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»Es kommt immer der Punkt, etwas Neues zu suchen oder zur eigenen Tradition zurückzukehren.«
Tristan Driessens

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Aktuelles Album:


A Folk Dancer’s Journey
(Seyir Muzik, 2019)



Cover A Folk Dancer’s Journey



Tristan Driessens

Aus der Reihe getanzt

Ungewöhnliche Wege ist er schon immer gegangen. Jahrelang war Tristan Driessens der Belgier, der sich ganz der türkischen Musik verschrieben hat. Mit seinem neuen Album kehrt er zu seinen Wurzeln in der Folkszene zurück und ist nun der Oud-Spieler, der westliche Volkstänze spielt – freilich mit orientalischem Aroma.

Text: Guido Diesing

Dass sein Weg abseits der breiten Straßen liegen würde, entschied sich schon früh. Als Tristan Driessens als Teenager mit seiner Mutter in Spanien lebte, entdeckte er seine Liebe zur arabischen Laute. „Dort habe ich die sephardische Musik kennengelernt und andalusische Musik gehört, in der die Oud eine Rolle spielt. Irgendwann wurde mir klar, dass dieses Instrument meinen musikalischen Weg bestimmen würde.“ Nach seiner Rückkehr nach Belgien begann er ein Doppelleben. Einerseits tauchte er immer tiefer in die Geheimnisse der Oud ein. Er besuchte Ross Dalys Labyrinth Musical Workshop auf Kreta und lernte dort Lehrmeister der osmanischen Musik kennen, bei denen er studierte und sein Wissen stetig erweiterte. Andererseits wurde er ein Teil der belgischen Folkszene, allerdings nicht als Musiker. „Wir haben hier eine große Volkstanzszene, in der von irischer über schwedische bis zu französischer Musik viele Traditionen stark repräsentiert sind. Ich war zehn, fünfzehn Jahre sehr in diese Szene involviert – in erster Linie als Tänzer. Erst später fragten mich Leute, warum ich kein Ensemble gründe, in dem ich westeuropäische Musik auf Instrumenten aus dem Nahen Osten spiele. Bis dahin hatte ich mit der Oud nur türkische und arabische Musik gemacht. Dann habe ich sie mit großer Freude auch in irischer, schwedischer und französischer Musik eingesetzt. Ich war überrascht, mit welch offenen Armen die Musiker dieses fremdartige Element in ihrer Musik willkommen geheißen haben.“
Die Alben, mit denen sich Driessens über die Jahre in der belgischen Weltmusikszene einen Namen machte – ob mit türkischer Musik im Lâmekân Ensemble und dem daraus hervorgegangenen Seyir Trio oder mit dem jazz- und folkbeeinflussten Soolmaan Quintet –, basierten dennoch stets auf osmanischen Traditionen. Bis jetzt. Mit A Folk Dancer’s Journey greift er nun seine Volkstanzvergangenheit wieder auf und legt ein Album voller überraschender Klänge vor. Ein französischer Kreistanz geht in eine kaukasische Lesginka über, eine Mazurka wechselt in eine ungerade orientalische Taktart, Flötentöne legen sich über Gnawa-Rhythmen. So bunt wie die Stilmischung fällt auch die Instrumentierung aus, die Drehleier, Harfe, Flöte und Cello völlig zwanglos mit Kanun, Saz, Duduk und Kemençe zusammenbringt. Die Rechnung geht so gut auf, dass man als Hörer nach kürzester Zeit nicht mehr darüber nachdenkt, welche Traditionen hier gerade vermischt werden. „Es kam mir sehr natürlich vor, die westliche Musik mit orientalischen Instrumenten zu bereichern“, bestätigt Tristan Driessens.

... mehr im Heft.