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Feramuz Sancar * Foto: Hans Jürgen Lenhart

Heimspiel


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Das Internationale Theater Frankfurt am Main

Interkulturelles Laboratorium

Ein Theater, in dem Weltmusik eine große Rolle spielt, vielleicht sogar mehr als in manchem Musikclub? So etwas gibt es im Internationalen Theater in Frankfurt am Main, dem ITF. Dieses hat sich es zur Aufgabe gemacht, die Kultur von Migranten aus der Nischenecke herauszuholen und sie als Teil der ganz normalen städtischen Kultur zu vermitteln.

Text: Hans-Jürgen Lenhart

Gegründet wurde das ITF 1998. Inzwischen steht es unter der Leitung von Feramuz Sancar, der dem Theater- und Musikprogramm kulturelle Vielfalt auf die Fahne geschrieben hat. Neben den fremdsprachigen Besuchern soll auch deutsches Publikum die Angebote des ITF so selbstverständlich wahrnehmen wie die anderer Theater. „Bei den Veranstaltungen mischen sich die Communities, sodass zum Beispiel bei einem Flamencoabend auch viele Griechen auftauchen“, sagt Pressesprecher Vassilis Chatzivassios. Die Musikgruppen sind oft genauso bunt zusammengesetzt. So präsentierten Musiker der Stuttgarter Ziryab-Akademie, die Musikerinnen und Musikern aus aller Welt die Möglichkeit bietet, gemeinsam Neues zu entwickeln, einen Dialog aus Klassik, Jazz, Flamenco, Latin und Orient. „Dazu wurden Werke berühmter weltmusikalischer Komponisten einstudiert und hierzulande unbekannte Instrumente vorgestellt“, erzählt Sancar begeistert. „Ebenso spielte eine griechische Rembetiko-Gruppe mit einem Klezmermusiker bei uns zusammen. Das sprach sofort ein breiteres Publikum an.“

Unterschiedliche Theatertraditionen

Im Theaterbereich kann man im ITF während einer Saison 150 Aufführungen aus etwa 25 Kulturen erleben. Zu sehen sind Theaterstücke auf Englisch, Französisch, Russisch, Italienisch, Deutsch, auch zeitkritisches türkisches Theater oder Kabarett. „Die verschiedenen Nationen haben unterschiedliche Spieltraditionen entwickelt. Wir wollen, dass man in den einzelnen Kulturen über diese Erfahrungen diskutiert“, meint Sancar. Innovativ ist, dass es manchmal Stücke mit Übertiteln beziehungsweise Simultanübersetzungen per Kopfhörer gibt. „Und bei Konzerten erklären die Musiker wiederum viel zur Musik, um ihre Kultur besser zu vermitteln.“

Weltmusikalische Besonderheiten

Was vor dreißig Jahren noch exotisch klang, gehört vielerorts längst zum Alltag – wie der Balkanpop. International zusammengesetzte Bands entwickeln sich in der Weltmusik immer mehr zum Standard. Für ein kulturell interessiertes jüngeres Publikum aus einer in Deutschland aufgewachsenen Migrantengeneration ist die Identifikation mit deutscher Kultur und zugleich der ihrer Eltern längst normal. Privat wachsen immer mehr Menschen zweisprachig auf, und jeder zweite Bewohner Frankfurts hat einen Migrationshintergrund. „Fast die Hälfte aller Übernachtungsgäste kommt aus dem Ausland. Wir haben internationales Publikum, schon allein, weil um die Ecke die Europäische Zentralbank steht“, sagt Chatzivassios.

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