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 Leipziger Liederszene – der 1980er Jahre:
Leipziger Liederszene – der 1980er Jahre

loewenzahn-verlag.com
(Leipzig : Löwenzahn-Verl., 2018. – 60 S. : mit Fotos, DVD und CD) 20,00 EUR


Das Medienpaket besteht aus einem Buch mit DVD und CD und kann als einzigartiges Dokument der DDR-Kulturgeschichte gewertet werden. Möglicherweise war die Liedszene Leipzigs nicht ganz so populär wie die Folkszene der Stadt, trotzdem zeichnete sie eine beeindruckende Vielfalt aus. Dieter Kalka schreibt über die Solidarität der Künstler miteinander, die nach der Wende verschwand und aus manchen Freunden Konkurrenten machte. Der Dichter Andreas Reimann berichtet über die Anfänge der Szene, Hubertus Schmidt über Liedermacherwerkstätten, Harald Pfeifer über das Haus der Volkskunst, und Jürgen B. Wolff, der auch Cover und Buch gestaltete, über die DDR-Chansontage in Frankfurt/Oder. Dazu jede Menge köstliche Anekdoten, beispielsweise wie Werner Bernreuther als Dozent die flatterhaften Barden mit Disziplin traktierte oder wie die Liedermacherin Maike Nowak zur russischen Chansondiva Adriana Ljubowa mutierte. Den Hauptteil nehmen in lexikalischer Form von A bis Z Kurzbiografien der Akteure ein. Den witzigen Sprachstil von Jürgen B. Wolff kennt der Folkfan aus den Rudolstadt-Programmheften. Zur Vielfalt der Szene gehört auch, dass sie bis hin zu Folk, Rock, Skiffle, Kabarett, Literatur und Schauspielerei reicht. Es gab und gibt skurrile Charaktere wie Jens-Paul Wollenberg, Willy Keindorf oder Schütz mit uns, bekannte wie Duo Sonnenschirm und Jörg Kokott oder eher unbekannte wie Christa Mihm, José Perez oder Akram Mutlak. Zahlreiche Annoncen illustrieren diese spannende Zeit. Neben der CD mit zwanzig Titeln beeindruckt ganz besonders die DVD mit historischen Aufnahmen aus den Jahren 1986 bis 1993 aus dem Sächsischen Staatsarchiv, zusammengetragen von Stefan Gööck, mit Konzertmitschnitten und einem Interview mit Ex-Organisator Odwin Quast über Hintergründe und Zusammenhänge. Den Autoren und dem Verlag ist damit wirklich ein großer Wurf gelungen.
Reinhard "Pfeffi" Ständer
 BARBARA: Es war einmal ein schwarzes Klavier : unvollendete Memoiren / hrsg. von Andrea Knigge ; aus d. Franz. von Annette Casasus.
BARBARA
Es war einmal ein schwarzes Klavier : unvollendete Memoiren / hrsg. von Andrea Knigge ; aus d. Franz. von Annette Casasus.
wallstein-verlag.de
(Göttingen : Wallstein, 2017. – 200 S. : mit s/w-Fotos)
ISBN 978-3-8353-3076-4, 18,90 EUR


2017 war der vierzigste Todestag von Monique Andrée Serf, die unter dem Namen Barbara eine der bekanntesten Chansonsängerinnen Frankreichs war. Anlässlich dieses Jahrestages erschien in Zusammenarbeit mit Institutionen aus Göttingen ein kleiner Band mit unvollendeten Memoiren aus dem Nachlass der Künstlerin. Das Lied „Göttingen“ – 1964 entstanden nach einem schwierigen Auftritt in der niedersächsischen Universitätsstadt – verhalf ihr nicht nur in Deutschland zu großer Bekanntheit. Wie es zu diesem Auftritt und darauffolgend dem Lied kam, schildert sie in dem Buch. Sie war eine anspruchsvolle und komplizierte Künstlerin, die ihre Auftritte sehr genau vorbereitete und mit den Jahren immer perfektionistischer wurde. Ihre Anfänge waren eher chaotisch, getrieben von dem Wunsch, auf der Bühne zu singen. Die Musik war der Fluchtpunkt, der ihr den Ausweg aus einem strapaziösen politischen und familiären Umfeld wies. Dies alles findet sich im Buch, mehr oder weniger deutlich beschrieben, und fand Eingang in ihre Lieder. Barbara hatte erst einige Monate vor ihrem Tod angefangen, an dem Buch zu arbeiten. Sie hätte vieles noch verändert, ergänzt, überarbeitet oder hinzugefügt. Doch es ist trotz des unfertigen Zustands ein sehr lesenswertes Dokument einer außergewöhnlichen Künstlerin entstanden.
Rainer Katlewski

