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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Schocknachricht erreichte mich am Tag vor der Abfahrt zum Rudolstadt-Festival: Der große englische Bruder fRoots stellt nach genau vierzig Jahren mit sofortiger Wirkung sein Erscheinen ein! Okay, die Zeitschrift hatte bereits 2017 Geldprobleme, aber eine überaus erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne sowie die Umstellung von zehn Heften auf vier dickere Ausgaben pro Jahr schienen den Kollegen gutzutun. Offensichtlich liefen im Hintergrund Übernahmegespräche mit einem Verlag, die Chef Ian A. Anderson dann als gescheitert erklären musste. Er sagte zwar, man werde weiter nach Lösungen suchen, aber wer nur die leiseste Ahnung vom Zeitschriftengeschäft hat, der/die weiß, wie schwierig das ist.
Also ist im Hause Folker Schadenfreude angesagt? Aber auch nicht eine einzige Sekunde! Wenn Kollegen, denen aufgrund der englischen Sprache der weltweite Markt offensteht und die daher mit diversen internationalen Preisen ausgezeichnet wurden, eine Zeitschrift nicht in die schwarzen Zahlen bringen können, dann wirft das ein bezeichnendes Licht auf die heutigen Probleme aller Nischenmagazine. Tatsache ist: Jede einzelne Ausgabe des Folker ist ein Ritt auf der finanziellen Rasierklinge! Die Redaktion bemüht sich um einen spannenden und ansprechenden Inhalt, aber ohne eine eifrige Anzeigenakquise und ohne einen Christian Ludwig Verlag, der die nötigen Gelder zur Verfügung stellt, läuft gar nichts. Tatsache ist daher auch: Fällt einer dieser beiden Akteure aus oder um, dann nützt auch die beste Redaktion nichts und der Folker ist so gut wie am Ende. Das ist haargenau der Grund, warum ich an dieser Stelle mit schöner und wahrscheinlich langweiliger Regelmäßigkeit die Solidarität der Anzeigenkunden und der Leserschaft einfordere. Was natürlich ziemlicher Quatsch ist, denn diejenigen, die dieses Editorial lesen, leisten ja bereits ihren Beitrag, indem sie den Folker kaufen oder abonniert haben. Es sind all die profilierten Akteure dieser unserer Szene, denen der Folker abo- und anzeigenmäßig am Allerwertesten vorbeigeht, die uns bei jeder Ausgabe zittern lassen, wie und wann die Rechnungen bezahlt werden können. Wenn ich da mal ein paar Namen nennen könnte … – aber das brächte uns auch nicht weiter. Ich sag’s mal so: Würden sich ein bis zwei Hände voll Akteure ein Beispiel an der Ausnahmeerscheinung Peter Finger und Acoustic Music nehmen, dann wäre unsere Zukunft gesichert. Seit der ersten Ausgabe ist Peter ohne Unterbrechung mit einer ganzseitigen Anzeige meist auf der U2 direkt neben dem Editorial vertreten, natürlich mit einem netten Treuerabatt, aber das nenne ich vorbildliche praktische Unterstützung. Und warum? Weil ihm eine Zeitschrift wie der Folker schlicht wichtig ist. Ganz herzlichen Dank dafür an dieser Stelle.
Keine Panik, dieses Editorial dient nicht dazu, die Leserschaft nach fast 42 kombinierten
Mike Kamp * Foto: Ingo Nordhofen Folk-Michel/Folksblatt/Folker-Jahren so langsam auf das Ende dieser Zeitschrift vorzubereiten. Niemand kann allerdings im übelsten aller Fälle sagen, er/sie hätte nichts gewusst. Die finanziellen Probleme sind nun mal ebenso Realität wie die fröhlich abseitsstehenden Akteure, die sich maximal dann an unsere Zeitschrift erinnern, wenn sie eine Rezension ihrer neuen CD brauchen und/oder ihre Termine veröffentlicht sehen wollen. Was ich Ihnen, den Solidarischen, nur mit auf den Weg geben möchte: Es gibt immer Mittel und Wege, den Folker auch weitergehend zu unterstützen. Das reicht von der Umwandlung des Normalabos in eines zum politischen Preis über Abowerbung im Bekanntenkreis bis hin zur tätigen Unterstützung bei den Anzeigen. All das hilft. Die Redaktion arbeitet währenddessen weiter an einer guten und interessanten Zeitschrift wie der vorliegenden, in der Sie im Laufe eines Jahrgangs alle Facetten unserer Musik wiederfinden können.
Viel Spaß bei der überprüfenden Lektüre wünscht

Ihr Folker-Herausgeber
Mike Kamp PS: Nun gibt es sie also, die Folker-Spotify-Playlist. Ganz ohne Frage ist das ein zweischneidiges Schwert, und wir haben lange hin und her diskutiert. Selbstverständlich beutet Spotify die Künstler aus, und das kritisieren wir, wann immer das Thema zur Sprache kommt. Andererseits sind die meisten Künstler dort vertreten, wohl wissend, dass sie von dem Geld im besten Falle den monatlichen Bedarf an Plektren decken können. Wir sehen solche Streams als Werbung für die Künstler und hoffen, dass wir damit Appetit auf deren Alben machen, die dann als CD gekauft werden können – und sollten.