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Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2019   Internetartikel
»Wir verkaufen siebzig Prozent der physischen Tonträger auf Konzerten.«
Heiko Wessels * Foto: Dominique Hammer

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Greywood Records

Klopf auf Holz

Die Musikindustrie in schwierigem Fahrwasser und trotzdem ein Schallplattenlabel gegründet. Zeugt das von Heldenmut oder eher grenzenloser Naivität? Weder noch, findet Heiko Wessels. Der gebürtige Rheinländer wusste, worauf er sich einlässt, als er 2013 von Berlin aus mit Greywood Records gestartet ist.

Text: Bernd Gürtler

Der erste Anlauf, seine eigene Schallplattenfirma zu gründen, kollidiert 2007 mit dem Scheitern des Hamburger Kleinlabels L’Age D’Or, bekannt für herausragenden Diskursrock von Kolossale Jugend oder Tocotronic. Damals bei der dem Label angegliederten Managementagentur Golden Gate beschäftigt, habe er L’Age D’Or praktisch mit abgewickelt, erzählt Heiko Wessels bei einem Interviewtermin an seinem Berliner Firmensitz. „Ich wurde Zeuge, wie die Mitarbeiter einer nach dem andern entlassen wurden, musste mithelfen die Lagerbestände zu räumen, die Büros aufzulösen. Dadurch bekam mein Enthusiasmus, selbst ein Label zu gründen, erst mal einen ordentlichen Dämpfer. Ich beschloss, einen Umweg zu nehmen, über das Livegeschäft. Ich bin eine Zeit lang Bookingagent gewesen und habe dann, nachdem ich besser Bescheid wusste, worauf ich mich einlasse, im zweiten Anlauf das Label meinen übrigen Aktivitäten hinzugefügt.“
Als geisteswissenschaftlich-wirtschaftswissenschaftlich orientierter Magisterstudent, ist Heiko Wessels an seinem Studienort Bonn kurz auch für die Radio- und Onlinepromotion eines örtlichen Musikklubs zuständig. Er arbeitet musikjournalistisch für das seinerzeit genial angedachte Onlinemagazin Triggerfish.de seiner Heimatstadt Düsseldorf. Und wechselt auch noch in die Promotionabteilung des Berliner Punklabels Noisolution, bevor er das L’Age-D’Or-Desaster aus nächster Nähe miterlebt und nach mehrjähriger selbständiger Tätigkeit schließlich die eigene Labelgründung riskiert.
Der erste Greywood-Künstler ist ein alter Bekannter. Thorsten Finner sein Name, ehemals Sänger des norddeutschen Indiequintetts Everlaunch aus Rotenburg an der Wümme. Heiko Wessels übernimmt zunächst deren Booking, später zusätzlich das Management. Als die Band sich wie so viele Studentenformationen nach dem Studium auflöst, zieht sich Thorsten Finner auf die dänische Nordseeinsel Fanø zurück und verfasst sein Solodebüt, das 2014 unter dem Titel The Seaside Stories bei Greywood Records erscheint. „Ich dachte, jetzt weiß ich, wie es geht. Also lass’ krachen, und siehe da, es ist eine erfolgreiche Veröffentlichung gewesen. Man kann nicht meckern.“

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