 MATS MELIN: One with the Music : Cape Breton Step Dance Tradition and Transmission.
MATS MELIN
One with the Music : Cape Breton Step Dance Tradition and Transmission.
cbupress.ca
(Sydney, NS : Cape Breton Univ. Pr., 2015. – XIV, 423 S. : mit Abb.)
ISBN 978-1-77206-028-7, 27,95 CAD


Der Stepptanz kam nach Cape Breton wie die Fiddlemusik – mit den Einwanderern aus Schottland. Während sie im Mutterland bis vor Kurzem so gut wie vergessen war, blieb diese tänzerische Ausdrucksweise auf Cape Breton immer populär und entwickelte sich eigenständig, also unabhängig vom Stepptanz, zum Beispiel im Ottawa Valley oder in Quebec. Mats Melin ist ein schwedischstämmiger, tanzbegeisterter Akademiker, der intensiv mit irischem und schottischem traditionellem Tanz gearbeitet hatte und 1992 auf dem gälischen College auf der Isle of Skye erstmals mit dem Stepptanz aus Cape Breton in Berührung kam. Seine professionelle Neugier führte ihn zu unzähligen Besuchen auf der Insel im Osten Kanadas, um mehr über die Wurzeln und Ausprägungen dieses Tanzes zu erfahren. Irgendwann entschied er sich, über diesen Stepptanz und besonders seine Weitergabe zu promovieren. Dieses Buch ist im Kern seine Dissertation. Das sollte man wissen, um zu verstehen, dass es hier sehr häufig akademisch-trocken zugehen muss. Das macht das Lesen stellenweise nicht einfach. Ein wenig Durchhaltevermögen jedoch wird belohnt. Hinter den vielen notwendigen tanztechnischen Erläuterungen tut sich ein faszinierender Einblick in die Traditionen und sozialen Strukturen von Cape Breton auf, die Rolle der Kitchen Partys für traditionelle Musik und Tanz, die Parish Picnics und Schoolhouse Dances, die Tatsache, dass Squaredance auf Cape Breton nichts mit Country & Western zu tun hat, bis schließlich im Zentrum der Solostepptanz steht. Wer tanzt diese Fußpercussion wie und warum – eine erstaunlich vielschichtige Welt tut sich auf. Stepptanz ist unendlich viel mehr als Fred Astaire. Die anschaulichsten Kapitel sind folglich auch zum einen die fünfzig Seiten mit biografischen Bemerkungen über diverse Tänzer und -innen und zum anderen Melins intensive persönliche Reflektion über einen seiner Solostepptänze. Für Stepptanzinteressierte ein Muss, für Freunde der traditionellen Kultur Cape Bretons sehr empfehlenswert.
Mike Kamp
 STEFFEN RADLMAIER [Hrsg]: Mein Song : Texte zum Soundtrack des Lebens – Friedrich Ani, Thommie Bayer, Zsuzsa Bánk u.a. / Hrsg. von Steffen Radlmaier. – 1. Aufl., Ausg. bas
STEFFEN RADLMAIER [Hrsg]
Mein Song : Texte zum Soundtrack des Lebens – Friedrich Ani, Thommie Bayer, Zsuzsa Bánk u.a. / Hrsg. von Steffen Radlmaier. – 1. Aufl., Ausg. bas
arsvivendi.com
(Cadolzburg : Ars Vivendi, 2017. – 148 S.)
ISBN 978-3-86913-886-2, 25,00 EUR


