Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
 

Aktuelle Meldungen

Folker-Szenemeldungen als RSS-Feed abonnieren RSS-Feed






Logo Keychange
MUSIK UND DIVERSITÄT (17.04.2021)
Logo Keychange

In Zeiten von #MeToo und immer wahrnehmbarer werdendem Ungleichgewicht, was den Anteil und die Sichtbarkeit von Frauen an und in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens betrifft, muss sich auch die Musikbranche zunehmend diesem Thema stellen. Wie bereits eine umfassende Studie aus dem Jahr 2019 der Musikforscherin Vick Bain für Großbritannien feststellte, sind in den meisten Bereichen der Musikindustrie Frauen deutlich unterrepräsentiert. Bei ihrer Analyse des britischen Musikmarktes stellte sie unter anderem fest, dass in den meisten Genres in der Regel weniger als ein Drittel der von Plattenfirmen veröffentlichten Künstlerinnen und Künstler Frauen sind (in der Klassik sind es rund 30 Prozent, im Folk circa 24 Prozent, im Jazz nur etwa 10 Prozent und im Metalbereich sogar nur 6 Prozent). Von allen 219 untersuchten Labels mit Einzelacts und Bands ist gerade einmal ein Fünftel der Beteiligten weiblich. In anderen Teilen der Branche, bei Verlagsmitarbeitern oder -mitarbeiterinnen, in Führungspositionen et cetera, sieht es nicht wesentlich besser aus. Immerhin ist in den diversen Musikstudiengängen der Anteil mit 44 Prozent Frauen zu 56 Prozent Männern auf einem guten Weg. Alle Ergebnisse der Studie lassen sich (auf Englisch) hier nachlesen: https://bit.ly/328jvwY. Eine auch Deutschland einschließende wichtige Studie zur Diversität im Musikbusiness der Organisation Keychange startet gerade, die Ergebnisse sollen im September auf dem Reeperbahn Festival präsentiert werden:
https://bit.ly/3ddMTrL.
Jürgen Treyz; Foto: Claus Jahn
DADGAD BEI TREYZ (09.04.2021)
Jürgen Treyz; Foto: Claus Jahn

Jürgen Treyz ist einer der arriviertesten DADGAD-Gitarristen Deutschlands und spielt in der Irish-Folk-Band Cara und bei den Deutschfolkern von Deitsch. Nachdem er im März einen überaus erfolgreichen Webcast-Gitarrenkurs veranstaltete, hat er sich aufgrund der großen Nachfrage entschieden, eine ganze Reihe aufzulegen. Am 15. April geht’s los, von 19.00 bis 21.00 Uhr. Thema dieser Webinarreihe ist das „Backing“, also die Begleitung von Tunes aus der irisch-keltischen Folkmusik in der offenen DADGAD-Stimmung. Gedacht ist das Ganze für GitarristInnen, die schon auf mittlerem Niveau spielen und nun das DADGAD-Tuning für sich entdecken wollen. Pro Abend werden jeweils einige Tunes in einer bestimmten Tonart erarbeitet. Gezeigt werden sowohl ganz einfache Dinge wie die gängigsten Akkordvoicings, Griffe und Schlagpatterns, als auch mittelschwere Spieltechniken, die den DADGAD-Sound und -charme ausmachen. Zu jeder Webinarfolge gibt es reichlich Materialien für alle Teilnehmer: Griffbilder, Noten und Tabulaturen zu den Begleitungen, kleine Videos, in denen die Stücke langsam vorgespielt werden und Audioaufnahmen der Melodien, damit man die Begleitungen dazu üben kann. Alle Stücke werden aus dem Tunes-From-Home-Pool kommen, der derzeitigen wöchentlichen Onlinesession des Duos Walther & Treyz, sodass das Gelernte direkt angewendet und vertieft werden kann. Infos und Anmeldung unter
www.walthertreyz.com/index.php/de/shop-d/uebersicht


Banner Rudolstadt-Festival
RUDOLSTADT-FESTVIAL ABGESAGT (05.04.2021)
Banner Rudolstadt-Festival

