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Lieder aus neun Jahrhunderten in 24 Minuten

Bube Dame König

Sang-und-Klang-Onlinefestival, 11.7.2020



Text: Michael A. Schmiedel

Ein Konzert ohne sichtbares Publikum, daheim im Hallenser Wohnzimmer gespielt, war für Juliane Weinelt, Till Uhlmann und Jan Oelmann, die seit 2013 als Bube Dame König miteinander musizieren, in dieser Form ein Novum. Das Sang-und-Klang-Festival bot diese Möglichkeit, die aufgrund der bestehenden Anti-Corona-Maßnahmen zugleich eine Notwendigkeit darstellte. So saßen die drei brav in einem hellen Raum, links Jan Oelmann mit Gitarre, in der Mitte Juliane Weinelt, zunächst ohne Instrument, und rechts auf einem Sofa Till Uhlmann mit Drehleier. Es hatte etwas von einem Liederabend zur Zeit der Romantik oder des Biedermeier, hätten nicht die Mikrofone verraten, dass da Aufnahmetechnik im Spiel war.

Während in unserem elektronischen Zeitalter oft schon ein dreißig Jahre altes Lied als Oldie gilt, begann dieses Konzert mit „Wenn alle Brünnlein fließen“ aus dem sechzehnten Jahrhundert. Und es klang nicht, als sei es tatsächlich so alt, auch wenn eine Drehleier im Spiel war. Juliane Weinelt sang das Volkslied mit einer leisen, hohen, sehr zarten Stimme, Jan Oelmann begleitete sie sacht auf der Gitarre, und auch Till Uhlmann bediente sein Instrument eher zurückhaltend.

Alle drei Musiker sind schon durch mehrere Musikkulturen gewandert, Weinelt und Oelmann durch den Irish Folk mit der Band Dizzy Spell und durch Mittelalter-Folkpop mit der Band Brandan, Oelmann zudem in Kanada und Spanien durch die dortigen Folkmusikstile und Uhlmann mit den Bands ULMAN, Dissidenten, Cäsar oder Bannkreis durch die moderne, frankophile, orientalische und mittelalterliche Bordunmusik. Das alles floss zumindest ein wenig in dieses kurze Konzertchen ein. So, wenn sie bei „Kein schöner Land“ in jeder Strophe die Melodie um einen kleinen Ton veränderten oder in „Dat du min Leevsten büst“ das ansonsten standarddeutsche Repertoire um Plattdeutsch erweiterten. Wenn sie in „Das Trauervögelein“ der irischen Melodie des Liedes „The Bonny Light Horseman“ einen neuen, deutschen, nicht weniger melancholischen Text gaben oder mit „Wer hat die schönsten Schäfchen“ ein Wiegenlied sangen. Und wenn sie das Alter des Openers mit dem auf ein Gedicht von Neidhart von Reuental aus dem dreizehnten Jahrhundert zurückgehenden „Nun will der Lenz uns grüßen“ noch toppten – wobei Weinelts Querflöte diesem Lied auch wieder moderne Töne beibrachte.

Auf Liedstrophen folgten immer wieder meist leise, aber auch mal rhythmische Zwischenspiele auf den Instrumenten, so wie man es vom Irish Folk her kennt. Insgesamt war es eine feine Stubenmusik mit alten Wurzeln, kreativ und modern bearbeitet, ohne dass eine unharmonische Bruchlinie entstanden wäre. So kann Volksmusik leben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Auch online.

Hier geht's zum Artikel über das Sang und Klang Festival.