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»Ich respektiere die Tradition, aber ich komme aus der Stadt und mache, was ich will.«
Omiri * Foto: Michael Pohl

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Aktuelles Album:


Baile Electrónico
(Bigorna, 2017)



Cover Baile Electrónico


Omiri

Ein portugiesisches Fest der Sinne

Omiri war eine der Entdeckungen des diesjährigen Rudolstadt-Festivals, ein musikalisches Multimedia-Projekt mit Livemusik, Samples, Videos und Tanz. Hinter Omiri steht der Multiinstrumentalist Vasco Ribeiro Casais aus Lissabon, der auch schon mit seinen Bands Dazkarieh und Seiva Erfolg hatte. Was er anfasst, wird gute Musik.

Text: Christian Rath

Er ist nicht groß, hat sehr kurze Haare und wirkt eher unscheinbar, aber er ist ein wichtiger Erneuerer der portugiesischen Folkmusik. Vasco Ribeiro Casais begeistert in Rudolstadt mit seinem neuen Projekt Omiri in zwei sehr unterschiedlichen Settings: auf der Theaterbühne und im Heinepark. Wenn Omiri spielt, steht Ribeiro Casais alleine auf einem kleinen Podest. Er arbeitet mit Loops, schichtet die Sounds seiner fünf Instrumente übereinander: Viola Braguesa (eine portugiesische Gitarre), Cavaquinho (eine sehr kleine Gitarre), Nyckelharpa, Bozouki und Dudelsack.
Ribeiro Casais spielt die akustischen Instrumente rockig, manchmal sogar funky. Beseelt lacht er beim Spielen und freut sich über die Begeisterung des Publikums. Links und rechts von ihm stehen zwei große Leinwände, etwa drei Meter hoch und vier Meter breit. In kurztaktiger Videoclip-Ästhetik sind hier Menschen zu sehen, Amateurmusiker aus Portugal, vor allem alte Frauen, deren Stimmen als Samples eingespielt werden. Manche sind vital und voller Lebensfreude, andere sind vom Leben gezeichnet, haben nur noch zwei Zähne im Mund und das Gesicht voller Pflaster. Es gilt das Prinzip: „What you see is what you get.“ Die Trommel, die zu sehen ist, hat Ribeiro Casais auch als Sound verarbeitet. Manches ist zum Schmunzeln, etwa wenn ein Mädchen mit Kamm und Bürste am Schrank trommelt.
Es gibt also ständig etwas zu sehen, auf der linken Leinwand etwas anderes als auf der rechten, ständig neue Instrumente – und dann kommen nach einer halben Stunde plötzlich noch zwei junge professionelle Tänzerinnen auf die Bühne. Sie tanzen modern, choreografiert, mit Anleihen aus dem HipHop, aber auch bei traditionellen Tänzen. Es ist der pure Überfluss, niemand hätte hier Tänzerinnen vermisst, aber sie sind großartig.
Einen Tag später, Samstagabend im Heinepark. Die Wiese vor der Konzertbühne füllt sich erst spät. Keiner kennt hier Omiri, man will sich einfach amüsieren. Doch Ribeiro Casais begeistert die Menge sofort. Jubel brandet auf, als er erstmals die Bouzouki wie eine E-Gitarre spielt. Die Videoleinwände sind für die große Bühne zwar etwas zu klein, doch die Animation gelingt. Als eine alte Frau im Video die Hände über dem Kopf von links nach rechts und zurück bewegt, machen alle mit.
Das aktuelle Live-Programm Omiris beruht auf dem Album Baile Electrónico von 2017, das es in den World Music Charts Europe immerhin bis auf Platz drei geschafft hat. Zu hören sind dort neben den gesampelten alten Frauen auch die Rapperin Capicua und die Fado-Sängerin Celina da Piedade. Auch die CD enthält ein Feuerwerk an Ideen.

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