Es ist nicht so, dass wir es nicht bereits ahnten, aber wenn es dann amtlich wird, tut’s doch weh. Spätestens seit die dritte Pandemiewelle mit steigenden Infektionszahlen und Inzidenzwerten jenseits der hundert rollt, mehrten sich Zweifel, ob das diesjährige Rudolstadt-Festival stattfinden kann. So richtig vorstellbar war diese einzigartige Großveranstaltung beeinträchtigt von Hygieneschutzmaßnahmen und begrenztem Publikum ohnehin nicht. Die FestivalorganisatorInnen zogen aufgrund der unklaren gesundheitlichen und finanziellen Risiken die einzige logische Konsequenz und sagten die Ausgabe 2021 ab. In der Presseerklärung heißt es, in den vergangenen Monaten habe man unterschiedliche Szenarien und Konzepte geprüft, um die Chance für eine Durchführung aufrechtzuerhalten. Wichtige organisatorische Entscheidungen seien, so lange es ging, verschoben worden, auch in Erwartung verbindlicher Aussagen von Bund und Ländern zu Hygienevorgaben, möglichen Öffnungsstrategien und zum rechtlichen Rahmen für kulturelle Großveranstaltungen. „Angesichts der aktuellen Lage halten die Veranstalter jedoch keines der erwogenen Konzepte für umsetzbar“, schreibt Miriam Rossius, Pressesprecherin des Festivals. „Selbst bei einer stark reduzierten Zahl an Publikum, Ensembles und Bühnen lässt sich ein Musikereignis von internationaler Ausrichtung und mit den in Rudolstadt gegebenen logistischen Strukturen nicht verlässlich planen. Bei allem Bedauern über diese Entscheidung ist das Festivalteam aber überzeugt, seiner Aufgabe und dem künstlerischen Profil am besten gerecht zu werden, wenn es sich nun auf den Sommer 2022 konzentriert. Dafür wird ein neues Programm mit aktuellen Schwerpunkten entwickelt. Das ursprünglich für 2020 geplante Line-up möchten die Veranstalter nach zwei abgesagten Festivals nicht ein weiteres Mal schieben.“ Also bedauerlicherweise erneut kein Folker-Stand in Rudolstadt, kein ausgelassenes und friedliches Miteinander der Kulturen aus aller Welt. Sehr, sehr schade ...
www.rudolstadt-festival.de.
Logo Saitensprünge 2021
SAITENSPRÜNGE ERNEUT VERSCHOBEN (30.03.2021)
Logo Saitensprünge 2021

Das geplante 21. Internationale Gitarrenfestival Saitensprünge in Bad Aibling konnte im November 2020 nicht durchgeführt werden und wurde zunächst auf März 2021 verschoben. Allein, das Virus macht auch nicht vor GitarristInnen und ihrem Publikum halt, weshalb eine Durchführung auch jetzt noch nicht möglich ist. Die Veranstalter konnten mit allen KünstlerInnen Ersatztermine im November 2021 finden. Außer den Ersatzterminen plant die AIB-KUR GmbH im November weitere Konzerte innerhalb des Gitarrenfestivals. Planungen und Gespräche laufen, die weiteren Termine sollen in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden. Der Ticketverkauf geht auf alle Fälle weiter – für alle Konzerte sind noch Karten verfügbar. Bereits gekaufte behalten ihre Gültigkeit. Weitere Infos unter
www.saitenspruenge.com


Plakat Schrammel.Klang.Festival 2021
ES SCHRAMMELT WIEDER TROTZ CORONA (27.03.2021)
Plakat Schrammel.Klang.Festival 2021

Optimistische Töne aus dem pandemiegebeutelten Österreich. Gilt es doch, im Juli 2021 die fünfzehnte Ausgabe des Schrammel.Klang.Festivals zu feiern. Ein kleines Jubiläum. Unter welchen Regeln auch immer im Sommer veranstaltet werden darf, dass in Litschau musiziert werden wird, darauf baut Festivalgründer Zeno Stanek in jedem Fall. Unter dem Motto „Weniger ist mehr“, hat er einige Erfahrungen aus dem vergangenen Corona-Sommer mitgenommen und das Festival neu strukturiert. Es findet erstmals an zwei Wochenenden statt, vom 9. bis 11. Juli und vom 16. bis 18. Juli 2021. Die Besucherinnen und Besucher erleben an jedem der Wochenenden das gewohnte Schrammel.Klang-Programm mit den vielfältigen Matineen, dem Schrammel.Pfad rund um den Herrensee und den stimmungsvollen Abendkonzerten im Herrenseetheater. Die Anzahl der aufgelegten Karten wird pro Tag auf weniger als die Hälfte reduziert. Die einzelnen Abendkonzerte werden verlängert und am Schrammel.Pfad werden wie bisher neun Bühnen bespielt. Mit deutlich weniger Dichte bei den einzelnen Schauplätzen ist zu rechnen. Details zum Programm unter
www.schrammelklang.at
Logo Klangvokal Musikfestival Dortmund
VOKALMUSIKFESTIVAL IN DORTMUND (24.03.2021)
Logo Klangvokal Musikfestival Dortmund

