Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen


Suche
    Intern     Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Les Poules à Colin

SHORTstory


Weitere Artikel aus der Rubrik SHORTstory in dieser Ausgabe:

47Soul

Aca Seca Trio

Lüül

Dàimh





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.







Aktuelles Album:


Morose
(Steeplejack Music, 2018)



Cover Morose


Les Poules à Colin

Colins Hühner im Anflug

Es war einmal ein süßes kleines Hühnchen, das leider zur falschen Zeit am falschen Ort war und somit in einer ausgesprochen delikaten Suppe landete. Die Suppe war so fantastisch, dass die ganze Stadt vorbeikam, um zumindest einen Löffel davon zu ergattern. Das Hühnchen muss wirklich ein ganz spezielles gewesen sein. Nicht nur entstand in der kanadischen Provinz Québec ein Lied darüber, 2009 entschieden zudem vier junge Musikerinnen und ein Saitenzauberer namens Colin, eine Variation des Liedtitels zu ihrem Namen zu machen.

Text: Mike Kamp

„Ja“, lacht Geigerin Béatrix Méthé, „La Bottine Souriante haben den Song richtig populär gemacht und wir dachten vor zehn Jahren, dass das wegen unseres Colin ein witziger Bandname sei. Na ja, vielleicht klingt das in Wirklichkeit nur für etwa hundert Leute lustig.“
Die Mitglieder von Les Poules à Colin kennen sich schon ewig, weil die Eltern in Québec aktive Folkmusiker sind und ihre Kinder zu allen möglichen Festivals und Konzerten mitschleppten. Diese subtile Art der Beeinflussung wirkte. Marie Savoie-Levac, Bass, und Éléonore Pitre, Gitarre, packte der Ehrgeiz, als sie auf einem lokalen Folkfestival in Joliette eine junge Gruppe erlebten. Sie luden Béatrix Méthé und Colin Savoie-Levac ein, mitzumachen, und als dann noch Sarah Marchand, Tasteninstrumente, in die Gegend zog, war die Formation komplett. „Angefangen haben wir als eine Art Coverband“, berichtet Béatrix. „Wir spielten Songs von Gruppen wie den Duhks oder Malicorne nach, haben das aber schnell ernsthafter betrieben. 2010 nahmen wir das erste Album auf, die erste Europatour kam 2013 und jetzt die dritte CD Morose, wo wir uns erstmals so richtig wiederfinden. Es war eine stetige Entwicklung in den letzten neun Jahren.“
Morose ist durchaus ein mutiger Albumtitel, denn das Wort bedeutet so viel wie „mürrisch“ oder „missmutig“. Das trifft ganz gewiss nicht auf die fünf zu, einen ziemlich witzigen und quirligen Haufen. Die Musik beschreibt es schon eher, denn die kommt sehr zeitgemäß und ziemlich düster daher oder zumindest in einer Mischung zwischen Bitterkeit und Süße. Das gibt Béatrix auch unumwunden zu. Es ging bei dieser CD um traditionelle Lieder Québecs mit dunklen Wurzeln. Dazu bedienten sie sich diverser Quellen, etwa der oralen Überlieferung, die es immer noch gibt, aber natürlich kann man auch in Archiven forschen. Es gibt Unmengen an Songs aus Frankreich, Québec, Akadien oder Louisiana. „Uns geht es in erster Linie um die Geschichte, die ein Lied erzählt. Es passiert häufiger, dass wir die Geschichte mögen, aber von der Melodie nicht so begeistert sind. Dann schreiben wir einfach eine neue Melodie. Aber wichtig ist uns auch, dass wir unbekanntere Versionen von Liedern aussuchen, und manchmal mischen wir diverse Versionen eines Liedes so zusammen, dass es für uns passt.“

... mehr im Heft.