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Folker-Halbmast



Jitka Šuranská * Foto: Donald Judge, Wikipedia

JITKA ŠURANSKÁ


2.8.1978, Kudlovice, Slowakei,
bis 28.10.2019, Bĕlov, Tschechien


Erneut trauern Tschechen und Slowaken um einen herausragenden Künstler. Nach Karel Gott ist es diesmal die Sängerin und Violinistin Jitka Šuranská. Während sich Gott mit seinen achtzig Jahren allerdings am Ende seines Lebens befand, stand die 41-jährige Ausnahmemusikerin in der Blüte ihrer Karriere. Als Absolventin des Brünner Konservatoriums genoss sie eine fundierte klassische Ausbildung und war sechzehn Jahre lang Mitglied des Bohuslav Martinu Philharmonie Orchesters in Zlín. Doch ihr Herz schlug immer für die traditionelle Folklore ihrer Heimat in der mährischen Slowakei. Mit ihren zahlreichen Projekten wie dem Jitka Šuranská Trio entwickelte sie seit 2005 eine ganz eigene musikalische Sprache, die alle Grenzen überwand und sowohl live als auch im Studio eine große Ausdruckskraft demonstrierte. Der Lohn waren drei gewonnene Anděl – das tschechische Äquivalent des Grammys – in den Kategorien Weltmusik und Folk. Ständig war sie auf der Suche nach neuen Formationen und Interpretationen mährischer Volkslieder. Noch im Sommer stand sie auf der Bühne. Nun reißt die charismatische Künstlerin nach einer kurzen, schweren Krankheit ein großes Loch in die Musikwelt der Tschechen und Slowaken.

Erik Prochnow



Friedrich Thein * Foto: Henk Scholte

FRIEDRICH THEIN


18.3.1952, Bremen,
bis 6.11.2019, Stuhr


„Bury My Heart At Wounded Knee“ – „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“. Bei den Aufnahmen zu Peter Braukmanns gleichnamiger Single im Herbst 1982 lernten wir uns kennen, und einige Monate später habe ich mit Laway unsere erste LP in seinem kleinen Studio, damals im Bremer Viertel unweit der Weser aufgenommen. Es war seine Liebe zur Musik und den Songtexten, die mich sofort erreichten. Sein Arbeiten mit den Künstlern, um das Beste aus ihnen herauszuholen, begeisterte mich vom ersten Moment. Anfangs waren es vor allem junge Jazzer, die Friedrichs Kunst als Tonmeister, den besonderen Moment einzufangen, so sehr schätzten. Mit der Zeit kamen nach und nach mehr Folkmusiker und Singer/Songwriter wie Helmut Debus in sein Studio, Jens-Peter Müller mit seinen Gruppen Kunterbunt und Wymn und viele Künstler der bundesweiten Folkszene, darunter die Fraunhofer Saitenmusik, Klaus Irmscher und Sibylle Kynast, zuletzt noch La Kejoca. Alle gingen durch seine Hände und erfuhren seine Liebe, aber auch seine Kritik und Verliebtheit ins Detail. In den Neunzigerjahren machte er die Aufnahmen mit den Preisträgern des Deutschen Folkförderpreises in Zusammenarbeit mit dem TFF Rudolstadt. Viele Jahre begleitete er tontechnisch die Songs an einem Sommerabend vor dem Kloster Banz; Jazz- und Blues-Baltica standen fest in seinem Kalender. Er wurde besonders dann gerufen, wenn die Musik live aufgenommen wurde, hier lag seine große Stärke. Nun hat sein Herz, nicht allzu weit von der Biegung seines Stromes Weser in Stuhr bei Bremen, im Alter von nur 67 Jahren ganz plötzlich und völlig unerwartet aufgehört zu schlagen.

Gerd Brandt



Michèle Fromenteau * Foto: René Meeuws

MICHÈLE FROMENTEAU


1937, Provinz Berry, Frankreich,
8.12.2019, La Châtre, Frankreich


Bereits als sechsjähriges Kind bekam sie Klavierunterricht, ehe sie mit zwölf Jahren das traditionelle Instrument ihrer Heimatregion, des französischen Berrys, entdeckte, die Drehleier. Unterricht erhielt sie unter anderem von dem legendären Gaston Guillemin und wurde Mitglied der Folkloregruppe Les Thiaulins de Lignière, wo sie bald für ihre präzisen und subtilen Interpretationen der traditionellen Musik bekannt wurde. Sie war eine Pionierin der Barockmusik auf der Drehleier, mit der sie 1964 in Berührung kam. Sie spielte seltene und vergessene Musikwerke ein, oft mit dem Pariser Ensemble alter Musikinstrumente. Ihre beiden LPs L’Art De La Vielle À Roue Vol. 1 (1979) und Vol. 2 (1981) gelten als richtungsweisend und verhalfen dieser Art von Drehleiermusik zu breiter Bekanntheit. 1975 kam Fromenteau bei einem Musikantentreffen des deutschen Drehleierbauers Kurt Reichmann auf die Idee, den hundertsten Todestag der französischen Schriftstellerin George Sand, die den Drehleier- und Dudelsackmusikern im Berry mit ihrem Roman Les Maîtres Sonneurs ein literarisches Denkmal gesetzt hatte, ebenfalls mit einem Treffen von Musikern zu feiern. 1976 gründete sie mit anderen das Festival Rencontres Internationales de Luthiers et Maîtres-Sonneurs de Saint Chartier. Dieses alljährliche Treffen war und ist heute noch (unter dem Namen Le Son Continu in Chateau d’Ars) das weltweit wichtigste Instrumentenbauer- und Musikertreffen, das eine große Breitenwirkung auf die Entwicklung der Bordunszene nicht nur in Deutschland und den Niederlanden hatte und immer noch hat.

René Meeuws und Ulrich Joosten