Und es gibt sie doch noch, die optimistischen Veranstalter. So schaut etwa das Klangvokal Musikfestival Dortmund positiv gestimmt in die Zukunft. Am 30. Mai plant man den Festivalstart in ein ganzes Jahr voller erlesener Konzerte der Vokalmusik vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Charismatische Gesangsstars aus aller Welt feiern die Kraft und Stärke der menschlichen Stimme bei insgesamt 25 Veranstaltungen, davon vierzehn im Festivalzeitraum vom 30. Mai bis 3. Oktober 2021 und elf in der Saison von Oktober 2021 bis April 2022 – so wollen es zumindest die Organisatoren. Neben von 2020 auf 2021 verschobenen Veranstaltungen stehen viele neue Konzertpreziosen auf dem Programm. Sie sind zunächst für Spielstätten konzipiert, die eine stark reduzierte Platzkapazität und effiziente Hygienekonzepte aufweisen. Leitthema und Fokus sollen die Gefühlswelten und die Psyche des Menschen sein, die es zu schützen und zu stärken gilt. Auch aus dem Folkerversum nehmen Künstlerinnen und Künstler teil. So setzen die mehrfache Grammy-Preisträgerin Angélique Kidjo (erstmals in Deutschland mit Sinfonieorchester), Lisa Simone, die Band Masaa und Awa Ly (siehe auch hier) sowie in der zweiten Jahreshälfte der „Singer of Tales“ Damir Imamović (siehe auch hier), Viviane de Farias und Arianna Savall starke Akzente. Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata gastieren im Rahmen von Klangvokal im Konzerthaus Dortmund. Zudem sind die Veranstalter zuversichtlich, im Juni das Fest der Chöre erstmals im Westfalenpark Dortmund feiern zu können und mit Det Norske Solistkor einen der besten Chöre Skandinaviens im Konzerthaus zu begrüßen. Der Vorverkauf an allen bekannten VVK-Stellen und im Internet ist gestartet. Infos zu Programm, Tickets, Vergünstigungen und Abonnements finden sich unter
www.klangvokal.de


Logos Folk Baltika und Folk Frühling
VOM FRÜHLING IN DEN SPÄTSOMMER (21.03.2021)
Logos Folk Baltika und Folk Frühling

Nicht alle Maifestivals bauen auf eine Wiederaufnahme erst im kommenden Jahr. Manche bleiben optimistisch und verlegen ihre diesjährigen Ausgaben vom Frühjahr in den September – Altweibersommer statt Muttertag. So etwa der Venner Folk Frühling, dessen Team hofft, die Veranstaltung am Wochenende vom 18. und 19.9.2021 abhalten zu können. Dann auch mit dem Finale und der Preisverleihung der zweiten Ausgabe des Dieter-Wasilke-Folk-Förderpreises.
Auch die Kolleginnen und Kollegen aus Flensburg und Süddänemark von folkBALTICA setzen auf das Prinzip Hoffnung und planen für den Zeitraum vom 2. bis 12.9.2021. Trotz der Pandemie kann das Festival weiter auf die Unterstützung von Förderern, Sponsoren und Spendern setzen. Der Fokus des Programms soll auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze liegen – für den 3. Mai sind Details angekündigt. Alle Infos finden sich unter www.folkfruehling.de sowie unter www.folkbaltica.de.

Logo WDR 3
WIEDER EIGENER SENDEPLATZ FÜR WELTMUSIK (18.03.2021)
Logo WDR 3

Alle, die in Nordrhein-Westfalen gern Song, Folk und Globales im guten alten Radio hören, können sich freuen. Seit dem 10. März räumt WDR 3 diesen Genres wieder einen eigenen Platz ein. Jeden Montag und Mittwoch von 23.00 bis 24.00 Uhr laufen in der Sendung Jazz & World aktuelle Veröffentlichungen und Hinweise zu regionalen und internationalen Ereignissen aus dem Bereich, der jahrelang bei WDR 3 unter dem Begriff „Musikkulturen“ geführt wurde. Nach einer Reform startet die Sendung wochentags nach wie vor täglich um 22.00 Uhr mit Jazz, legt in der zweiten Stunde aber jeweils seinen Schwerpunkt auf eine andere Musikrichtung. Dass „World Music“ an zwei Tagen der Woche jeweils eine eigene Stunde bekommt, ist als positive Entwicklung zu betrachten, nachdem ihr Anteil bei WDR 3 zuletzt verschwindend gering war und nie gewiss – ohne Blick auf die Website –, wann oder ob überhaupt zwischen vielen Jazztiteln etwas aus dem Bereich „World“ zu hören sein würde. Wer die Livesendung verpasst, kann sie nach Ausstrahlung noch sieben Tage unter www.wdr3.de in der Rubrik „Jazz & World“ nachhören (Direktlink: https://bit.ly/3syUruf). Viele Klicks und Resonanz zur Musik zählen als Bestärkung, dass diese Musikrichtung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk unbedingt weiter Bestand haben sollte.



