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Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2016   Internetartikel
 

Editorial

Lie­be Mu­sik­freun­din­nen und -freunde,

nirgends klagt es sich effektiver als unter Kollegen. Diese Menschen wissen sofort, wovon man mit großer Verzweiflung spricht. Das wurde mir vor einiger Zeit erneut klar, als ich mal wieder den Herausgeber und Chefredakteur unserer französischen Kollegen vom Trad Magazine, Philippe Krümm, traf, diesmal in Oslo. Es war Krümm, der Klage führte und sogar eine gewisse Portion Neid beimischte, und ich war derjenige, der hingebungsvoll nickte. Worum ging es? Der Kollege sprach davon, dass er häufig neiderfüllt über den Ärmelkanal schaue, und zwar direkt in die Publikation eines anderen Kollegen, Ian Anderson von Froots. In den Seiten dieses Magazins sieht Krümm eine deutliche Solidarität der Szene mit ihrem Organ, und das von Seiten aller Beteiligten, der Musikliebhaber, der Musiker, der Labels, der Agenten und der Festivals. All das schlägt sich nicht zuletzt im Anzeigenaufkommen nieder. Eine solche Haltung wäre der französischen Szene völlig fremd. Ich wünschte, ich hätte dem Kollegen sagen können, dass die deutsche Szene ziemlich britisch ist – ist sie aber leider überhaupt nicht.
Ich will nicht erneut den bekannten „Zu-wenige-Anzeigen“-Blues der Verleger und Herausgeber singen, obwohl ich dieses Thema sehr authentisch und mit unendlich viel Emotionen rüberbringen könnte. Anzeigen sind nämlich ebenfalls ein Zeichen der Solidarität, denn wenn ich als Künstler, Agent oder Plattenfirma ein Album im Folker-Segment veröffentliche, dann sind die zigtausend Folker-Leserinnen und -Leser schlicht und ergreifend mein absolutes Zielpublikum, und der Folker hat einen Anzeigenverantwortlichen, mit dem man (ver-)handeln kann, auch die Preise (anzeigen@folker.de). Nein, ich mache es auch gerne eine Nummer kleiner. Stichwort Abo. Wenn ich unsere Abonnentendatei durchgehe, dann bin ich immer wieder erstaunt, wen ich darin nicht finde. Auch wenn das eine oder andere Abo vielleicht unter dem Namen des Freundes oder der Freundin laufen mag, Tatsache ist, dass sich die Akteure dieser deutschen Szene allzu häufig noch nicht einmal scheuen zuzugeben, dass sie den Folker das letzte Mal vor etwa zehn Jahren gesehen haben („War ein Freiexemplar, in Rudolstadt, glaube ich …“) und faktische Fragen stellen, die völlige Ahnungslosigkeit beweisen und einem Abonnenten klar wie Kloßbrühe wären. Manche Tonträger werden tatsächlich immer noch an den Folk-Michel geschickt! Das Motto lautet: „Ach, weißt du, alle zwei Monate Artikel über irgendwelche Kollegen lesen, das brauche ich nicht.“ Klar, aber wenn es um Konzerttermine geht oder zum Beispiel eine Rezension des neuen Albums, dann ist der Folker sehr gut zu gebrauchen. Es ist nämlich so: Rolling Stone oder Spex geht es in der Regel am Allerwertesten
Mike Kamp * Foto: Ingo Nordhofen vorbei, was in der Folk/Lied/Weltmusik-Szene passiert. Zu klein, zu viel Nische, zu enge Gewinnmargen. Daher erneut die klare Botschaft an alle Akteure: Der Folker ist euer Organ, nur der Folker berichtet aus eurer Szene, und wir machen das gerne, aber der Folker braucht definitiv eure Unterstützung, um das auch weiterhin machen zu können. Abonnieren, werben, Anzeigen schalten, das sind selbstverständliche Formen der Solidarität – das sollten sie zumindest sein. Das Dumme an solch leidenschaftlichen Appellen ist allerdings nur, dass sie selten die erreichen, die gemeint sind.
Für leichte Irritationen in der Redaktion sorgte die Erkenntnis, dass wir mit Lydie Auvray in Heft 1/2016 und Kimmo Pohjonen in dieser Ausgabe doch tatsächlich zwei Akkordeonisten in Folge auf dem Titel haben. Wenn dann doch wenigsten eines der Instrumente Tasten gehabt hätte … Aber mal ehrlich, wir hätten auch absolut keine Skrupel, nach einer Titelgeschichte über eine Gitarre spielende Liedermacherin einen Gitarre spielenden amerikanischen Singer/Songwriter auf dem Cover abzubilden – und das ist absolut okay. So gesehen, fängt das Jahr für die Freunde der Zieh- und Quetschmusik ausnahmsweise mal richtig gut an. Apropos Musik: Unterschiedlicher als die gepflegte Musette einer Lydie Auvray können die elektronischen Klanglandschaften eines Kimmo Pohjonen gar nicht sein. Einfach ganz andere Musik, wie so oft im Folker.
Viel Spaß bei der obligatorischen Entdeckungsreise wünscht Ihnen



Ihr Herausgeber
Mike Kamp