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»Wir komponieren keine illustrative Musik und wollen auch nicht zu viel erklären.«
Volosi * Foto: Dominika Szczech

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Aktuelles Album:


Nomadism
(Unzipped Fly Records, 2015)



Cover Nomadism



Erdbeben in den Karpaten

Das polnische Streichquintett Vołosi

Kammermusikalische, klassische Farben sind in Folk, Jazz und World gerade ziemlich en vogue. Dabei spielen oft Streichquartette und -quintette oder die Begegnung mit ihnen eine große Rolle. Bei den Polen von Vołosi trifft ein Trio der Karpatentraditionen auf ein Duo mit ausgefeiltem klassischen Hintergrund – und Schuld an alldem hatte eine Hochzeit.

Text: Stefan Franzen

Man kann es sich in etwa so vorstellen: Ein klassisch ausgebildeter Violinist namens Krzysztof Lasoń plant seine Hochzeitsfeier in den Bergen. Er ist auf der Suche nach einer ganz speziellen musikalischen Atmosphäre, damit dieses Fest im Karpatendorf Istebna für die Gäste unvergesslich bleiben wird und vor allem einen authentischen, lokalen Touch bekommt. Er und sein Bruderherz Stanisław, seines Zeichens Cellist, entdecken bei den Vorbereitungen drei Typen, die unter dem Namen Wałasi firmieren: Zbigniew Michałek (Geige), Jan Kaczmarzyk (Bratsche, ab und zu auch Dudelsack) und Robert Waszut (Bass). „Sie spielten ihre eigene Musik, auswendig, und von ihrem Level her konnten sie durchaus mit einem klassischen Streichquartett mithalten, aber ihre Musik war improvisiert, schöpferisch“, schwärmt Stanisław Lasoń. Er und sein Bruder waren mit einer Klavier spielenden Mutter und einem komponierenden Vater aufgewachsen, dem in Polen bedeutenden Aleksander Lasoń. Die kreative Atmosphäre zu Hause war sehr freigeistig, man gruppierte sich zum belebenden Austausch ums Piano. „Und diese drei Musiker erinnerten mich an die schöpferische Freiheit, die es während meiner Kindheit gab“, so Stanisław, der wie Krzystof an der Musikhochschule in Katowice studiert hat.
Zurück zur Hochzeitsfeier: Überspitzt formuliert wird ihr Anlass fast Nebensache, als das Brüderpaar mit den Ortsansässigen zu jammen beginnt. „Das war wie ein Erdbeben“, beschreibt jedenfalls Stanisław Lasoń dieses Aufeinandertreffen der beiden tektonischen Platten Klassik und Folk im Jahr 2004. Und es wird rasch klar: Diese zweite Vermählung des Abends wird Langzeitfolgen haben. „Unsere Dialoge bekamen Suchtcharakter, und im Verlauf von fünf Jahren waren wir so weit, aus dem stillen Kämmerlein nach draußen zu gehen.“ Ab dem Jahr 2010 heimsen Wołosi i Lasoniowie, wie sich die fünf bis zu ihrem 2011 erscheinenden dritten Album nennen, zahlreiche Preise für ihre innovative Spielweise ein, beginnend mit dem Award beim polnischen New Tradition Festival, das innovative Ansätze im Folk fördert. Und da auch aus dem Ausland immer mehr Einladungen kommen, ändern sie ihren Namen bald zum wesentlich einfacheren Vołosi. Er geht auf die Walachen zurück. Eine ihrer Gruppen wanderte einst von Rumänien bis zum polnischen Ende der Karpaten, nach Istebna, wo sich ihre Kultur mit der einheimischen, nämlich der der Beskiden-Berge mischte.

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