Banner Tage der Kommune
ES IST WIEDER MÄRZ GEWORDEN (16.03.2021)
Banner Tage der Kommune

Und es ist ein ganz besonderer März. Historisch und musikalisch. Historisch, da sich der kurze Frühling der Pariser Kommune zum 150. Mal jährt, und musikalisch sowie theatralisch und wissenschaftlich, weil der Bremer Liedermacher Michael Zachcial (Die Grenzgänger) ein „so noch nie dagewesenes Chanson-Geschichten-Spektakel“ organisiert. Pandemiebedingt zwar „nur“ online, allerdings mit der geballten kreativen Kraft einer Vielzahl von Musikerinnen und Musikern sowie KollegInnen aus Musik, Theater und Wissenschaft in Zusammenarbeit mit dem IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel. In dem kurzen Frühling der Pariser Kommune vom 18. März bis 28. Mai 1871 ging es „zum ersten Mal um die Dinge, um die heute in aller Welt gerungen wird“: In der damaligen Zwei-Millionen-Metropole Paris, mit Weltausstellung und prunkvollen Opernhäusern, wählte die hungernde Pariser Bevölkerung mitten im Krieg einen „Rat der Kommunarden“ und begann mit dem Aufbau einer antikapitalistischen, solidarischen und basisdemokratischen Gesellschaft. Die vereinten preußischen und kaiserlich-französischen Heere waren nötig, um den „Aufstand“ niederzuschlagen. Um dem zu gedenken, wird es ab dem 18. März 2021 täglich eines von insgesamt 72 Videos zu sehen geben, mit einem Lied, einem Porträt oder einer Geschichte zu den Ereignissen in jenem Frühjahr vor 150 Jahren. Im Mai erscheint dann das Doppelalbum Die Lieder der Commune, das ab sofort über die Website www.tage-der-kommune.de vorbestellt werden kann. Die ganze Aktion finanziert sich über den CD-Verkauf und Spenden.
Zachcial hat es dabei geschafft, eine illustre Riege von Mitwirkenden zu gewinnen. Die Musik kommt unter anderem von den Grenzgängern, Daniel Kahn, Manfred Maurenbrecher, der Microphone Mafia, Andrea Pancur & Anja Günther, Jakob Heymann & Cynthia Nickschas, Klaus dem Geiger, Dominik Plangger, Suli Puschban, den Schmetterlingen, Jens-Paul Wollenberg & Co., Johanna Zeul, Bernd Köhler & Blandine Bonjour, Mannijo, den Sons of Gastarbeita, dem 1. Bremer Ukulelen-Orchester, Günter Gall, Andrea Türk. Wissenschaftlich begleitet wird das Spektakel von Antje Schrupp (Politikwissenschaftlerin und Journalistin), Klaus Gietinger (Filmemacher und Sozialwissenschaftler), Jutta Ditfurth (Sozialwissenschaftlerin und Autorin), Florian Grams (Historiker), Bini Adamczak (Autorin), Michael Fischer (Historiker und Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik Freiburg), Christopher Wimmer (Journalist) und dem Geschichtsschwerpunkt der IG Metall Hattingen. Aus der Sparte Theater sind unter anderem die Neue Bühne Beverstedt, Julia Raab und Rainer C. Herzmann mit von der Partie. Alle weiteren Infos finden sich auf der Website.
www.tage-der-kommune.de
Cover Sarg die Wahrheit
NEUES VON DEN FOLKER-MENSCHEN (01.03.2021)
Cover Sarg die Wahrheit

Zwei auf einen Streich, könnte man hier sagen, denn gleich zwei Folker-Menschen sind an dem im Folgenden vorgestellten Buch beteiligt. Sarg die Wahrheit! heißt das Werk, in dem Kai Engelke in bewährter Manier 27 Kurzgeschichten veröffentlicht, gewürzt mit viel schwarzem Humor und teilweise umrahmt von in den Texten erwähnten regionalen Kochrezepten. Engelkes Krimikurzgeschichten werden oft mit den Adjektiven „makaber“ oder „skurril“ beschrieben. Stimmt genau, und dadurch heben sie sich deutlich von Standardkriminalgeschichten ab. Spannender und vergnüglicher ist, dass hier nicht ein Mord am Anfang steht und es anschließend darum geht, wie oder mit welcher Raffinesse der Fall aufgelöst wird. Engelke geht es vielmehr darum, warum ein Mord geschieht. Die rabenschwarzen Geschichten beginnen deshalb nicht mit einem Exitus, sie enden damit. Und dass die viel zitierte Würze tatsächlich in der Kürze liegt, beweist der Autor zum Beispiel mit der nicht einmal drei Seiten langen Geschichte „Aus der Klaus!“ – kurz und trocken erzählt, aber definitiv witzig und makaber endend. Nicht alle Storys enden tödlich, es gibt auch einige, die sich mit merkwürdigen Geschehnissen beschäftigen („Sonja“, „Das Schwere leicht nehmen“) oder einfach nur philosophieren. Kongenial illustriert ist das Buch – und damit kommen wir zum zweiten Folker-Menschen – von Jürgen B. Wolff, Musiker (Folkländer, Duo Sonnenschirm) und Grafiker (u. a. seit den Neunzigern Haus- und Hofgrafiker des Rudolstadt-Festivals). Er hat nicht nur die Zeichnungen zu den Geschichten beigetragen, sondern auch den Umschlag gestaltet: Darauf der halboffene Sarg eines Untoten mit Megafon, dazu drei Träger mit Mundschutz. Und als Schlusszeichnung nach den Geschichten sowie auf der Coverrückseite ein Sarg von der kurzen Seite betrachtet, zwei brennende Kerzen obendrauf und eine Lücke zwischen Sarg und Sargdeckel mit Zähnen. Ein dem Tod entgegengrinsendes Sarggesicht! Das wunderbar schauerliche Buch ist eine echte Abwechslung zu üblichen Krimis und sei allen, die schwarzen Humor mögen, wärmstens empfohlen. Zu bekommen ist es als Taschenbuch oder ePub im Buchhandel, bei www.bod.de oder beim Autor selbst natürlich (engelke.ulrikeundkai@t-online.de). Es lohnt sich!

