Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen


Suche
    Intern     Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 4/2016   Internetartikel
 

Folker-Halbmast



Gétatchèw Mèkurya * Foto: Mephisto Dalle

GETATCHEW MEKURIA


14.3.1935, Yifat, Äthiopien,
bis 4.4.2016, Addis Abeba, Äthiopien


Getatchew Mekuria war einer der Begründer des Ethio Jazz und inspirierte Generationen von Saxofonisten in Äthiopien. Sein erster Zugang zur Musik waren die traditionellen Instrumente der Azmari, der „Minnesänger“ Äthiopiens, Krar und Masinko. Bald wandte er sich den modernen europäischen Instrumenten Saxofon und Klarinette zu und war bereits 1949 professioneller Bläser in der Municipality Band in Addis Abeba. 1955 wechselte er ins Ensemble des Haile-Selassie-I-Theaters und 1965 in das berühmte Police Orchestra. In der sich entwickelnden Ethio-Jazz-Szene der Siebzigerjahre wurde Mekuria zum „Negus of Ethiopian Sax“. Als Besonderheit seines Saxofonstils übertrug er die typische Form des traditionellen Shellella-Kriegergesangs auf sein Instrument. In der westlichen Welt wurde der Ethio Jazz erst spät entdeckt. Viele in Äthiopien seit Jahrzehnten berühmte Musiker begannen durch diese Aufmerksamkeit eine zweite Karriere. Getatchew Mekuria wurde 2004 von der holländischen Post-Punk-Band The Ex für gemeinsame Konzerte nach Europa eingeladen. Gemeinsam spielten sie 2006 das vielbeachtete Album Moa Anbessa ein. Tourneen führten ihn mit der Band durch viele westliche Länder. In den USA arbeitete darüber hinaus er mit dem Bostoner Jazzensemble Either/Orchestra. Jetzt ist der Vater der äthiopischen Saxofonmusik im Alter von einundachtzig Jahren gestorben.

Pit Budde



Papa Wemba * Foto: Edgar Ngelela

PAPA WEMBA


14.6.1949, Lubefu, Belgisch-Kongo,
bis 24.4.2016, Abidjan, Côte d’Ivoire


Immer wieder heißt es, der schönste Musikertod sei der auf der Bühne, und Jules Shungu Wembadio Pene Kikumba alias Papa Wemba hatte sich einen solchen Abgang kürzlich in einem Interview auch gewünscht. Aber das Ende kam viel zu früh für den sechsundsechzigjährigen Kongolesen, bei einem Festival im ivorischen Abidjan und als Schock für die Mitglieder seines Ensembles. Während eines Gitarrensolos, als am vorderen Bühnenrand die Sängerinnen tanzten, fiel der Bandleader um. Als letzter bemerkte der Schlagzeuger, was passiert war, und hörte auf zu spielen. Wäre ein Defibrillator zur Hand gewesen, könnte der Künstler wohl immer noch leben. So aber endete eine Karriere, die 1969 als Sänger in der legendären Soukous-Band Zaiko Langa Langa begonnen hatte. In den Siebzigern, als es den Bewohnern des damaligen Zaire noch vergleichsweise gut ging, stieg Papa Wemba, wie er sich inzwischen nannte, in seiner Heimat zum Superstar auf. Er machte Kinshasas Künstlerviertel Matonge zu einem der hippsten Orte Zentralafrikas, und in seiner Band lernte eine ganze Musikergeneration ihr Handwerk. Ab 1986 pendelte Papa Wemba zwischen Paris und Kinshasa und wurde einer der Pioniere der Weltmusikwelle, womit er zahllosen anderen afrikanischen Künstlern den Weg ebnete. Westlichen Kritikern, die ihm vorwarfen, seine Musik sei nicht mehr kongolesisch genug, hielt er entgegen: „Was ich mache, ist keine kongolesische Musik mehr, noch nicht einmal afrikanische Musik. Es ist einfach Musik.“