Der erste Eindruck: ein handwerklich ansprechend gemachtes Buch. Quadratisches Format, schwarzes Vorsatzpapier, Lesebändchen, fester Einband. Der zweispaltige Satz ist geeignet, die Lesefreundlichkeit auch dann noch zu gewährleisten, wenn durch das Fehlen von Illustrationen einmal Bleiwüsten entstehen. Insgesamt einundsiebzig Musiker, Schriftsteller und Musikjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben aufgeschrieben, welcher Song, welches Lied, welches Musikstück in ihrem Leben eine prägende Rolle spielte. Die genannten Beispiele betreffen nahezu alle musikalischen Genres. Alte Musik wird ebenso genannt wie Opernarien, Chansons, Schlager, Rock ʼnʼ Roll oder Filmmusik, Pop, Metal oder Avantgarde. Der am häufigsten genannte Musiker ist übrigens Bob Dylan. Für den Kabarettisten und Liedermacher Franz Hohler symbolisierte „Die Winterreise“ (Wilhelm Müller/Franz Schubert) und hier besonders „Am Brunnen vor dem Tore“ über viele Jahre hinweg die starke Verbindung zwischen ihm und seinem Vater. Der Song „Substitute“ von The Who bedeutete für den Schriftsteller Fitzgerald Kusz so etwas wie eine Lebenswende, „zu Musik gewordene Revolte, Auflehnung gegen alles, was hinter mir lag“. Esther Bejarano erzählt, wie ihr in Auschwitz der Schlager „Bel Ami“ buchstäblich das Leben rettete. Neben vielen anderen kommen zu Wort: Achim Amme, Thommie Bayer, Georg Danzer, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg, Manfred Maurenbrecher, Wolfgang Niedecken, Rafik Schami, Stefan Stoppok, Herman van Veen, Wim Wenders und Roger Willemsen. Etliche Statements machen Lust, den einen oder anderen Song nach langer Zeit wieder einmal anzuhören.
Kai Engelke

 SPUNK: Die Abenteuer von Ukulelo und Ukulala  - eine besondere Ukulele-Schule
SPUNK
Die Abenteuer von Ukulelo und Ukulala - eine besondere Ukulele-Schule
spunk-musik.de
(Musik für Grundschule und Kindergarten.)
Cölbe : Spunk, o.J. – 52 S. + CD, 19,80 EUR


Ein neues Ukuleleheft? Ja, aber ganz anders. Das Konzept von punk (alias Kinderliedermacher Gerd Müller aus Hessen) unterscheidet sich von anderen Ukuleleschulen. Er verspricht einen leichten Einstieg in die Liedbegleitung. Adressaten sind Kinder ab fünf Jahren, Erzieherinnen, Lehrer und Eltern, denn der Inhalt besteht aus einer Geschichte in sieben Kapiteln, in die über zwanzig Lieder eingebunden sind und die allesamt von Bildern von Gerd Müller stammen. Über das Vorlesen erfahren Kinder zusätzlich Zuwendung, und es wird Gemeinsamkeit gefördert – genau das ist Spunks Absicht. Die Lieder sind sowohl zum Begleiten mit der Ukulele gedacht als auch zum Spielen, Bewegen und Tanzen – sie bieten viele Möglichkeiten zur Gestaltung. Die Lieder sind ansprechend und transparent mit Ukulele und anderen Instrumenten arrangiert. Ukulele spielen zu lernen durch Lieder mit einem oder mehr Akkorden, wird umrahmt von einer spannenden Geschichte, die an mehreren Tagen (vor-)gelesen werden kann, gut eingeteilt in Kapitel und die Spannung haltend. Die beiden Protagonisten Ukulelo und Ukulala meistern alle Abenteuer mit Hilfe von Freunden, Solidarität und viel Musik – Kinderliedermachen in bester und staubfreier Tradition, die sinnreich und warmherzig auf die Fantasie von Kindern eingeht. Ukulelen sind handlich und samt Heft ideal zum Beispiel im Urlaub und für alle, die gern musikalisch mit Kindern arbeiten. Sehr empfehlenswert!
Rainer Wenzel
 FRED MORIERTY: Ventry Seaside : The Fred Morierty Series Bd. 1.
FRED MORIERTY
Ventry Seaside : The Fred Morierty Series Bd. 1.
amazon.de
(o.O. : Eigenverl., 2017. – 209 S. )
ISBN 978-154960869-8, 9,90 EUR