Doris Joosten

www.kaiengelke.de


Banner Mittelalternativ
LASST MARKTSCHWEINE DUDELN UND RADLEIERN RÄDERN (25.02.2021)
Banner Mittelalternativ

Für alle mittelalteraffinen Musikerinnen und Musiker startet am 29. März eine weitere Mittelalternativ.de-Challenge. Nachdem der erste Durchgang im Oktober und November 2020 so erfolgreich war, soll der Wettbewerb nun jährlich stattfinden, und zwar in Zukunft immer um den April herum. Die gestellte Herausforderung besteht darin, innerhalb eines Monats ein Musikstück aufzunehmen und zu veröffentlichen. Dabei soll eine vorgegebene Melodie benutzt und „szenetypisch“ bearbeitet werden. Dies ist zugegebenermaßen ein vager Begriff. Gemeint ist, was gemeinhin als „Mittelalter“, „Mittelaltermarkt“, „Folklore“, „Folk“ etc. bezeichnet wird. Am Ende soll die Öffentlichkeit darüber abstimmen, welches Stück sie am besten fand. Die vorgegebene Melodie darf übrigens auch darüber hinaus benutzt und bei Gefallen live gespielt oder aufgenommen sowie verkauft werden. Sie ist damit gemeinfrei, das heißt, es besteht kein Urheberrechtsschutz. Wer einen Eindruck davon erhalten möchte, wie das Ganze sich darstellt, kann sich die Ergebnisse aus dem letzten Jahr unter folgendem Link ansehen und -hören:
www.mittelalternativ.de/2020-10-challenge-vote
Banner Tunes From Home
SESSION FÜR ALLE (20.02.2021)
Banner Tunes From Home

Was will man machen, wenn man von der Pandemie so brutal ausgebremst wird wie viele Berufsmusiker, aber auch zigtausende Hobbymusikanten? Diese Frage stellten sich Gudrun Walther und Jürgen Treyz, die mit ihrer überaus erfolgreichen Irish-Folk-Band Cara ansonsten Hunderte Konzerte im Jahr spielen. 2020 fielen die meisten Termine flach, und eine geplante Tournee mit ihrem zweiten musikalischen Standbein, der auf traditionelle deutsche Musik spezialisierten Band Deitsch, konnte ebenfalls nicht stattfinden. Was also tun? „Wir alle vermissen derzeit neben der Möglichkeit, Konzerte zu geben und zu besuchen, das soziale Miteinander beim gemeinsamen Musikmachen“, sagt Walter. „Durch die Lockdown-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen (die wir übrigens für absolut richtig und notwendig halten) sind Sessions derzeit weder in Kneipen noch im privaten Rahmen möglich. Und ein Ende dieser Situation ist leider nicht abzusehen. Darum haben wir mit ‚Tunes From Home‘ eine regelmäßige Session im Wochentakt, immer montags um 20.00 Uhr, ins Leben gerufen.“ Das Konzept ist simpel. Die beiden Musiker spielen zu Hause traditionelle Folkmusik vor allem irischer, aber auch schon mal deutscher Provenienz, derzeit nur zu zweit, doch sobald es die Bestimmungen erlauben, auch mit Gästen. In einer Zoom-Konferenz kann man aus dem eigenen Heim mitspielen, mittanzen oder zuhören. Man meldet sich jeweils bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, an, indem man der Band via Paypal-Link „ein Pint ausgibt, einen Betrag nach Ermessen. Im Gegenzug gibt es die Noten der Stücke und einen Einladungslink zur Zoomkonferenz“. Alternativ gibt es im Webshop der Musiker einen Monatspass zu kaufen. Die nächste Ausgabe der Tunes From Home findet kommenden Montag, den 22.2.2021, um 20.00 Uhr statt. Alles, was man sonst noch wissen muss, findet sich auf
www.walthertreyz.com/index.php/de/projekte-deu/tunes-from-home
www.facebook.com/walthertreyz


Logo Preis der deutschen Schallplattenkritik
ERSTE BESTENLISTE 2021 (18.02.2021)
Logo Preis der deutschen Schallplattenkritik

