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»Die Sache ist größer als Trump.«
Leyla McCalla * Foto: Sarrah Danziger

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Aktuelles Album:


Capitalist Blues
(Jazz Village/PIAS, 2019)



Cover Capitalist Blues



Leyla McCalla

New Orleans als Spiegel des Zustandes unserer Welt

In der neuen Roots-Szene der Staaten ist sie einer der auffälligsten Köpfe: Leyla McCallas Vorfahren stammen aus Haiti, in New York absolvierte sie ein klassisches Cellostudium, neben Rhiannon Giddens war sie Sängerin bei den Carolina Chocolate Drops. Auf ihrem dritten Soloalbum befasst sie sich mit dem aktuellen Zustand der USA, mit Armut und Ungleichheit.

Text: Stefan Franzen

Leyla, dein neues Album nennt sich Capitalist Blues und es klingt sehr nach New Orleans.

Absolut. Ich lebe jetzt seit zehn Jahren dort. New Orleans ist der Ort, der mich mit meinen haitianischen Wurzeln verbunden hat und mich die Entstehung der amerikanischen Musik generell hat verstehen lassen, ebenso die Musik der Karibik und Westafrikas. Es fühlt sich musikalisch wie der nächste logische Schritt für meine Laufbahn an, dass viele Färbungen der Stadt darauf zu hören sind.

Es geht auf dem Album oft um die armen Leute, die unter den neoliberalen, kapitalistischen Strukturen unseres Jahrhunderts leiden. Hast du New Orleans auch in diesem Zusammenhang gewählt, als Stadt, in der die Armut besonders sichtbar ist?

New Orleans ist ein gutes Beispiel für die ständig sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich, aber genauso wären es Haiti oder New York, das ist ein globaler Trend. Es gibt richtige Armut in New Orleans, und die sehe und erfahre ich jeden Tag. Nicht darüber zu sprechen, wäre unaufrichtig. Einige Songs auf der Platte sind durch meine persönliche Erfahrung gefiltert, aber ich sehe gleichzeitig, wie Leute um mich herum einen täglichen Überlebenskampf führen, und auch über sie singe ich.

Inwieweit hat die Wahl von Donald Trump dich beim Schreiben beeinflusst? Ist die CD auch ein stückweit ein Anti-Trump-Album?

Viele der Songs hatte ich schon geschrieben, bevor Trump gewählt wurde. Dann nahm ich sie in den Nachwehen seiner Wahl auf. Das Album ist größer als einfach „anti-Trump“, er ist ja nur Teil einer größeren populistischen, fremdenfeindlichen Bewegung. Diese ganze Rhetorik von „America first“ ist Bullshit, es ist einfach die Agenda der weißen Wirtschaftsbosse. Capitalist Blues ist ein typisch amerikanischer Titel, denn in Europa gibt es nun mal eine andere soziale Struktur. Wir sehen immer mehr, wie große Unternehmen mit ihrem Geld ganze Viertel kaufen und arme Leute, aber auch Vertreter der Mittelklasse rausschmeißen, und die bleiben dann nicht mehr Mittelklasse. Die Stimmung hat sich lange hochgeschaukelt, und die Leute, die sich über die Wahl Obamas geärgert haben, zahlen es uns jetzt heim.

... mehr im Heft.