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 PIPPO POLLINA: Verse für die Freiheit : Mein Leben, meine Lieder / aus dem Ital. von Andrea Briel. – 1. Aufl.
PIPPO POLLINA
Verse für die Freiheit : Mein Leben, meine Lieder / aus dem Ital. von Andrea Briel. – 1. Aufl.
rotpunktverlag.ch
(Zürich : Rotpunktverl., 2018. – 390 S. : mit zahlr. Fotos )
ISBN 978-3-85869-770-7, 42,00 EUR


Nach der Biografie über ihn von Franco Vassia aus dem Jahr 2011 (siehe „Bücher“ in Folker 4/2011) hat der seit über dreißig Jahren in der Schweiz lebende sizilianische Liedermacher Pippo Pollina nun ein selbst geschriebenes Buch vorgelegt. Neben rund 150 Liedtexten mit jeweiliger Übersetzung ins Deutsche enthält es zahlreiche Fotos sowie autobiografische Passagen, die seine persönlichen, vor allem aber die gesellschaftspolitischen Umstände schildern, die zur Entstehung seiner Lieder und Alben führten. Bleibt Privates weitgehend außen vor und dürfte das ein oder andere einem bereits aus Vassias Werk bekannt vorkommen, wird hier noch einmal besonders deutlich, dass Pollina es eigentlich bis heute nicht verwunden hat, seine Heimat verlassen zu haben. Ein Dorn im Auge waren und sind ihm dabei immer wieder die Unfähigkeit der italienischen Politiker und die scheinbar nie enden wollenden Machenschaften und Gräueltaten der Mafia. Doch neben einer Art Zeitreise durch die unstete und aus seiner Sicht traurige Geschichte Italiens der letzten vier Jahrzehnte ist das Buch auch ein Blick des Migranten auf seine neue Heimat Schweiz und zugleich Zeugnis einer grenzübergreifenden europäischen Identität. Von all dem sind auch seine Lieder geprägt, deren Übersetzungen eine lyrische, stark metaphorisch geprägte Sprache offenbaren und sich eher wie mit starken Bildern arbeitende Gedichte lesen. Zwei Dinge vielleicht: Obwohl klar ist, dass zwar der Großteil, nicht aber alle der abgedruckten Texte allein von Pollina stammen, fehlen zu den Abdrucken der einzelnen Liedtexte Angaben, wer daran möglicherweise beteiligt gewesen ist. Schade ist zudem, dass die Gelegenheit zu einer ausführlichen Diskografie mit Auflistung der jeweiligen Tracks verpasst wurde. Insgesamt bietet das Buch jedoch einen aufschlussreichen Einblick in das Werk und die Gedankenwelt eines Künstlers, der sich seit Jahrzehnten politisch und kulturell engagiert und dabei wunderbare Lieder schafft.
Stefan Backes
 JULIANE BALLY: Looking for Oriental Jazz : Porträts u. Perspektiven.
JULIANE BALLY
Looking for Oriental Jazz : Porträts u. Perspektiven.
goethehafis-verlag.de
(Bonn : Goethe & Hafis, 2018. – 102 S. : mit Fotos u. Abb. – (Edition Pyjama))
ISBN 978-3-940762-45-0, 14,90 EUR


Dieses Buch hat auf ganzer Linie verwirrt. Zunächst war da die Frage: Ist Oriental Jazz nun Weltmusik oder ist es Jazz und müsste eher von einer Jazzredaktion besprochen werden? Die Entscheidung: Das Werk fällt ins Ressort dieses Magazins, denn es behandelt auch Weltmusik. Die nächste Verwirrte war die Rezensentin. Zum einen, weil der Band trotz hochwertigen Papiers und schönem Layout anmutet wie ein Prospekt, was vermutlich am fast quadratischen Format, der überschaubaren Seitenzahl und dem Kartoneinband liegt. Zum anderen, weil trotz formal stringenter Gliederung des Buches in sieben Porträts von zweifelsohne würdigen Vertretern des Genres – Ensemble Fisfüz, Transorient Orchestra, Neckarganga, Haz'art Trio, Modus Quartet, Michel Godard, Trio Nihaylard – mit abschließenden Statements und Kurzbiografien der Musiker sämtliche Texte im gleichen äußerst sprunghaften Stil geschrieben sind. Die logisch und grammatikalisch fragwürdigen Bezüge hätte ein beherzter Lektor in ein, zwei Tagen leicht korrigieren können. Schade, dass dies nicht gemacht wurde, denn es stecken viele interessante Informationen im Text, wenngleich keinerlei Versuch unternommen wurde, zu erklären, was Oriental Jazz denn nun eigentlich ist und seit wann es ihn überhaupt gibt. Im Vorwort verweist die Autorin lediglich darauf, dass dies aus den sieben Porträts mittelbar hervorginge, was es aber nicht wirklich tut. Ebenso rätselhaft bleibt die Auswahl der hübschen Zeichnungen von Musikern und ihren Instrumenten, die den Band beschließen. Warum wird beispielsweise eine Darbuka dargestellt, aber keine Rahmentrommel? Warum sieht man einen Sarodspieler, wenn Shyam Rastogi von Neckarganga doch Sitar spielt? Fazit: Die Anschaffung lohnt sich wohl nur für Musiker, die in ähnlichen Projekten arbeiten und wissen wollen, wie die Kollegen mit Themen wie Repertoireauswahl, Vierteltönen und der Jazzifizierung/Harmonisierung orientalischen Liedmaterials umgehen.
Ines Körver