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik hat seine erste Vierteljahresbestenliste 2021 veröffentlicht. Aus Folker-Sicht interessant sind diesmal folgende Auszeichnungen: für die Band Ayom und ihr gleichnamiges Album mit einem vielseitigen Brasilien-Kapverden-Mittelmeer-Mix; für den Sampler Terra Incognita: Tuva samt DVD-Dokumentation; für das neue Album Grüße aus der Flut von Max Prosa; für das folkloristische No Summer der kalifornischen Singer/Songwriterin Cinder Well; sowie für Blueser Kai Strauss und sein neues Werk In My Prime. Alle Infos finden sich unter
www.schallplattenkritik.de/bestenlisten/2021/01
Richard Weize; Foto: Promo
GROSSE EHREN FÜR DEN CHEF DER BÄREN (07.02.2021)
Richard Weize; Foto: Promo

In diesen für die Kultur nicht gerade entzückenden Zeiten gibt es endlich mal eine gute Nachricht. Auszeichnungen hat er ja bereits satt bekommen, seine Veröffentlichungen wurden mehrfach für einen Grammy nominiert und mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 2009 erhielt er einen Echo in der Kategorie „Besondere Verdienste um die Musik“ und 2014 den Preis der Blues Music Awards für das „Historical Album of the Year“. Nun hat er das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen, und wer hätte diese höchste Auszeichnung, die unser Land vergeben kann, mehr verdient als Richard Weize, Gründer und bis 2015 vierzig Jahre lang Chef des international renommierten Plattenlabels Bear Family Records, bekannt für exquisit recherchierte und ausgestattete Boxsets mit Veröffentlichungen aus den Genres Country Music, deutscher Schlager der Fünfziger- und Sechzigerjahre, Rockabilly, Rock ’n’ Roll, Rhythm and Blues, Jazz und Neue Deutsche Welle. Der Folker gratuliert aufs Herzlichste. Mehr Informationen auf bear-family.de und auf Richard Weizes neuer Internetpräsenz andmorebears.com, auf der er Teile seines umfangreichen Privatarchivs zugänglich macht.



Andrina Bollinger, Gewinnerin der Freiburger Leiter, Sparte Musik; Foto: Sonja Berta
RÜCKBLICK KULTURBÖRSE UND FREIBURGER LEITER (28.01.2021)
Andrina Bollinger, Gewinnerin der Freiburger Leiter, Sparte Musik; Foto: Sonja Berta

Nun ist sie Geschichte, die erste digitale Ausgabe der Internationalen Kulturbörse Freiburg (IKF), die am 20.1. zu Ende ging. Und die VeranstalterInnen blicken zufrieden auf ein Ereignis, das ganz auf Austausch und Präsentation ausgerichtet war. Die Kontaktaufnahme registrierter Teilnehmender untereinander und die Meetings mit Ausstellenden im Videochat fanden großen Zuspruch. Auch das Angebot der auf den Aussteller- und Künstlerdetailseiten veröffentlichten Videos wurde rege genutzt. Ein weiterer großer Erfolg war laut Pressemitteilung das an aktuellen Themen ausgerichtete Seminar- und Vortragsprogramm, bei dem deutlich geworden sei, wie wichtig es gerade jetzt ist, miteinander im Gespräch zu sein und sich Impulse für die tägliche Arbeit zu holen. Immer wieder sei thematisiert worden, was man aus aktuellen Zwangspause für die zukünftige Arbeit lernen und wie man trotz allem gestaltungsfähig bleiben kann. Wer es bis jetzt nicht geschafft hat, sich alle Angebote anzuschauen, hat dafür sogar noch eine Weile Zeit – für Registrierte ist der Zugang zu den Videos und Ausstellendeninfos sowie zum Teilnehmendenverzeichnis noch mehrere Wochen offen. Neben dem Messeprogramm gab es auch in diesem Jahr wieder die Verleihung der Freiburger Leiter, die genau wie ihre Stimmvergabe zum ersten Mal online erfolgte. Die diesjährige Gewinnerin im Bereich Musik passt zwar nicht so ganz ins Folker-Spektrum, soll aber hier dennoch gewürdigt werden: Der Preis ging an die Schweizer Sängerin, Performerin, Multiinstrumentalistin und Komponistin Andrina Bollinger. Gratulation! Die 34. IKF findet vom 23. bis 26.1.2022 statt. Dann, so Corona will, wieder live vor Ort auf dem Messegelände in Freiburg.
www.kulturboerse.de
Volksliedarchiv digital; Foto: Michael Fischer
DEUTSCHES VOLKSLIEDARCHIV DIGITAL (24.01.2021)
Volksliedarchiv digital; Foto: Michael Fischer