Wolfgang König



Jacky JacobiJ-van Beek * Foto: Ingo Nordhofen

JÜRGEN „JACKY“ JACOBI-VAN BEEK


21.8.1942, Düsseldorf,
9.5.2016, Krefeld


Auszug aus meinem Tagebuch, Montag, 9. Mai: „Der Flieder blüht in unserm Garten, auch die Rhododendren. Es stürmt heftig. Der Wind reißt viele morsche Äste von den Bäumen. Heute früh, kurz nach fünf Uhr, ist Jacky gestorben. Gut ist das Ende der Qualen, doch diese Endgültigkeit tut weh.“ Dabei ist er noch so präsent, mit seinem Strohhut, unter dem die halblangen weißen Haare hervorlugen, den blitzenden Augen, dem verschmitzten Lächeln und dem weißstoppligen Bart. Wie er unermüdlich über das Burg-Waldeck-Gelände streift, von weitem schon zu erkennen an seiner Gestalt und den knallroten Hosenträgern überm blauen Waldeck-T-Shirt. Dorthin, zur sagenumwobenen Liedermacherburg im Hunsrück, kam er erstmals 1959 mit den Pontocs aus Neuss, jener wohl ersten „Weltmusik“-Gruppe in Deutschland, bei der Jacky damals selbst hin und wieder in die Saiten griff. Hier lernte er seine Frau Barbara (Babusch) kennen, hier heirateten die beiden, die Waldeck wurde zu einer der wichtigsten Stationen in seinem Leben, wenn nicht gar zu seinem Lebensmittelpunkt. Jacky erlernte das grafische Gewerbe in zweierlei Hinsicht: als Positivretuscheur und als Reprofotograf. Er arbeitete viele Jahre bei Kodak in Stuttgart und später als Fachberater in der Großdruckerei Plambeck in Neuss. Zwischendurch lebte er mehrere Monate in Griechenland, von wo er eine Fülle von Liedern und Geschichten mitbrachte. Jacky spielte Gitarre und Tuba, war als Tubist Mitglied verschiedener sinfonischer Orchester. Ab 2005 war Jacky künstlerischer Leiter und Organisator der internationalen Liederfeste auf Burg Waldeck, tatkräftig unterstützt von Freunden wie Tom Schroeder und Klaus Peter „Molo“ Möller. Was die Auswahl der Künstler anbelangt, war es sein Bestreben, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Er holte – was etlichen Außenstehenden nicht recht bewusst zu sein schien – viele sehr junge, unbekannte Talente auf die Waldeck, berücksichtigte aber ebenso immer wieder altgediente Barden wie Hein & Oss, Bömmes, Colin Wilkie, Walter Moßmann, Hai & Topsy, den Black, Joana und andere. In unserem letzten Telefonat, drei Tage vor seinem Tod, erkundigte er sich mit vollem Ernst nach meinem Gesundheitszustand sowie nach dem Stand meiner Waldeck-Moderationsvorbereitungen. „Ich hab alles fertig, Jacky.“ Darauf er: „Na dann ist ja gut.“ Und dann fügte er als letzten Satz hinzu: „Wir sehen uns.“ Ja, Jacky, wir sehen uns, egal wo. Mach’s gut, lieber Freund.

Kai Engelke



Mick Fitzgerald * Foto: Doris Joosten

MICK FITZGERALD


18.8.1951, Dublin, Irland,
bis 16.5.2016, Dublin, Irland


Ehe Mick Fitzgerald in Deutschland als Mitglied von Wild Geese bekannt wurde, arbeitete er in Dublin bei einer Tageszeitung, nahm Schauspielunterricht und gehörte heute legendären Bands wie Tipsy Sailor an. Schon zu Wild-Geese-Zeiten fing er an, neben Liedern auch Kurzgeschichten zu schreiben. Nach der Trennung der Gruppe machte er die Schauspielerei zu seinem Hauptberuf, schrieb mehr denn je zuvor und vernachlässigte auch die Musik nicht. So spielte er regelmäßig bei Sessions in Dubliner Kneipen, vor allem im O’Donoghue’s. 2010, fünfundzwanzig Jahre nach dem letzten Auftritt von Wild Geese, kehrte er erstmals als Solomusiker nach Deutschland zurück und stellte dabei auch seinen soeben erschienen Kurzgeschichtenband Session vor. Seither war er regelmäßig in Deutschland zu hören, nahm zwei Märchen-CDs auf und hatte Pläne für weitere Alben, die in Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen entstehen sollten. Die Krebserkrankung, die sich 2011 erstmals zeigte und die er nach mehreren Operationen nun endlich besiegt zu haben glaubte, brach nach einer Frankreichtournee im März erneut aus und setzte allem ein Ende. Nur ein neuer Band mit Erzählungen ist fast fertiggestellt und wird in diesem Jahr noch erscheinen, als bleibende Erinnerung an einen wunderbaren Musiker und Geschichtenerzähler.

Gabriele Haefs



Guy Clark * Foto: Nashvilleportraits.com

GUY CLARK


6.11.1941, Monahans, Texas, USA
bis 17.5.2016, Nashville, Tennessee, USA


Er war ein Countrymusiker und Singer/Songwriter, der bekannt wurde, als Jerry Jeff Walker Guy Clarks Lieder „L. A. Freeway“ und „Desperados Waiting For A Train“ aufnahm. Clark ist für seine Story Songs bekannt, in denen er wie ein moderner Troubadour Geschichten erzählt, die er oder andere erlebt haben. Clark wurde 2004 in die Nashville Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Er war auch mehrfach für einen Grammy nominiert. Für My Favourite Picture Of You erhielt er 2013 schließlich die Auszeichnung für das beste Folkalbum des Jahres.