 ROSIE MacGREGOR: Angela Remembered – The Life of Angela Gradwell Tuckett.
ROSIE MacGREGOR
Angela Remembered – The Life of Angela Gradwell Tuckett.
watermarx.co.uk
(Wiltshire : Watermarx, 2015. – 84 S. : mit zahlr. Fotos.)
ISBN 978-0-9570726-3-3, 7,50 GBP


Es ist schon interessant. Wenn man sich mit den Protagonisten des englischen Folkrevivals beschäftigt, dann stellt man sehr schnell fest, dass viele Mitglieder oder zumindest Sympathisanten der kommunistischen Partei (CP) waren. Ewan MacColl, A. L. Lloyd oder Karl Dallas sind nur drei prominente Beispiele. Verwunderlich ist es indes nicht, dass sich Folkmusik und CP trafen, stellten doch beide auf unterschiedliche Art die einfachen Leute ins Zentrum ihres Interesses. Auch Angela Tuckett (1906-1994) war als folkinteressierte Kommunistin, Journalistin und Dichterin eine bemerkenswerte Frau. Ihr Wirkungsgebiet war mit London und dem englischen Südwesten eher lokal begrenzt. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag auf ihren zahlreichen Aktivitäten und ihrem grenzenlosen Einsatz für Menschen, die Hilfe brauchten. Ihre folkloristischen Aktivitäten spielen in dem Zusammenhang eher eine Nebenrolle. Angela Tuckett war in Sachen Folkmusik ein Teil der Basis, jemand, die mit ihrer Konzertina als sogenannter „floorsinger“ im lokalen Folkclub den Abend mit ein paar Songs eröffnete oder die politischen Aktionen mit Lieder begleitete. Politisch ebenso wie musikalisch zeigte Tuckett einen großen Enthusiasmus, der manchmal in Sachen Singen vielleicht übergroß war, wie die Autorin nicht verschweigt. Als geradlinige und stolze Person mit Überzeugung ignorierte sie in späteren Jahren wohl oft die Tatsache, dass ein Vortrag auch mal zu einem Ende kommen muss und hinterließ eine genervte Zuhörerschaft. Das Büchlein liest sich flüssig und ist randvoll mit interessanten Fakten. Tuckett war ganz gewiss eine außergewöhnliche Frau, die diese knappe Biografie verdient hat. Es müssen ja nicht immer die Stars der Szene sein.
Mike Kamp
 DANIEL WOLFF: Grown-up Anger : The Connected Mysteries of Bob Dylan, Woody Guthrie, and the Calument Massacre of 1913
DANIEL WOLFF
Grown-up Anger : The Connected Mysteries of Bob Dylan, Woody Guthrie, and the Calument Massacre of 1913

(New York, NY : Harper Collins, 2017. – 354 S. )
ISBN 978-0-06-245169-9, 26,99 USD


Der vorliegende Titel wird vielfach auch als zweifache Biografie über Bob Dylan und Woody Guthrie bezeichnet. Der Autor Daniel Wolff hörte im Alter von dreizehn Jahren erstmals einen Dylan-Song im Radio, der ihn so sehr beeindruckte, dass er sich intensiv mit dem Musiker auseinandersetzte – und dadurch fast zwangsläufig auch mit Woody Guthrie. Bei der Beschäftigung mit diesen beiden Musikern lernte er auch Guthries Song „1913 Massacre“ kennen, einen Song über einen Streik in Calumet, Michigan, und eine gewerkschaftliche Weihnachtsfeier, die tragisch mit dem Tod von 73 Menschen endete. Wolff beschreibt die Geschichte der Stadt Calumet in der frühen Zeit der Industrialisierung Amerikas ebenso wie die Kämpfe der Besitzlosen. Er berichtet, was damals geschah, und er berichtet über die Art und Weise, wie Dylan und Guthrie in ihrer Wut über die wirtschaftliche Not der Arbeiter versuchten, mit ihren Songs etwas an dieser Situation zu verändern. Ergänzt wird der Band neben einem recht gewöhnlichen Index durch einen umfangreichen Anmerkungs-/Quellenangabenteil nach Kapiteln sowie eine Auswahlbibliografie. Für Dylan und Guthrie-Fans sicher ein Must-have.
Doris Joosten