In den wilden Siebziger- und Achtzigerjahren gehörte es unter Musikern, die im aufblühenden sogenannten Deutschfolkgenre unterwegs waren, zum guten Ton, sich tagelang im (1914 gegründeten) Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau einzuschließen und auf die Jagd nach verwertbarem, wiederbelebbarem deutschsprachigem Volksliedgut (demokratischen Charakters) zu machen. Seit 2014 ist das DVA Bestandteil des Zentrums für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) und hat nunmehr ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt abgeschlossen. Fast 200.000 Liedbelege aus dem Bestand des Deutschen Volksliedarchivs sind über den Publikationsserver der Universitätsbibliothek Freiburg, FreiDok plus, abrufbar. „Einerseits ging es uns darum, diesen einzigartigen Schatz durch eine Verfilmung zu sichern, andererseits wollen wir diese Belege der Wissenschaft und der Öffentlichkeit online zur Verfügung stellen“, erklärt Dr. Dr. Michael Fischer, der Geschäftsführende Direktor des ZPKM. Die A-Nummer 1 stellt eine Variante des Liedes „Die Gedanken sind frei“ aus dem hessischen Ort Alsheim dar. Obwohl diese Zuordnung zur ersten Belegnummer eher zufällig war, hat es das Deutsche Volksliedarchiv als seine Verpflichtung angesehen, in Wissenschaft und Praxis insbesondere die Lieder freiheitlich-demokratischer Traditionen in den Vordergrund zu rücken. Das ZPKM wird im Laufe des Jahres 2021 gleichfalls seine Sammlungen zur Arbeiterliedkultur online zur Verfügung stellen.
freidok.uni-freiburg.de/data/150373


Thomas Waldherr * Foto: Andrea Goldschmidt
NEUES VON DEN FOLKER-MENSCHEN (18.01.2021)
Thomas Waldherr * Foto: Andrea Goldschmidt

Ihn bremst so schnell keine Pandemie. Nach Rückschlägen nicht nur durch Corona, sondern auch durch die Trennung vom Veranstaltungsort Pädagog in Darmstadt (der Folker berichtete) hat sich der Musikjournalist, Folker-Autor, Musikveranstalter und Dozent Thomas Waldherr für 2021 einiges vorgenommen. Zunächst einmal setzt er seine Americana-Konzertreihe unter dem neuen Titel „Thomas Waldherr präsentiert Americana“ fort – ab dem Frühjahr mit zunächst vier geplanten Konzerten in der Bessunger Knabenschule, unter anderem mit Menna Mulugeta und SONiA disappear fear. Am selben Ort ist der Dylan-Experte im Mai mit seiner Serie – gemeinsam mit der Bessunger Knabenschule und dem Asta der Hochschule Darmstadt – Kooperationspartner einer großen Veranstaltung der Volkshochschule Darmstadt zum achtzigsten Geburtstag des Singer/Songwriters und Nobelpreisträgers. Es stehen Vorträge von ihm selbst und von Klaus Walter sowie viel Dylan-Livemusik mit KünstlerInnen aus der Region auf dem Programm (Anmeldungen sind bereits möglich unter www.darmstadt.de/vhs, Rubrik „Kultur/Musik“). Weitere geplante Aktivitäten rund um Bob Dylans Geburtstag beinhalten zwei Seminare für die VHS Frankfurt, einen Dylan-Podcast mit Christoph Borries auf www.7tage1song.de und weitere Vortragsformate. Zusammen mit einem Kooperationspartner denkt er auch über einen Dylan-Bühnenabend mit Lesungen, Spielszenen und Livemusik nach. Noch vor dem Geburtstag des Künstlers am 24. Mai soll dann ein Buch mit dem Titel Bob Dylan & Black America erscheinen. Neben all diesen Tätigkeiten schreibt Waldherr nicht nur für den Folker, sondern auch für das Onlinemagazin www.country.de und unterhält mit www.cowboyband.blog eine eigene Plattform für Texte zu Bob Dylan und Americana – resultierend aus seiner Tätigkeit als Referent bei Seminaren der außerschulischen politischen Bildung. Unter dem Obertitel „Musik und Politik“ lehrt der Amerika-Kenner in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte im schleswig-holsteinischen Malente und an der Fridtjof-Nansen-Akademie im rheinhessischen Ingelheim zu den gesellschaftlichen Hintergründen von Folk, Country und Americana in den USA.

