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Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2019   Internetartikel
»Das Prinzip, Töne auch mal nach dem Zufallsprinzip zu erzeugen, gefällt mir heute noch.«
 Haruomi Hosono

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Wiederveröffentlichte Alben:


Hosono House
(Bellwood, 1973; Wieder-VÖ: Light in the Attic/Cargo, 2018)

Paraiso
(Alfa, 1978; Wieder-VÖ: Light in the Attic/Cargo, 2018)

Cochin Moon
(King Records, 1978; Wieder-VÖ: Light in the Attic/Cargo, 2018)

Philharmony
(Yen Records, 1982; Wieder-VÖ: Light in the Attic/Cargo, 2018)

Omni Sight Seeing
(Epic, 1989; Wieder-VÖ: Light in the Attic/Cargo, 2018)



Haruomi Hosono

Der japanische Eklektizist

Mit seinem enzyklopädischen Wissen über Musik und einer grenzenlosen Neugier auf andere Klänge, wurde der Tokioter Haruomi Hosono ab den frühen Siebzigerjahren Autor seiner eigenen, nonkonformistischen Musikwelt. In seinen bahnbrechenden Bands Apryl Fool, Happy End oder Yellow Magic Orchestra und seiner Soloarbeit veränderte der japanische Experimentator die Form von Popmusik in vielen Bereichen. Nun wurden erstmals außerhalb Japans fünf legendäre frühe Alben von Haruomi Hosono auf CD und Vinyl wiederveröffentlicht.

Text: Olaf Maikopf

Geboren in Tokio, als Enkel des einzigen japanischen Passagiers, der den Untergang der Titanic überlebte, wuchs Hosono in den Fünfzigerjahren in einem von den Amerikanern besetzten Japan auf. Was zur Folge hatte, dass die US-Militärradiosender mit ihren Programmen für Hosono eine Welt neuer Musik öffneten. Englischsprachiges Talk-Radio neben kalifornischen psychedelischen Bands wie The Byrds und Buffalo Springfield inspirierten Hosono dazu, seine eigene Beziehung zum musikalischen Erbe Japans in Frage zu stellen. Also spielt er 1968 mit seiner ersten Band Apryl Fool psychedelischen Folk-Rock, um bald darauf mit Happy End auf Japanisch gesungene Repliken der Songs von Randy Newman und The Band zu intonieren. Mit seinem ersten echten Soloalbum Hosono House, veröffentlicht 1973, schuf er ein tiefenentspanntes Album, das weitgehend auf karge, akustische Melodien zwischen Folk, Jazz und Surf-Pop-Songwriting basiert. Eine kurz zuvor in L. A. stattgefundene Begegnung mit Lowell George, Ry Cooder und Van Dyke Parks und deren Americana-Sound, vereint mit Hosonos Sicht von Calypso, New Orleans Cajun und Rumba lässt sein Solodebüt noch 45 Jahre später aufregend vibrieren. Mit diesem Album etablierte Hosono eine Karriere als einer der größten und einflussreichsten Künstler des Landes, die sich über vier Jahrzehnte, erstrecken sollte.
Seine Erzählweise einer globalen Musik formulierte Hosono 1978 auf dem wunderbaren Album Paraiso. Hier fusionierte er absolut unaufgeregt die Alte Welt mit der Neuen, kreierte ein sentimentales Klangspektrum im Tropicana-Sound. „Man hört beispielsweise eine Rhythmusbox und ein Kinderinstrument, das wie ein balinesisches Gamelan-Instrument klingt. Töne auch mal nach dem Zufallsprinzip zu erzeugen, dieses Prinzip gefällt mir heute noch“, erzählt Hosono bei unserem Treffen. „Paraiso“ war auch das erste gemeinsam aufgenommene Stück von Hosono mit dem später so berühmten Komponisten und Pianisten Ryuichi Sakamoto. Diese Kooperation empfanden beide als so fruchtbar, dass sie im Anschluss – vor inzwischen auch schon über vierzig Jahren – mit dem Drummer Yukihiro Takahashi das Yellow Magic Orchestra gründeten. Das bescherte Hosono letztlich Weltruhm und in Japan beinah den Status eines Heiligen.

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