Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 4/2015   Internetartikel
»Das Erforschen der Traditionen empfand ich stets als etwas Kreatives.«
Raúl Rodríguez

SHORTstory


Weitere Artikel aus der Rubrik SHORTstory in dieser Ausgabe:

Eurasians Unity

Cynthia Nickschas

Rhiannon Giddens





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Schnupper-)Abo.






Aktuelles Album:

Razón De Son
(Fol Música/Galileo MC, 2014)


Cover Razon De Son


Raúl Rodríguez

Fröhlicher Wissenschaftler zwischen Alter und Neuer Welt

Kaum jemand in Spaniens aktueller Populärmusikszene spürt so akribisch, so lebensnah wie akademisch den soziokulturellen musikalischen Wechselwirkungen zwischen Hispanoamerika und Iberischer Halbinsel nach wie dieser Anthropologe und Meister der Flamencogitarre und der Tres, jener kubanischen Gitarre, die er als Erster gekonnt in den Flamenco überführte. Nach zwei Alben mit seinem einstigen Projekt Son de la Frontera brachte der Andalusier nun im Alleingang das CD-Buch Razón De Son heraus, das über mehrere Monate in den Top Ten der World Music Charts Europe war.

Text: Katrin Wilke

So man überhaupt von Soloarbeit sprechen kann bei dem stets weit verbandelten Künstler, der zu Hause geschätzt wird als Mitmusiker von Barden wie Kiko Veneno oder Santiago Auserón, als Produzent des zweiten Albums von Las Migas (siehe Folker 2/2011), für seine Zusammenarbeit mit kubanischen Musikern wie Compay Segundo und vor allem als musikalischer Partner der Sängerin Martirio. Die prominente Mutter war es auch, die kürzlich für ihren durch Arbeit abwesenden Sohn den unabhängigen Musikpreis Spaniens für das „Beste Flamencoalbum“ mit Freude entgegennahm.
Neben Flamenco prägt allerdings vor allem kubanischer Son, aber auch Blues Raúl Rodríguez’ weitestgehend allein geschaffenes, erbauliches Werk. Zudem hat der Einundvierzigjährige aus Sevilla alle Saiteninstrumente und Percussion auf dem neuen Album selbst eingespielt sowie erstmals solo gesungen. Er verantwortet auch das Gros der Kompositionen, der Texte und die Produktion des an Fotos und Abbildungen reichen Buches mit einliegender CD. Das darauf versammelte Lieddutzend spinnt zwischen Hin und Her die ida y vuelta zwischen Alter und Neuer Welt auf eigene, imaginär-folkloristische Weise fort, immer, wie gleich zu Beginn im Titelsong verkündet, der „Räson des Son“ konkret und metaphorisch auf der Spur: „Schon Ignacio Piñeiro, einer der wichtigsten Soneros Kubas, empfand den Son als das Allerfeinste für das seelische Vergnügen. Für mich liegt die Daseinsberechtigung dieser Musik darin, eine neue, andere Welt erstehen zu lassen, dem Menschen für diese die Vorstellungskraft zu geben. Das Erforschen der Traditionen empfand ich stets als etwas Kreatives, die Schöpferkraft als die tatsächliche Mutter der Tradition und nicht umgekehrt. Traditionen können also nur dadurch fortbestehen, dass wir nicht aufhören, kreativ mit ihnen umzugehen. Deshalb war mir bei diesem Projekt auch die kompositorische Arbeit so wichtig.“

... mehr im Heft.