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»Das Zusammenspiel von Musikern hat ein höheres Gewicht als die Perfektion.«
Duo Bottasso * Foto: Doris Joosten

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Aktuelles Album:


Biserta E Altre Storie
(mit Simone Sims Longo; Eigenverlag, 2019)



Cover Biserta E Altre Storie



Duo Bottasso

Weltmusik mit piemontesischen Wurzeln

Aus dem okzitanischsprachigen Teil der norditalienischen Region Piemont, genauer aus Boves in der Nähe von Cueno stammen die Brüder Nicolò und Simone Bottasso. Sie schöpfen ihre selbst komponierte Musik aus der reichhaltigen Tradition ihrer Heimat, die aufgrund ihrer geografischen Lage seit jeher Schmelztiegel verschiedenster kultureller Einflüsse ist. In der vielfältigen heimischen Musikszene treffen traditionelle Monferrinas auf französische Bourrées, Klassik auf Jazz, Cantautori auf Popmusik.

Text: Ulrich Joosten

Zart verspielte Melodien schweben über mächtigen, tremolierenden Bässen des diatonischen Akkordeons und verschmelzen mit Geigen- oder Trompetenklängen zu einem betörenden Gesamtsound. Die Bottasso-Brüder lassen mit erstaunlicher Bühnenpräsenz das Publikum an der Leidenschaft und Emotionalität ihrer Musik mit allen Sinnen teilhaben. Simone, der Ältere, ist Jahrgang 1987 und spielt bereits Akkordeon, als der jüngere, Nicolò, 1994 geboren wird. Mit sechs Jahren findet er auf dem Dachboden zwei verstaubte Kisten, in einer ist die bejahrte Schreibmaschine seiner Mutter, in der anderen eine Handharmonika. „Ich habe einige Zeit mit beiden gespielt, dann aber beschlossen, Musiker statt Schriftsteller zu werden. Die Klänge des Akkordeons haben mich eher begeistert.“
„Unsere Mama“, sagt Simone, „hat gern an Festin teilgenommen, der piemontesischen Entsprechung des bretonischen Fest-noz, wo die Leute Volkstänze wie Curenta und Balet spielen und dazu getanzt wird. Mit zehn Jahren spielte ich in Folkbands zum Tanz auf.“ – „Bei uns zu Hause ist traditionelle Musik weitverbreitet,“ ergänzt Nicolò. „Vor allem in den Tälern um Cuneo ist sie allgegenwärtig. Meine frühen Einflüsse waren Volksmusik, Progressive Rock und Jazz. Für Simone war es aufgrund seiner Entscheidung, diatonisches Akkordeon zu spielen, ganz normal, sich für Volkstanzmusik zu interessieren. Für mich war es eine Folge dessen, was ich zu Hause hörte. Ich wollte immer Geige oder Trompete lernen. Leider gab es daheim nur Akkordeons, und meine Eltern schlugen mir vor, auch darauf zu spielen. Glücklicherweise hatten sie ein Einsehen und kauften mir eine Violine. Ich lernte ernsthaft und supermotiviert!“
Dass dieses Instrument bei seinem Vornamen ohnehin quasi zwangsverpflichtend ist, weist Nicolò von sich: „Ich mag Paganinis Musik nicht wirklich. Sie war im Studium aufgrund ihrer Komplexität eine Herausforderung, aber in emotionaler Hinsicht haben sich die Anstrengungen nicht so sehr ausgezahlt wie bei Bach, Ysaÿe, Ravel oder Khatschaturjan.“

... mehr im Heft.