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»Wir lieben es, unsere Wurzeln zu spüren und uns unseren Vorfahren eng verbunden zu fühlen.«
Tautumeitas * Foto: Peteris Viksna

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Aktuelles Album:


Dziesmas No Aulejas – Songs From Auleja
(CPL-Music, 2020)



Cover Dziesmas no Aulejas



Tautumeitas

Singt mit Ehre, ihr Mädchen!

Weibliche Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Das stimmgewaltige lettische Frauen­vokal­ensemble Tautumeitas tritt im Frühjahr zum ersten Mal bei folkBALTICA auf. Wenn sich die Sängerinnen vor drei Jahren auf der Branchenmesse WOMEX in Kattowitz allzu schüchtern präsentiert hätten, dann wäre das deutsche Label CPL-Music sicherlich nicht auf die selbstbewussten Musikerinnen aus Riga aufmerksam geworden.

Text: Eva-Maria Vochazer

Aber Lauma Bērza, eine der sechs Sängerinnen von Tautumeitas, punktete beim Gespräch mit Labelchef Christian Pliefke mit jeder Menge Charme und Selbstbewusstsein. Und einer fünfminütigen Intensiveinführung in die lebendige lettische Folkszene. Das war der Beginn einer wunderbaren musikalischen Partnerschaft. Pliefke nahm die Musikerinnen prompt unter Vertrag, reiste zwischenzeitlich sogar zu den Damen nach Riga und hat nach Tautumeitas von 2018 Mitte Januar mit Dziesmas No Aulejas — Songs From Auleja bereits das zweite Album von ihnen herausgebracht.
Die Sängerinnen machen sich auf dem neuen A-capella-Werk in den kleinen Ort Auleja nahe der weißrussischen Grenze auf, rund 250 Kilometer von der lettischen Hauptstadt Riga entfernt. Und das mit gutem Grund: Dort wurde Anfang der Vierzigerjahre mit Auleja Sivas eines der wichtigsten und einflussreichsten weiblichen Folkensembles der kleinen Baltenrepublik gegründet, und zwar von vier ausgesprochen starken Frauen und überaus talentierten Sängerinnen. Heute besteht Auleja Sivas bereits in der dritten Generation, und Marija Vasilveska, eine Sängerin der zweiten Generation, ist immer noch mit dabei.
In Auleja hat sich die traditionelle Musik der historischen Region Lettgallen erhalten, die vor den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges einen ausgeprägt multikulturellen Charakter hatte. Letten, Litauer, Polen, Juden, Weißrussen und Russen lebten hier meist friedlich zusammen. Vor siebzig Jahren wohnten rund 7.000 Menschen im Dorf, heute sind es nur noch 480. Landflucht und die politischen Umwälzungen haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Die musikalische Tradition ist hier aber nach wie vor sehr lebendig. „Es sind vor allem die anmutigen, luftigen Melodien und der sehr besondere mehrstimmige Gesang, der die Auleja-Tradition in Lettland zu etwas Besonderem macht“, berichtet Tautumeitas-Ensemblemitglied Asnate Rancāne.
In der Gegend hat sich ein archaischer Gesangsstil namens Bolsi erhalten. Übersetzt bedeutet das „Stimmen“. Traditionell wurden diese Bolsi gesungen, wenn Frauen gemeinsam ihrer Arbeit nachgingen, etwa bei der Heuernte. Es gibt auch spezielle Bolsi extra zu Ehren des lettischen Fruchtbarkeitsgottes Jumis oder für Hochzeiten. Geprobt wurde beim Ensemble Auleja Sivas traditionell bei den Sängerinnen zu Hause, manchmal sogar in der Sauna! Bei den Proben hatten sie meist ihre Handarbeiten dabei. Öffentlich aufgetreten ist das Ensemble aber erst bei Gesangsveranstaltungen in den Siebzigerjahren, als die Sängerinnen bei den lettgallischen Folkloretagen zu den „Königinnen des Abends“ ausgerufen wurden.

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