und Klavierspielerin aus Houston, Texas, die mit vielen Musikgrößen (Neil Diamond, Eric Burdon, Spencer Davis, Randy Newman und Walter Trout) zusammengearbeitet hat. Jetzt ist sie in Los Angeles zu Hause, die Produktion wurde im kalifornischen Saugus aufgenommen. Wichtigster Begleitmusiker ist Jamesʼ langjähriger Partner, der Bassist Terry Wilson. Zur grandiosen Band der fantastischen Sängerin gehören Billy Watts (Gitarre), Jay Bellerose (Schlagzeug), Mike Finnegan (Orgel), Joe Sublett (Saxofon) und Darrell Leonard (Trompete). Für mich ist dies die Platte des Jahres.
Annie Sziegoleit

 VIVIAN LEVA: Time Is Everything
VIVIAN LEVA
Time Is Everything
vivianleva.com
(Free Dirt Records DIRT-CD-0085/Trade Root Music Group LLC)
10 Tracks, 39:10, mit engl. Texten u. Infos


Dass Vivian Leva in Lexington, Virginia, aufgewachsen ist, hört man recht schnell auf Time Is Everything. Ihre glasklare, bisweilen etwas schüchterne Countrystimme verzaubert einen, ehe man sich versieht. Das Album beginnt mit klassischem Fünfzigerjahre-Honky-Tonk-Instrumentarium – akustische Gitarre, elektrische Leadgitarre, Pedal Steel, Geige, Bass und Schlagzeug. Und gleich zu Beginn stellt Leva unter Beweis, dass sie ein Händchen für poppige Countrymelodien und herzzerreißende Texte hat, die im Ohr bleiben. Man sieht den Trauring buchstäblich zur wimmernden Pedal Steel ins Glas sinken. So etwas glaubt man in dieser Ausführung nur Amerikanern. Das sind die großen Bilder, und wer hier pauschal Kitsch schreit, macht es sich zu einfach. Die Musiker auf diesem Werk sind alle exzellent und setzen Levas Songs perfekt in Szene. Im Verlauf des Programmes kommen auch archaischere Instrumente der Countrytradition wie Banjo oder Mandoline zum Einsatz. Besonders stechen dann eben die Songs hervor, die ohne Schlagzeugset und elektrische Gitarre auskommen. Das Album beweist wieder, dass Amerika für immer eine Heimat für gute Musiker und inspiriertes Songwriting sein wird.
Ferdinand Kraemer
 LOREENA McKENNITT: Lost Souls
LOREENA McKENNITT
Lost Souls
loreenamckennitt.com
(Quinlan Road/Edel)
9 Tracks, 48:02, mit engl. Texten u. Infos


Sie hat es endlich getan! Seit zwölf Jahren wartet man auf ein neues Studioalbum der kanadischen Sängerin. Nun ist es da – ein musikalischer Bilderteppich aus Keltischem, Orientalischem, Pop, Mystik, Folk und Weltmusik. Das ist die Richtung, in der sie sich ihren eigenen unverwechselbaren Mikrokosmos geschaffen hat – ruhige Instrumentalmusik, sphärische Klänge, Gesang über mehrere Oktaven. Dargeboten von McKennitt (voc, p, harp, acc), ihrer hervorragenden Cellistin Caroline Lavelle, dem langjährigen Mitstreiter Brian Hughes (synth) und vielen exzellenten Gastmusikern wie Nigel Eaton (drehl.) oder Daniel Vasares (g). Es sind Vertonungen nach Texten von John Keats (1795-1821) und W. B. Yeats (1865-1939) dabei, neue Werke, liegengebliebene Stücke aus der The-Visit-Ära 1990 und das Traditional „Manx Ayre“. Vom sonnigen Opener über spanische Gitarren und nächtliche Plätze, die traurige Ballade vom Fuchsjäger sowie über Sonne, Mond und Sterne geht es zum komplexen Finale, dem Titelsong. In „Lost Souls“ wird erklärt, dass wir, je mehr wir von unseren moralischen Grundsätzen abweichen, unsere eigene Seele verlieren. Aufgenommen wurde in Kanada und in den Real World Studios von Peter Gabriel in England.
Piet Pollack

 THE MILK CARTON KIDS: All The Things That I Did And All The Things That I Didn’t Do
THE MILK CARTON KIDS
All The Things That I Did And All The Things That I Didn’t Do
themilkcartonkids.com
(Anti/Indigo)
Promo-CD, 12 Tracks, 51:30


Das vierte Album der Singer/Songwriter Joey Ryan und Kenneth Pattengale stellt in mehrfacher Hinsicht einen Neuanfang dar. Die veränderten politischen Verhältnisse in den USA („Mourning in America“) und einschneidende persönliche Umbrüche haben Spuren in den Songtexten hinterlassen. Ryan wurde zweifacher Vater, Pattengales Beziehung endete nach sieben Jahren („You Break My Heart“) und er überlebte eine Krebserkrankung. Musikalisch gehen die Kids neue Wege, mit einer deutlichen Veränderung des Sounds. Lag ihr Fokus bislang auf zwei Stimmen in perfektem Harmoniegesang, untermalt lediglich durch zwei virtuose Fingerpickinggitarren, haben sie dieses Mal eine Band ins Studio gebeten. „Wir wussten, dass wir die Platte mit einer größeren akustischen Palette aufnehmen wollten. Es war befreiend zu wissen, dass wir nicht jeden Song mit nur zwei Gitarren tragen mussten.“ Eine Reihe hochkarätiger Sessionmusiker wie Russ Pahl (pedal steel), Paul Kowert (b), Pat Sansone (p, mellotron, hammond), Nathaniel Swift (cello) und Jay Bellerose (dr) liefern das perfekte Americana-Backup, das den Gesang und die akustischen Gitarren der beiden Hauptprotagonisten perfekt ergänzt.
Ulrich Joosten



Lateinamerika
 Calypso Rose: So Calypso!
Calypso Rose
So Calypso!
calypso-rose.com
(Because Music/Caroline International)
Promo-CD, 12 Tracks, 45:42


Nach dem Cumbia-Hype scheint nun der Calypso auf der Liste wiederzuentdeckender Stile oben zu stehen. Dass dabei die 77-jährige Sängerin Calypso Rose aus Tobago ungeahnte Erfolge feiert, ist nicht verkehrt. Bei näherer Betrachtung muss man sie sogar für eine Art Miriam Makeba der Karibik halten. So sorgte sie 1970 mit dem Lied „No Madame“ für einen Aufstand der Hausangestellten in Trinidad und setzte sich 1975 als erste Komponistin im männerdominierten Karneval mit dem meistgespielten Song durch. Auf ihrem neuen Album ehrt sie Musiker, die sie beeinflusst haben. Dementsprechend hört man nicht nur Calypso, sondern auch Soul, Ska oder Reggae. Während sie gerade im Reggae regelrecht aufblüht, klingen ihre leicht jazzigen Balladen und manche Calypsos zu ausdruckslos. Höhepunkt ist jedoch der „Wa Fu Dance“, den sie einst mit Manu Chao schrieb, ein fröhlich swingender afrikanischer Song, der in die Beine geht. Die inzwischen zur „Calypso Queen“ ernannte Sängerin nicht nur auf Calypso festzulegen, sondern mit moderner Produktion ihr Potenzial auszureizen, hat der karibischen Diva schon seit einiger Zeit zu einer späten internationalen Karriere verholfen.
Hans-Jürgen Lenhart