Fred Morierty schreibt in sehr südlich geprägtem Deutsch in Ich-Form über seinen gleichnamigen Helden, der 1981 nach London geht, mit Bob Geldof zusammenarbeitet und bei Band Aid mitmacht. Dann besinnt er sich auf seine irischen Wurzeln, begibt sich nach Dingle, findet die große Liebe seines Lebens und macht mit ihr gewaltig Karriere in der Folkszene. Der Autor bezeichnet sein Buch als „work of fiction“, aber es liest sich größtenteils wie eine Dokumentation. Das liegt daran, dass seitenweise aus Fernsehkommentaren und Erinnerungen an den Osteraufstand 1916 zitiert wird, aber auch daran, dass er keinerlei Versuch macht, seinen Personen Persönlichkeit zu geben oder für Lokalkolorit zu sorgen. Die Menschen bleiben Pappfiguren. Und die Orte? Nicht einmal Ventry, mitten in einem irischsprachigen Gebiet gelegen, wo Musik, Literatur und Theater eine Blütezeit erleben – was der „Fred Morierty“ des Buches aber offenbar gar nicht merkt – wirkt hier wie ein lebendiger Ort. Es ist eigentlich eine Qual, das Buch zu lesen. Das liegt aber nicht an der Handlung, sondern daran, dass auf Rechtschreibung und vor allem Zeichensetzung keinerlei Wert gelegt worden ist. Ein verschachteltes Nebensatzgefüge zu entwirren, das sich über mehrere Zeilen hinzieht und in dem kein einziges Komma verrät, was sich nun worauf bezieht, ist schon eine Leistung. Der Autor kündigt eine Fortsetzung an. Die erscheint dann hoffentlich in einem Verlag, der ihm hilft, ein richtiges Buch daraus zu machen.
Gabriele Haefs

 JOHANNES OERDING: Songbook : f. Klavier, Gitarre u. Gesang.
JOHANNES OERDING
Songbook : f. Klavier, Gitarre u. Gesang.
bosworth.de
(o.O. : Bosworth Music, 2017. – 96 S. : nur Noten u. Akk. + Texte ; mit s/w-Fot)
ISBN 978-3-86543-974-1, 25,95 EUR


Bosworth veröffentlicht ein Songbook von Johannes Oerding, Singer/Songwriter aus Hamburg, zudem Fred-Jay-Preisträger 2017 – eine Auszeichnung, die all denen zuteilwird, die mit ihren Texten „in hohem Maße zur Entwicklung des deutschen Liedguts und der deutschsprachigen Musikkultur beigetragen“ haben. Das Buch enthält sechzehn Songs aus den bis dato erschienen Alben des Künstlers. Und wie Songbooks so sind, finden sich Klaviersatz, Melodie und Text sowie Akkordsymbole für den Gitarristen und vier großformatige Fotos des Musikers.
Rolf Beydemüller
 THEODOR STORM/DRAGSETH TRIO (HÖRBUCH): Der Schimmelreiter / gelesen von Hans-Peter Bögel, musikal. begleitet von Dragseth.
THEODOR STORM/DRAGSETH TRIO (HÖRBUCH)
Der Schimmelreiter / gelesen von Hans-Peter Bögel, musikal. begleitet von Dragseth.
atelier-knortz.de
(Witzwort : Eigenverl., 2017. – Do-CD : 144:36) 20,00 EUR + 3,00 EUR Versand


Nachdem das Dragseth Duo bereits Texte von Theodor Storm gesungen hat (auf dem Album Es ist ein Flüstern), hat das gerade erst gegründete Dragseth Trio sich ebenfalls des Autors angenommen. Anlässlich des zweihundertsten Geburtstags Storms hat der Schauspieler, Regisseur und Sprecher Hans-Peter Bögel unter musikalischer Begleitung des Dragseth Trios eine Bearbeitung des Schimmelreiters als Hörbuch auf CD veröffentlicht. Mit diesem Programm eröffneten sie erfolgreich auch die diesjährigen Storm-Tage auf Husum. Einfach schön. Und für Literaturfans auch ein schönes Geschenk.
Doris Joosten