(Quelle: Wikipedia)



Häns'che Weiss

HÄNS’CHE WEISS


1951, Berlin,
2.6.2016, Nürnberg


„Wir müssen einen Weg für uns suchen, / wir müssen einen Weg für uns finden, / lasst uns unser Recht fordern. / Wir bitten euch [die eigenen Leute; Anm. d. Verf.], / lasst uns nicht auf dem alten Weg [der Passivität; Anm. d. Verf.] bleiben.“ Dieser Liedtext, im Original in Romanes verfasst, stammt von Häns’che Weiss. Sein Anliegen war es, über die bloße Bewunderung des Gypsy Swing hinaus, Aufmerksamkeit für die damals wie heute prekäre Situation der Zigeuner, der Sinti und Roma in Deutschland zu wecken. Weiss war ein hochtalentierter Musiker, der bereits als Siebzehnjähriger den ersten Preis eines Musikwettbewerbs beim Sender Rias Berlin gewann und schon zwei Jahre darauf als Sologitarrist beim Schnuckenack Reinhardt Quintett einstieg. Als wichtigsten Einfluss bezeichnete Häns’che Weis stets das Vorbild fast aller Gypsy-Swing-Gitarristen, nämlich Django Reinhardt. Während ausgedehnter Konzerttourneen durch Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz, erwarb der junge Musiker sich den Ruf, einer der exzellentesten Gitarristen seines Genres europaweit zu sein. Ein paar Jahre später gründete Häns’che Weiss sein eigenes Ensemble, das Häns’che Weiss Qintett. Viele Musiker, die im Laufe der Zeit bei ihm musizierten, wurden später selbst gefeierte Stars der Sinti-Swing-Szene: Titi Winterstein, Ziroli Winterstein oder auch Lulu Reinhardt. Neben den charakteristischen Spielweisen, die sich Weiss als Gitarrist innerhalb seiner berühmten Musikerfamilie erworben hatte, beschäftigte er sich zunehmend mit der Entwicklung der modernen Jazzgitarre und mit Interpreten wie Barney Kessel, Wes Montgomery, Joe Pass und Kenny Burrell. Mit Häns’che Weiss verliert die deutsche Musikszene einen ihrer profiliertesten und zugleich einflussreichsten Künstler.

Kai Engelke



Dave Swarbrick * Foto: Bryan Ledgard

DAVE SWARBRICK


5.4.1941, New Malden, Surrey, England
bis 3.6.2016, Aberystwyth, Ceredigion, Wales


Im Dezember 1969 veröffentlichte Island Records das Fairport-Convention-Album Liege & Lief, ein Schlüsselmoment des britischen Folkrevivals. Gewichtigen Anteil an diesem „Kulturschock“ hatte der Fiddler Dave Swarbrick. Fairport Convention wurden mit Preisen überhäuft, und bei den BBC Radio 2 Folk Awards 2006 schließlich erhielt Liege & Lief die Auszeichnung, das „einflussreichste Folkalbum aller Zeiten“ zu sein. Das Werk rüttelte die europäische Folkgemeinde auf. Das betraf Ougenweide in Hamburg, Wargaren in den Niederlanden, Folk & Rackere in Schweden und Sourdeline in Frankreich. Und auch wenn die Eerste Hollandse Dansband niederländische traditionelle Tanzmusik spielte, klangen sie nach einer Fairport-Kopie mit einem verdammt guten Swarbrick-Klon als Geiger.
Die Gruppe, die Fairport Convention den Weg geebnet hatte, war die einflussreiche Ian Campbell Folk Group gewesen. Unterwegs im Zug von Birmingham nach London hatte Swarbrick den Klang von Musik aus einem Nachbarabteil gehört. Er hatte gefragt, ob er sich dazusetzen dürfe, spielte noch am selben Abend als Gastmusiker der Band in London mit und war an ihrer 1962 erschienenen Debüt-EP, Ceilidh At The Crown, beteiligt. Aus der 1965 beginnenden Zusammenarbeit mit Martin Carthy entwickelte sich eine brüderliche Freundschaft. Als Teil der Skifflebewegung hatte der Musiker auf Geheiß des Pianisten Beryl Marriott inzwischen von der allgegenwärtigen Gitarre auf die Fiddle gewechselt. Im Dezember 1971 bezeichnete ihn Jimmy Page im Melody Maker als „verdammt guten Geiger“, und mit der Zeit entwickelte Swarbrick sich zum einflussreichsten Vertreter der britischen Folkszene an seinem Instrument. An Raison D’Être, einem seiner besten Soloalben, das 2010 veröffentlicht wurde, arbeitete der akribische Meister seiner Kunst acht Jahre.
David Cyril Eric Swarbrick kam als zweiter Sohn und drittes Kind Frederick Cyril und Maidie (Mabel) Swarbricks zur Welt. Im April 1999 wurde er in die illustre Gemeinschaft derer aufgenommen, die ihren eigenen Nachruf lesen durften. Er nahm es gelassen und verkaufte Kopien des im Daily Telegraph erschienenen Textes für ein Pfund auf Konzerten. Er war achtmal mit sieben Frauen verheiratet, ehe er sein Glück mit einem verwandten künstlerischen Geist fand. Seine letzte Ehe mit Jill Banks dauerte bis zum Schluss.

Ken Hunt