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International
 AEHAM AHMAD & EDGAR KNECHT: Keys To Friendship
AEHAM AHMAD & EDGAR KNECHT
Keys To Friendship
aeham-ahmad.com/de
edgarknecht.de
(O-Tone Music, OT 015-2/Edel Kultur)
Promo CD, 9 Tracks, 44:42,


Kaum ein Medium ist so hervorragend geeignet, kulturelle Grenzen aufzulösen, wie die Musik – vor allem, wenn es um die Begegnung von Moslems und Christen geht. Eines der aktuell berührendsten Projekte ist das Zusammentreffen von Aeham Ahmad und Edgar Knecht. Denn unterschiedlicher könnten die Lebensgeschichten der beiden Pianisten nicht sein. Auf der einen Seite steht der palästinensisch-syrische Musiker Ahmad, der durch sein tägliches Klavierspiel im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk weltweit berühmt wurde. Auf der anderen Seite der gefeierte Jazzkomponist Knecht, der bereits mit vierzehn Jahren Konzerte gab. Auf ihrer ersten musikalischen Zusammenarbeit bestechen sie durch große Leichtigkeit und Spielfreude, in der sie mit eigenen Kompositionen und enthusiastischen Improvisationen ihre eigene Form des Jazz jenseits ihrer kulturellen Wurzeln kreieren. Ahmad singt dabei in seinen Texten immer wieder von den furchtbaren Erlebnissen im syrischen Bürgerkrieg und dem Wunsch nach Frieden. Besonders mitreißend ist das von Knecht geschriebene Stück „Gedankenfreiheit“, das auf dem bekannten Volkslied basiert und von Ahmad in seiner Muttersprache vorgetragen wird. So wie die beiden Musiker harmonieren, können hier nur Freunde an den Tasten sitzen.
Erik Prochnow



Nordamerika
 THE HARPOONIST & THE AXE MURDERER: Apocalipstick
THE HARPOONIST & THE AXE MURDERER
Apocalipstick
harpoonistaxemurderer.com
(Tonic Records/Membran 008)
13 Tracks, 44:57, mit engl. Infos


Das kanadische Duo setzt sich zusammen aus Shawn Hall (Gesang, Mundharmonika) und Matthew Rogers (Gitarre, Bass, Synthesizer). Zusammen mit ihren Begleitern präsentieren sie wirklich energiegeladenen und innovativen Blues. Songs wie „Get Ready“ und „Situate Yourself“ besitzen auch kompositorische Reife. Bei den Juno Awards in Vancouver 2014 gewannen die beiden Musiker mit der Produktion A Real Fine Mess den Preis für das Bluesalbum des Jahres, im Jahr darauf wurden sie vom Radiosender WCMA für das beste Alternativalbum ausgezeichnet. Als Gastmusiker sind dabei: John Raham (Schlagzeug), Geoff Hilhorst (Orgel, Klavier), Efran Chavez (Congas) sowie die Sänger und Sängerinnen Dawn Pemperton, Andrina Turenne, Alexa Dirks, Ben Rogers, Khari Wendell McClelland, Erik Nielsen und Ricardo Khayatte. Für die Rezensentin die beste Scheibe des Jahres 2017.
Annie Sziegoleit
 SON LITTLE: New Magic
SON LITTLE
New Magic
sonlittle.com
(ANTI-/Indigo 7529-2)
11 Tracks, 36:58, mit engl. Texten u. Infos


Ein neuer und absolut hörenswerter US-amerikanischer Singer/Songwriter stellt sich vor. Sein Name ist Aaron Earl Livingston, der sich mit dem Künstlernamen Son Little unnötig klein macht. Denn tatsächlich ist er ein großer Sohn des Blues, er besitzt eine fantastische Stimme und bietet klasse Arrangements an der Gitarre. Möglicherweise ist er die Entdeckung des Jahrzehnts. Bereits bei seinem Debüt im Jahr 2015 bekam er über sieben Millionen Klicks. Es folgten der Grammy 2016 und Touren unter anderem mit Mumford & Sons und Leon Bridges. Die Klänge bei Titeln wie „Kimberly’s Mine“ und „The Middle“ rauben dem Hörer den Atem. Insgesamt gelang eine ausgewogene und intelligent produzierte Mischung von traditioneller Blues- und innovativer Weltmusik. Als Gastmusiker sind dabei: Jesse Maynard am Schlagzeug, John Thompson an der Percussion, Willard E. an der Geige und Mark Schwartz am Klavier. In dieser Scheibe steckt die reinste Magie.
Annie Sziegoleit

 WILLIE WATSON: Folksinger Vol. 2
WILLIE WATSON
Folksinger Vol. 2
williewatson.com
(Acony Records/Yep Roc/H‘Art)
Promo-CD, 11 Tracks, 35:03,


Lieder von Generation zu Generation weiterzureichen, diese Idee gefällt Willie Watson. Deshalb bestreitet der Mitgründer der Old Crow Medicine Show das zweite Soloalbum nach seinem Ausscheiden komplett mit alten Liedern, die populär geworden sind durch Sänger wie Leadbelly, Reverend Gary Davis und Furry Lewis. Er singt sie mit eigentümlicher Stimme, in der ziegenhaftes Keckern steckt, aber genauso viel Soul. Das wird nicht unbedingt als schön empfunden, aber als sehr authentisch. Zumal seine Interpretationen der Schätze aus US-amerikanischer Tradition mit Eigenständigkeit glänzen. Bewegend beispielsweise „Gallows Pole“, in dem sich zur spartanischen Akustikgitarre und der Mundharmonika ein auf- und abschwellendes vierköpfiges Holzbläserensemble gesellt. Ein weiterer Höhepunkt des Albums, „On The Road Again“, steckt voller Swing, bitterem Humor und Inbrunst – bedingt durch die Mitwirkung des Gospelquartetts Fairfield Four. Produziert hat Dave Rawlings, logisch deshalb, dass Partnerin Gillian Welch als Gastmusikerin dabei ist, ebenso wie Bassist Paul Kowert von den Punch Brothers. Überall lässt Willie Watson den alten Geist wirken, und doch ist Folksinger Vol. 2 zeitlos.
Volker Dick
 JIM WHITE: Waffles, Triangles & Jesus
JIM WHITE
Waffles, Triangles & Jesus
jimwhite.net
(Loose Music/Rough Trade)
Promo-CD, 11 Tracks, 53:45,