Banner IKF 2021
IKF.DIGITAL (15.01.2021)
Banner IKF 2021

In wenigen Tagen beginnt die erste Ausgabe der Internationale Kulturbörse Freiburg, die IKF.digital. Die Fachmesse ist die ideale Plattform, auf der sich Kulturschaffende austauschen und vernetzen, miteinander ins Gespräch kommen und sich Anregungen für ihre tägliche Arbeit vor Ort holen können. Dies gerade auch im Hinblick auf die Erfordernisse, die die Pandemie und deren Auswirkungen an alle stellt. Die digitale Version kann und möchte eine IKF live vor Ort nicht ersetzen, „es ist jedoch unser Ansinnen“, so FWTM-Geschäftsführer Daniel Strowitzki, „Präsenz zu zeigen und keine Zweifel daran zu lassen, dass Kulturschaffende auch in Zeiten der Pandemie aktiv und ideenreich sind.“ Über 150 Aussteller informieren über Trends der Kulturbranche und KünstlerInnen, die bei der 33. IKF live vor Ort für einen Kurzauftritt ausgewählt wurden, haben die Gelegenheit, Videos ihrer Produktionen zu präsentieren. Zudem kommt dem Seminar- und Vortragsprogramm eine große Bedeutung zu. „Hier können unsere Besucher ... Anregungen, Best-Practice-Beispiele und Impulse für ihre Arbeit vor Ort erhalten“, so Projektleiterin Susanne Göhner. Es werden Fragen gestellt wie: Wie hat die innerhalb kürzester Zeit erfolgte „Virtualisierung“ die Branche verändert? Wie ist es mit dem Vertragsrecht in Coronazeiten? Welche Formate haben KünstlerInnen, VeranstalterInnen und Agenturen entwickelt, um mit ihrem Publikum in Kontakt bleiben zu können? Alle Infos und Details finden sich unter
www.kulturboerse.de


Banner Celtic Connections 2021
CELTIC CONNECTIONS GOES ONLINE – WOHIN SONST? (12.01.2021)
Banner Celtic Connections 2021

Wir sind immer noch mitten in der ebenso ärgerlichen wie gefährlichen Pandemie. Da war es schon seit geraumer Zeit klar, dass die Celtic Connections in Glasgow, die letztes Jahr noch ziemlich bequem dem Virus entkommen waren, 2021 auf die körperlose Version ausweichen müssen. Der ganze Onlinespaß findet vom 15. Januar bis 2. Februar statt, neunzehn Tage mit über dreißig Streamingkonzerten. Zum Festivalstart präsentieren sich zwölf von Schottlands Topkünstlerinnen und -künstlern über neunzig Minuten lang in diversen Konzertsälen überall in Glasgow. Und so geht es weiter – viel Schottland, aber auch internationale Acts wie José González oder Rhiannon Giddens. Ebenfalls spannend sind die schon traditionellen Transatlantic Sessions am 29. Januar und am selben Datum das QuebecFest mit Le Vent du Nord, De Temps Antan und Gross Isle – manchmal gibt es auch zwei Konzerte an einem Abend. Der Festivalpass kostet preiswerte 40 Pfund, aber es können auch einzelne Konzerte gebucht werden zu Preisen zwischen 2 und 10 Pfund. Alle Informationen und alle Tickets gibt es via
www.celticconnections.com
Joan Baez; Foto: Jtgphoto, Wikipedia
JOAN BAEZ ACHTZIG (08.01.2021)
Joan Baez; Foto: Jtgphoto, Wikipedia

2019 verabschiedete sie sich vom Tourleben und wurde im vergangenen Jahr vom Woody Guthrie Center in Tulsa, Oklahoma, für ihr Lebenswerk mit dem Woody Guthrie Prize ausgezeichnet. Morgen, am Samstag, dem 9. Januar, wird sie achtzig Jahre alt. Die Rede ist von Joan Baez. Keine andere Künstlerin verkörpert die Verbindung von Musik und Protest so glaubwürdig wie sie. Sie ist eine Ikone des politischen Liedes und die Stimme und das Gewissen ihrer Generation. 1959 wird sie in den USA beim Newport Folk Festival erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Sie steigt zu einer der wichtigsten Künstlerinnen des Folkrevivals und zur Leitfigur der Folk- und Protestbewegung der amerikanischen Jugend in den Sechzigern auf. Sie marschiert mit der Bürgerrechtsbewegung an der Seite Martin Luther Kings, unterstützt die Kriegsdienstverweigerer während des Vietnamkrieges und scheut sich auch nicht, die Schauplätze der schlimmsten Kriegshandlungen zu besuchen, um dort Solidarität zu beweisen und mit ihren Friedensliedern Hoffnung und Mut zu spenden. Ob in Hanoi im schweren Bombenhagel 1972 oder in Sarajevo 1993. Unermüdlich geht sie über die Jahrzehnte auf Tournee und erspielt sich auch in Deutschland ein treues Publikum, das es goutiert, wenn sie bei Auftritten hierzulande immer wieder deutschsprachige Lieder einstreut – bevorzugt Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“. Daneben interpretiert sie bekannte Folksongs, politische Lieder und Gospels. Denn sie ist in erster Linie Interpretin, keine Songwriterin. Das bekennt sie auch gerne selbst, und landet doch im Frühjahr 2017 mit ihrem Anti-Trump-Spottlied „Nasty Man“ einen Hit im Internet. Als Trump abgewählt wird, sieht man sie in einem Internetvideo vor Freude tanzen. Sie bleibt die große Dame des anderen Amerika. Der Folker gratuliert der großen Sängerin und politischen Aktivistin: Happy Birthday, Joan Baez!

Thomas Waldherr

Die Folker-Titelstory anlässlich Joan Baez’ Bühnenabschied und letztem Album Whistle Down The Wind findet sich hier.