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Andreas Albrecht * Foto: Christian Reister

Ortstermin


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Die Kunst der unverkrampften Weltbetrachtung

Andreas Albrecht

Zebrano-Theater, Berlin, 7.10.2017



Text: Stephan Göritz

Wie kann man die Trostlosigkeit einer Stadt in einer Zeile ausdrücken? Andreas Albrecht formuliert knapp, dass dort „kein Hund bellt“, und zwar „lauter und lauter“. Einen Blick empfindet er als unvergesslich, weil er „Alter egal macht“. Immer wieder zeigte er uns, wie oft der Alltag etwas zum Staunen oder Schmunzeln bereithält, und machte seinen Liederabend beinahe zu einem Einführungskurs in die Kunst der unverkrampften Weltbetrachtung. Auf die bei vielen Künstlern beliebten Wortspiele verzichtete er, denn die verhüllen oft mehr, als sie erklären. Lieber beschrieb er Situationen so, dass sie für sich sprachen. Besonders haften bleibt sein Lied „Mein Gott“, das Porträt einer Instanz, die, anders als einst Einstein vermutete, sehr gern würfelt. Andreas Albrechts Gott überhört manches Gebet, weil auch ein höheres Wesen mit Multitasking überfordert ist. Den Teufel, dessen Stimme am Ätherfon so sympathisch klingt, würde er gern treffen, nur finden sie keinen Termin. Doch am meisten wünscht sich Gott, wird hier behauptet, dass ihn endlich keiner mehr braucht. Dieser so menschliche Gott ist ungeeignet als Ausrede für Unterdrückung jeder Art und erst recht als angeblicher Auftraggeber für Terror. Ein hoch aktuelles, großes Chanson, das mit Jacques Brels „Le Bon Dieu“ oder den Genesis-Liedern von Ludwig Hirsch in einer Liga spielt. Doch auch für Nonsens hat Albrecht eine Schwäche. So plädierte er dafür, ein von vielen skeptisch betrachtetes Fest in eine andere Jahreszeit zu verlegen und es auf diese Weise neu zu entdecken. Bei der Refrainzeile „Schub schubiduli, wir feiern Weihnachten im Juli“ animierte er tatsächlich das gesamte Publikum zum Mitsingen, um hinterher trocken zu erklären: „Mit euch kann man aber auch alles machen.“

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