Er war nach New York gezogen, aber seine Depressionen und Dämonen ließen nicht locker. Um die bedrohlichen Gefühle in Zaum zu halten, begann Jim White mit dem Songschreiben. Ein Freund bat ihn darum, ein paar Stücke aufzunehmen. Dann nahm die Bestimmung ihren Lauf. Über einige Ecken landete das Tape bei David Byrne, und White fand sich vor großem Publikum wieder. Er hat es verdient. Denn seine Musik kennzeichnen Vielfalt und Tiefe, wie dieses sechste Album unterstreicht. Der erste Track, „Drift Away“, beginnt mit Tönen, die aus einem Ambientprojekt Brian Enos stammen könnten, bevor sich das Banjo dazugesellt. Zwei Songs weiter liefert White mit „Playing Guitars“ eine federnde und spöttische Countrynummer ab, um in „Silver Threads“ eine Trompete auftreten zu lassen und an Calexico zu erinnern. In den Texten lässt er seinem Schmerz schon mal freien Lauf, hofft, dass Regen die Welt wegspülen möge. Andererseits wirkt er wie einer, der gelassen Bilanz zieht, trotz der tiefen Löcher. Und bei „Sweet Bird Of Mystery“ verabschiedet er uns mit einer berückenden Liebeserklärung, gehüllt in eine verträumte akustische Klanglandschaft. Was für ein Glück, dass der Freund das Tape bekommen hat.
Volker Dick

Lateinamerika
 Mônica Vasconcelos: The Sao Paulo Tapes
Mônica Vasconcelos
The Sao Paulo Tapes
monicavasconcelos.com
(Andy Childs MOVAS 005/Galileo MC)
12 Tracks, 50:00, mit engl. Texten u. Infos


Politische Lieder müssen sich nicht unbedingt nach stampfenden Marschrhythmen anhören. Die Zusammenstellung der brasilianischen Sängerin von Liedern des brasilianischen Widerstands gegen die Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 klingt vielmehr jazzig arrangiert und vom Bossa Nova geprägt. Es sind Lieder, die in ihrer Entstehungszeit musikalisch im Kanon von Künstlern wie Chico Buarque oder Caetano Veloso nicht unbedingt als typische Protestsongs auffielen, es sind aber Stücke, die erfahrenes Leid, Unterdrückung und Trauer über diese Zeit ausdrücken. Man darf bei den oft mit Metaphern arbeitenden Texten nicht die strenge Zensur der damaligen Zeit vergessen. Es stellt sich die Frage, warum sie gerade jetzt von Vasconcelos aufgegriffen wurden. Die brasilianische Gesellschaft scheint derzeit ins Bodenlose abzudriften, eine Situation, in der schon manchmal Militärs die Macht an sich rissen. Mônica Vasconcelos wurde in Sao Paolo geboren und lebt seit über zehn Jahren in London. Ihr Album produzierte die britische Rocklegende Robert Wyatt. Vasconcelos hat eine angenehme Stimme, die nie zu Übertreibungen neigt, meist sind Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug zu hören. Auch ein hochenergetisches Stück wie „O Ronco Da Cuica“ von Joao Bosco passt sie ihrer eigenen Atmosphäre an.
Hans-Jürgen Lenhart



Asien
 DIVERSE: The Rough Guide To Acoustic India
DIVERSE
The Rough Guide To Acoustic India

(World Music Network RGNET 1361 CD/Harmonia Mundi)
8 Tracks, 66:39, mit engl. Infos


Seit jeher ist Indiens traditionelle Musik zweigeteilt. Im Norden die klassisch-strenge Variante mit ihren Raga-und-Tala-Skalen und ihren Instrumentalschulen nach stringentem Lehrer-Schüler-Prinzip. Die gibt es im Süden zwar auch, aber eben nicht nur. Dort tobt – könnte man sagen – das pralle Leben. Sufigesänge, Brass Bands, die Flötenmusik der Schlangenbeschwörer bis hin zu Qawwali-Ausläufern und knatschbunten Bollywood-Soundtracks prägen die heutige traditionelle Musik Südindiens. Kompilator Phil Stainton präsentiert uns auf dem aktuellen Album der Rough-Guide-Reihe diese heterogene Musikszene, in der uns ein Kaleidoskop unterschiedlichster Stile und Klänge erwartet. Die Bandbreite der acht Musikbeispiele reicht von den geheimnisvollen Gesängen der Sufis (Noor Alam & Arati Biswas) über die hypnotisch-fließende Musik des Paban-das-Baul-Ensembles, großartiges klassisches Solistentum der Geigerin Jyotsna Srikanth oder des Slidegitarristen Debashish Bhattacharya bis hin zur fröhlichen Jahrmarktsmusik der Jaipur Kawa Brass Band sowie den obligaten Crossoverklängen von Rafiki Jazz oder dem Quartett des Schweizer Flötisten Guillaume Barraud. Kurzum: Diversität in ihrer schönsten Form.
Walter Bast